Manu Dibango

Der aus Kamerun stammende Musiker Manu Dibango ist am 24. März 2020 im Alter von 86 Jahren in einem Pariser Spital an den Folgen der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben.

Eigentlich hatte ich schon vor längerer Zeit angefangen einen Beitrag über Dibango zu schreiben, sein Tod veranlasste mich jetzt das unfertige Manuskript aus der Schublade zu nehmen und fertig zu stellen.

Als sich Manu Dibango (eigentlich Emmanuel N’Djoké Dibango) in den 1950ern in Frankreich aufs Abitur vorbereitete, stiess er auf den Jazz und begann sich mit Klavier und Saxofon zu beschäftigen, schlussendlich schloss er sich dem Orchester Grand Kalle et l’African Jazz aus Belgisch-Kongo an. Wieder zuhause in Douala (Kamerun) sah Dibango keine Karrieremöglichkeit für sich, er emigrierte einmal mehr nach Europa (Belgien), veröffentlichte Anfang 60er ein paar Singles und arbeitete später für angesagte französische Stars wie Dick Rivers und Nino Ferrer.

1969 erschien mit Saxy-Party die erste Langspielplatte von Manu Dibango, eine einzige, grandiose Instrumental-Safari durch die Genres Soul, Jazz, Afrobeat, Pop und Easy Listening, neben Coverversionen wie „Je veux être noir“ (Ferrer) oder „Double Or Nothing“ und „Blue On Green“ (beide von Booker T. & The MG’s) gab es aber auch bereits eigene Kompositionen wie „Ngodi Man“ und „Wouri“. Dibango scheint danach scheint eine regelrechte Kreativitätsexplosion erlebt zu haben, viele der Aufnahmen die ab 1971 beim Label Fiesta (international bei Decca, Atlantic etc.) erschienen, sind vermutlich schon früher entstanden. Diese  grosse Tonträger-Offensive bescherte schnell den internationalen Durchbruch, „Soul Makossa“ vom gleichnamigen Album erreichte 1972 Platz 35 der US Billboard-Charts.

Ein Album wie Africadelic (1972) hört sich durch den massiven Einsatz von Percussion afrikanisch und experimentell an (Big Band vs. Afrobeat?), die LP ist eine Schnittstelle zwischen Jazz und Rock. „Wild Man In The City“ von der LP O Boso hingegen ist ganz einfach ein betörendes mit Naturgeräuschen hinterlegtes Stück Folk/Jazz/World-Music.

Auf einen Stil festlegen mochte sich Manu Dibango schon in frühen Jahren nicht. Mit dem Album African Voodoo (ebenfalls von 1972) lieferte er die vielleicht beste Platte ab die weder Traffic noch die Crusaders jemals gemacht haben. Bei diesen Recordings von 1971 glänzte er in erster Linie an Orgel, Piano und Vibraphon, er griff selbstverständlich aber auch zu seinem Standardinstrument Saxofon. Wer progressiven Musik aus dieser Dekade mag und auf der Suche nach neuem Ohr-Futter ist wird begeistert sein, African Voodoo ist eine göttliche musikalische Offenbarung!

Manu Dibango blieb seine ganze Karriere hindurch ein Freigeist, er wollte sich nie auf einen Stil festlegen, er sprang zwischen allen erdenklichen Sparten hin und her wie es ihm gerade passte. Jazz, Pop, Afrobeat, Soul, Funk, die musikalische Welt von Manu Dibango kennt eigentlich keine Grenzen, ganz gerne produzierte er auch Filmmusik die in afrikanischen Produktionen zum Einsatz gelangte. Die verbindende Klammer in Dibangos Musik sind die Melodien, deshalb ist ein Song bei Dibango eigentlich immer mit Elementen ausgestattet die man vor sich hin summen kann, auf diese Weise umgarnt und entführt er seine Zuhörer und nimmt ihnen den Schrecken vor Begriffen wie „Jazz“ oder „Afro“.

Das umfangreiche Schaffen von Manu Dibango macht die Annäherung nicht gerade einfach (der Schreiberling dieser Zeilen kennt übrigens auch nur einen Bruchteil davon), ich empfehle deshalb den chronologischen Einstieg. Mit den Aufnahmen aus den frühen 70ern kann man definitiv nichts falsch machen, da eignet sich ausnahmslos jede einzelne Platte als Sprungbrett in das schillernde Universum von Manu Dibango. Allerdings kann man sich auch in anderer Richtung an Dibango heran tasten: Balade En Saxo (2014) war sein letztes offizielles Album, sein ganz persönlicher Karriere-Rückblick, mit Herz erwärmenden Sax-Klängen lotst Dibango seine Hörerschaft durch seine Song-Favoriten aus vergangener Zeit.

R.I.P.


LONG LIVE AFRICAN JAZZ’N‘SOUL!

mellow

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