Mamie Van Doren

Wer sich ernsthaft durch die Gründerzeit des Rock’n’Rolls pflügt, der wird früher oder später auf den Namen Mamie Van Doren stossen. Im Bereich Musik tauchte die Blondine (eine der drei legendären M’s aus den 50ern, Monroe, Mansfield, Mamie) im Umfeld von Eddie Cochran auf: Der Rock’n’Roll-Star mochte seine Nachbarin, attestierte ihr Talent und unterstützte ihre Karriere als Sängerin.

1931 kam sie in Rowena, South Dakota zur Welt und hiess dann 20 Jahre lang Joan Lucille Olander. Nach ersten Versuchen als Sängerin machte sie 1947 in Kalifornien den definitiven Sprung in die Medienwelt als sie bei einem Schönheitswettbewerb von Unternehmer und Filmproduzent Howard Hughes entdeckt wurde. Ihr Filmdebut feierte sie 1951 im Film Noir Ein Satansweib (deutscher Titel). Sie war auch dem peruanischen Pin-Up-Illustrator Alberto Vargas aufgefallen, er zeichnete sie in gewagter, aber damals nicht ungewöhnlicher Pose, schlussendlich war das der Startschuss ihrer Karriere als Schauspielerin, Fotomodell, Erotikstar und Sängerin. Ihren Künstlernamen puzzelte sie sich aus dem Vornamen von Dwight Eisenhowers Gattin Mamie und dem Nachnamen des angesagten TV-Quiz-Präsentators Mark Van Doren zusammen.


Ihren cineastischen Höhepunkt erlebte Mamie 1957 im Rock’n’Roll-Streifen Untamed Youth in dem sie gleich 4 Songs vortragen durfte. Begleitet wurde sie bei den Studiosessions von Eddie Cochran (der nicht nur „Ooh Ba La Baby“ für sie schrieb sondern auch im Film auftrat) und dem Orchester des Loungetrashkönigs Les Baxter. Sehenswert ist ebenfalls ihr Auftritt als Nachtclubsängerin in Teacher’s Pet (mit Doris Day und Clark Gable) bei dem sie „The Girl Who Invented Rock’n’Roll“ vortrug. Musikalisch bewegte sich Mamie Van Doren zwischen Jazz, R&B, Swing, Easy Listening und Rock’n‘Roll. Ihr Repertoire blieb überschaubar, die meisten der Songs entstanden im Zusammenhang mit ihren Filmen die leider mit der Zeit immer schlechter wurden und eindeutig zum Genre B-Movies gezählt werden müssen.


Wer Lust hat sehe sich bei Gelegenheit mal The Voyage To The Planet Of Prehistoric Woman (1968) an, ein unterirdisch schlechter Streifen, da ist ihr gefilmter Striptease zu „Can’t Seem To Make You Mine“ von Sky Saxon & The Seeds geradezu ein Highlight. Mamie wurde einzig auf ihren Körper reduziert und als sie keine Lust mehr auf hatte ein stereotypes dummes Blondchen zu spielen, blieben auch die Angebote aus. Wäre 1960 Eddie Cochran nicht tödlich verunglückt, dann hätte er sich bestimmt auch weiterhin um Mamie gekümmert, eine Karriere im Bereich Musik wäre durchaus möglich gewesen. Mamie Van Doren wurde dann ab den späten 60ern vor allem als leicht- oder unbekleidetes Model wahrgenommen.

In den 80ern versuchte sich Mamie an populärer Musik, die Titel „Young Dudes“ und „Queen Of Pleasure“ sind nicht schlecht möchte ich behaupten, auf alle weitaus prickelnder als alles was Madonna jemals an den Start karrte.

Mein ultimativer Lieblingssong von Mamie entstand 1964, ein Duett mit ihrer Freundin, dem britischen Pin-Up-Girl June Wilkinson: „The Bikini With No Top On The Top“ ist ein furioser R&B-Garagen-Stampfer, für den packenden Groove sorgte die Begleittruppe Billy Strange & The Senators. Die Nummer ist absolut zeitlos und lebt vom naiven aber bestimmten und fröhlichen Vortrag der beiden Damen, ein Track den man 20 Jahre später auch locker im Zuge von New Wave hätte durchwinken können, viele der neuen Bands bezogen sich damals ja explizit auf solche prähistorischen Sounds. Die tontechnische Qualität der Mamie-Aufnahmen aus den Fifties schwankt natürlich ein wenig von Session zu Session, was aber Hoodoo Records mit der 19-Track-Compilation Ooh Ba La Baby anbietet ist hervorragend.

Mamie Van Doren ist mittlerweile 88, zum fünften Mal verheiratet (seit 1979), erfreut sich bester Gesundheit, lebt noch immer in Kalifornien und hat einen Stern auf dem Hollywood Boulevard.

Mal ehrlich, was will man mehr im Leben?

LONG LIVE ROCK AND ROLL!
mellow

 


Mamie Van Doren – Ooh Ba La Baby –
Her Exciting Rock’n’Roll Recordings 1956-1959.

(2016, CD, Hoodoo Records)

1. Ooh Ba La Baby
2. Something To Dream About
3. Salamander
4. Nobody But You
5. Rollin’ Stone
6. I’m Grateful
7. The Girl Who Invented Rock’n’Roll
8. Go Go Calypso !
9. Anything Your Heart Desires
10. Hey Mama
11. I Fell In Love
12. The Beat Generation
13. The Boy Catchers Theme
14. Cabaret
15. Girls Town
16. Separate The Men From The Boys
17. A Lifetime Of Love
18. The Bikini With No Top On The Top
19. So What Else Is New

(Visited 164 times, 1 visits today)

Ein Kommentar

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sechs − drei =