Blue Mink

Die 1969 von Organist Roger Coulam gegründeten Blue Mink waren ein typisch britisches Phänomen: Im Vereinigten Königreich waren sie zu Beginn der 1970er recht erfolgreich, der Rest der Welt nahm sie kaum wahr. Die Aushängeschilder des ausgezeichnet aufeinander abgestimmten Pop-Kollektives waren zum einen Sänger Roger Cook, seines Zeichens die eine Hälfte des Songwriterduos Cook/Greenaway das Songs bei diversen nahmhaften Acts (Deep Purple, Hollies, Cilla Black, Cliff Richard) unterbringen konnte, zum anderen die farbige amerikanische Sängerin Madeline Bell die Anfang Sixties aus den USA nach England übergesiedelt war und vor allem als Studiosängerin tätig war, ihre Name und ihre Stimme taucht bei unzähligen Produktionen auf, so auch bei Elton John, Donovan, Joe Cocker, Rod Stewart, eine schier endlose Liste.


Gleich mit ihrer ersten Single „Melting Pot“ (von Cook/Greenaway) schossen Blue Mink in die britischen Charts, ein respektabler Platz 3 schaute heraus, es wurde zugleich ihr grösster Erfolg.
Der Songtext des eingängigen Popsongs mit leichtem Souleinschlag war alles andere als belanglos, handelte im weitesten Sinne von Gleichbehandlung, unabhängig von Herkunft oder Religion, man werfe alle Menschen in einen Topf und wirble sie durcheinander damit schlussendlich alle dieselbe kaffeebraune Hautfarbe haben, ein edler Gedanke, aber auch eine Idee die um 1970 herum in vielen Ländern auf Unverständnis stossen musste, die Realität sah meist anders aus, in Südafrika konnte sich das Apartheid-Regime bekanntlich noch weitere 20 Jahre an der Macht festklammern. Soziale Themen wurden bei Blue Mink übrigens immer wieder mal angeschnitten, auch bei „Our World“ aus der Feder von Bassist Herbie Flowers.

„Blue Mink“, die instrumentale B-Seite der ersten Single stammte von Gitarrist Alan Parker, auch er kein unbeschriebenes Blatt, er war ein begehrter Studiomusiker, beispielsweise spielte er Gitarre auf der Hitsingle „Everlasting Love“ von Love Affair, auch beim „Hurdy Gurdy Man“ von Donovan griff er in die Saiten. Für Serge Gainsbourg war er ebenfalls tätig (zusammen mit dem legendären Keyboarder und Arrangeur Alan Hawkshaw mit dem zusammen er auch Library-Musik produzierte), aber auch David Bowie und Mike Batt nahmen seine Dienste in Anspruch.

Unbeirrt werkelte die Band weiter, Song um Song, Single um Single, LP um LP, man zeigte sich aber auch und ging auf Tour. 1972 veröffentlichten Blue Mink ein Livealbum, unter anderem mit einer instrumentalen Version von „Whole Lotta Love“. Bassist Herbie Flowers, ein weiterer bekannter „Mietmusiker“ in den Reihen von Blue Mink (er entwickelte und spielte z.B. die Basslinie auf Lou Reeds „Walk On The Wild Side“, hatte Jobs bei Elton John, David Bowie, T. Rex, Cat Stevens, George Harrison, Serge Gainsbourg etc. etc.), brauchte den Klassiker von Led Zeppelin wohl nicht zu üben im Vorfeld, er hatte schliesslich mit Alexis Korner und C.C.S. die bekannte Version eingespielt die als Erkennungsmelodie für BBC‘s Top Of The Pops verwendet wurde.

Bei Blue Mink scheint nie Stress geherrscht zu haben, finanziell bildeten wohl die lukrativen Studiojobs der einzelnen Musiker das Fundament, Blue Mink waren wohl viel eher eine Spass- und Herzensangelegenheit, hier konnte man sich im Kreise seiner Freunde musikalisch austoben, für Roger Cook sicher auch eine gut funktionierende Truppe um neue Cook/Greenaway-Kompositionen zu testen.

Blue Mink hatten eine enorme Stilbreite die von tanzbarem Softrock und Goodtime-Pop, von melodiösem Soul bis zu funky Tracks, Reggae und dynamischem Rock reichte. Das Konzept mit dem doppelten, weiblich/männlich gesplitteten Leadgesang überzeugt noch heute und ist mindestens so eindrucksvoll wie dasjenige des etwas bekannteren Gesangsgespannes Elkie Brooks und Robert Palmer von Vinegar Joe.

1974 kam das Ende für Blue Mink, offenbar liessen sich all die Aktivitäten neben der Band nicht mehr unter unter einen Hut bringen. Vielleicht lag es auch an der Auflösung der Arbeitsgemeinschaft von Hauptsongwriter Cook und Roger Greenaway, Roger Cook wanderte jedenfalls 1975 in die Vereinigten Staaten aus.

Die bei verschiedenen Plattenfirmen (Philips, Regal Zonophone, EMI) veröffentlichten Singles und LP‘s von Blue Mink dürften durchaus wieder einmal labelübergreifend von einem Spezialisten gesichtet und aufbereitet werden, so ist denn beispielsweise die Livescheibe Live At The Talk Of Town noch immer Reissue-Brachland, ein Zustand der dringend mal geändert werden müsste. Es existieren zwar unzählige Best-Of-Zusammenstellungen, vereinzelte (nicht gerade günstige) Japan-Pressungen, eine saubere umfassende Aufarbeitung des Backkataloges lässt leider noch immer auf sich warten. Ich möchte mal behaupten das wäre ein feines Projekt für das Label RPM das sich doch normalerweise immer so rührend um musikalische Hinterlassenschaften aus Britannien kümmert. Bis es soweit ist, behilft man sich eben mit irgendeinem Best-Of-Notnagel oder mit Second-Hand-Vinyl…

LONG LIVE POP MUSIC!
mellow

 

Blue Mink:
Madeline Bell – Vocals
Roger Cook – Vocals
Alan Parker – Guitar
Roger Coulam – Keyboards
Herbie Flowers – Bass, Tuba
Barry Morgan – Drums

LP-Discography:
Melting Pot (1969)
Our World (1970)
A Time Of Change (1972)
Live At The Talk Of Town (1972)
Only When I Lough (1973)
Fruity (1974)

  
  
  

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