The Spectrum

Spektrum gleich Vielfalt.
Projiziert man die Wortbedeutung auf die vergessene britische Band The Spectrum, dann wird man feststellen, dass es in diesem Fall durchaus zusammenpasst, bei diesem Spätsechziger-Projekt trifft man auf eine enorme musikalische Bandbreite die Nuancen von Beat, Pop, Rock, Blues, Psych, Prog bis Soul umfasst.

Die Wuzeln von The Spectrum gehen zurück auf die Beat- und R&B-Truppe Group Five die 1964 in Frankreich im Zuge des Beat-Booms eine ausgezeichnete LP veröffentlichte. 1967 wurde die Band von RCA engagiert: Dort war man beeindruckt vom Erfolg der amerikanischen Monkees und man versuchte etwas in dieser Richtung aufzugleisen. Man kann es gleich vorwegnehmen, aus den hochfliegenden Plänen wurde auf Dauer nichts, die Band um die Gebrüder Colin und Keith Forsey landete zwar 1968 in Deutschland mit einer Coverversion von „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ einen Hit und „Headin‘ For A Heatwave“ ging in Spanien auf Platz 1, zuhause in England fristete die Band Zeit ihres Bestehens aber eher ein Mauerblümchendasein. An der Band lag es sicher nicht, die zeigte mit ihren Studioaufnahmen welches Potential in ihr steckte, mit etwas Gespür hätten The Spectrum durchaus eine ernsthafte Konkurrenz für Love Affair werden können. Das Problem war vermutlich die fehlende Strategie, die Manager bei RCA verzettelten sich völlig mit ihren halbherzigen Versuchen The Spectrum in Film und Fernsehen zu etablieren, bis auf ein aus heutiger Sicht interessantem, spannendem pophistorischem und dazu erst noch farbigem Werbefilmchen (meine Güte, was trugen die bunte Klamotten!) zur Single „Portobello Road“ (1967) wurde nichts aus diesem Vorhaben.


Hinter den Kulissen blieb das von den beteiligten Musikern sicher nicht unbemerkt, allerdings flatterten vermutlich aber auch regelmässig die Gehaltschecks ins Haus, es war also “Klappe halten und abwarten” angesagt. Trotzdem, 1968 rumpelte es im Gebälk, es kam zu Besetzungswechseln. Der Schlusspunkt wurde mit dem Longplayer The Light Is Dark Enough gesetzt, die Platte beinhaltete Aufnahmen von 1968-1970 und wurde zu sowas wie einem Karriere-Grabstein. Die LP ist ausgezeichnet, allerdings kann sie die Richtungslosigkeit nicht ganz verbergen, sie mäandert hin und her zwischen dem fröhlichen „Ob-La-Di“-Pop und tollen beatlesken Nummern aus der Feder von Colin Forsey, Tracks wie „Mr. Jenkins Brand New Boots“ oder „Nodnol“ hätten problemlos auch in die Auslage von Badfinger gepasst. Daneben sorgte Keyboarder Peter Wood mit dem Instrumental „Walrus And The Horse“ für progressive Einflüsse und Keith Forsey profilierte sich als äusserst versierter Drummer. Mit „Glory“ und „Headin‘ For A Heatwave“ als Zugpferde hätte man diese LP und The Spectrum eigentlich erfolgreich vermarkten können, aber eben, offenbar war seitens der Record Company kein Interesse mehr vorhanden.

The Spectrum:
Colin Forsey – Vocals, Guitar
Tony Atkins – Guitar, Bass
Tony Judd – Bass
Bill Chambers – Organ
Keith Forsey – Drums
Ab 1968:
Peter Wood – Organ
John Beattie – Guitar

Ca. 1971 lösten sich The Spectrum auf, die Musiker tauchten ab in den Nebel der Musikgeschichte.

Bis auf… Keith Forsey.
Der Drummer landete in München bei Giorgio Moroder, trommelte auf Platten von Boney M. und wurde Songwriter und Produzent. 1979 schrieb er in Zusammenarbeit mit Pete Bellotte und Harold Faltermeyer für Donna Summer das Dancefloor-Monster „Hot Stuff“.

1983: „Flashdance… What A Feeling“ von Irene Cara ging durch die Decke, 1984 gab es einen Oscar für den Titel. 1985 verhalfen die Simple Minds seinem Song „Don’t You (Forget About Me)“ weltweit zu Hitehren. Forsey produzierte Generation X, Billy Idol, die Psychedelic Furs, Nina Hagen, die Pointer Sisters.

The Spectrum waren am Erfolg gemessen vielleicht eine Eintagsfliege,
Keith Forsey definitiv nicht.

LONG LIVE BRITISH MUSIC!
mellow

 

Ausser einer spanischen Compilation von 1969 und The Light Is Dark Enough veröffentlichten The Spectrum ihre Songs in erster Linie auf Singles. Eine lohnenswerte Compilation mit fast allen Aufnahmen (inklusive der LP von Group Five) erschien bei Grapefruit Records.

The Spectrum – All The Colours Of The Spectrum – Complete Recordings 1964-1970
(2017, DoCD, Grapefruit Records)
DISC ONE:
1. SAMANTHA’S MINE
2. SATURDAY’S CHILD
3. PORTOBELLO ROAD
4. COMES THE DAWN
5. HEADIN’ FOR A HEATWAVE
6. I WANNA BE (HAPPY) WITH YOU
7. LONDON BRIDGE IS COMING DOWN
8. TABLES AND CHAIRS
9. LET’S LIVE FOR LOVE
10. LITTLE RED BOAT BY THE RIVER
11. FORGET ME NOT
12. OB-LA-DI, OB-LA-DA
13. MUSIC SOOTHES THE SAVAGE BREAST
14. JUST WHAT I WAS LOOKING FOR TODAY
15. IT DOESN’T SEEM TO MATTER
16. COOL WATER
17. FREE
18. THE TALE OF WALLY TOFT
19. GLORY
20. NODNOL
21. CAPTAIN SCARLET (CLOSING THEME)

DISC TWO:
1. MR JENKINS’ BRAND NEW BOOTS
2. THE WALRUS AND THE HORSE
3. MANDY
4. JACQUELINE
5. THE LIGHT IS DARK ENOUGH
6. LITTLE GIRL
7. ASKING YOU
8. ROLL OVER BEETHOVEN
9. BYE BYE BIRDIE
10. PLEASE MR POSTMAN
11. YOU REALLY GOT A HOLD ON ME
12. WHAT’S THAT?
13. SWEET LITTLE SIXTEEN
14. WHOLE LOTTA SHAKIN’ GOIN’ ON
15. HIDE AND SEEK
16. MY BABE
17. DANCING IN THE STREETS
18. SHOPPIN’ AROUND
19. LOVER PLEASE

 

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