Led Zeppelin – Becoming Led Zeppelin (DVD)

Led Zeppelin – Becoming Led Zeppelin (DVD)

Eine der meist im Print besprochenen DVDs des letzen Jahres war wohl „Becoming Led Zeppelin“. Und alle diese Kritiken haben das Werk über den Klee gelobt. Bei mir hat das einen seltenen Fall von „haben-wollen-auf-grund-äusserer-einflüsse“ ausgelöst und da die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Film in einem Kino in der Nähe gezeigt wird gegen Null tendiert, war zumindest mir klar, dass die DVD her muss. Interessanterweise kann man die hier auch über einen lokalen Fernsehstream mieten (im Moment noch nicht möglich, aber für gegen die zweite Hälfte 2026 angesagt), oder bereits jetzt kaufen (aber nicht lokal speicherbar und die Verweildauer auf der Plattform ist nicht sicher. Da gibt es Aussagen von zwischen 5 bis 10 Jahren).

Der „Kaufpreis“, eigentlich eine längere Mietdauer, ist sogar in ähnlicher Höhe wie eine physische Beschaffung, sprich DVD, inklusiv Porto. Die aufgerufenen Preise mäandern irgendwo zwischen akzeptabel (meine Kopie) bis saufrech (3-stellig). Meine Musikvideos in DVD oder Bluray sind verglichen mit meinem sonstigen Tonträgerbestand eine absolute Nischenveranstaltung. Was ist jetzt mit den vielen Kritiken? Bulls Eye oder gerührter Quark?

Viele Dokumentationen aus dem Musikbereich bei denen die Protagonisten endlose Monologe halten, sind nur eines, stinklangweilig. In diesem Segment kommt mir aber als positives Beispiel die DVD „Shane“ über Shane MacGowan in den Sinn. Bei anderen Beispielen von „in his/her own words“ quäle ich mich über die Distanz und hoffe meistens, das mir der Strom ausgeht. Die Wilko Johnson DVDs sind nicht in diesem Segment zu Hause.

Die Aussagen der vier Bandmitglieder (John Bonham ist mit einem alten Interview zumindest tontechnisch eingearbeitet) sind interessant und driften nie in den Keller ab. Es ist selten, dass ich aus einem Informationsmedium so viele wirkliche Informationen erhalte. Dazu kommt, dass die drei noch überlebenden Mitglieder so etwas von relaxed wirken, aber das ist möglicherweise auch dem Setting zu verdanken, welches die Musiker immer nur alleine zeigt. Man kann es glauben oder nicht, aber gemäss deren Aussagen haben sie nie den Respekt und die Freundschaft gegenüber den anderen Gruppenmitgliedern verloren. Wenn eine Zweckgemeinschaft (es war ja wirklich ein kommerzielles Unternehmen) sich unter dem Strich so darstellt, dann Kudos an die Musiker.

Es ist keine Frage- und Antwortspiel wie bei einem Interview, es ist die Meinung der drei/vier Zeppelinisten zu hören, keine Interaktion von den Anwesenden beim Dreh. Und die Szene profitiert davon und man hat das Gefühl Page, Plant und Jones haben es sichtlich genossen ohne Vorgaben über die Band zu plaudern. Auch wenn John Paul Jones fast die Zähne nicht auseinanderkriegt.  Die abgedeckte Zeitspanne dieser ca. 120 Minuten erstreckt sich von der Kindheit der Protagonisten bis nach der Fertigstellung von Led Zeppelin „2“.

Die Musikbeiträge sind bei Fremdclips (Johnny Kidd And The Pirates oder Little Richard etc.) schwer geschnitten, aber auch das ist o.k., geht es doch hier um Led Zeppelin. Die Soundqualität ist sehr sehr gut, was mich aber auch auf den Gedanken brachte, dass vor allem die Liveaufnahmen nicht mit dem ursprünglichen Tonsignal über den Fernseher kommen. Bei einigen wenigen Sequenzen ist dies offensichtlich, wenn Ton und Bild nicht synchron laufen. Aber das ist zu verschmerzen, gibt es doch genügend Beispiele von denen ich annehme, dass hier die originale Tonspur auf der Disc ist.

Die Liveclips der Band sind insofern auch bemerkenswert, da hier vor allem auch Beispiele quasi aus dem Alltag gezeigt werden. Universitäten (wie im Hörsaal), Fernsehgigs mit vielleicht mal vierzig Nasen auf dem Boden im Kreis und so weiter. Angesprochen wird auch die Rezeption des Publikums in der Anfangsphase, die wohl nicht immer so grandios ausfiel wie später und das Publikum manchmal ratlos war. Die Kritiker um das Debutalbum rum, waren nicht sehr begeistert und es gab damals so gut wie kein positives Review. Wir reden hier im Moment gerade von den USA, wo auch die erste LP weit vor dem U.K. veröffentlicht wurde und wir reden auch über den Glücksfall den sie mit Atlantic gezogen hatten. Erstaunlicherweise wird Peter Grant zwar immer wieder mal auf Bildern gezeigt, aber sein Verdienst wird gar nicht mal so gross herausgestellt. Aber wie schon angedeutet, hier wird meistens nicht altes Stroh gedrescht und jeder hat sicher schon den einen oder anderen Led Zeppelin Bio-Schinken gelesen und die DVD ist dafür eine sehr gute Ergänzung. Die Schräglage zu den USA kommt nicht von ungefähr, ist die Band doch über den Teich zur Supergroup aufgestiegen. Abgedeckt werden eigentlich sonst nur noch zu einem kleineren Teil Grossbritannien und kurz noch Dänemark (im Zusammenhang mit ihrem Gig als Yardbirds).

Die Bildqualität ist erstaunlich und vielseitig und es gibt so gut wie keinen Ausfall. Ausnahme: Einen Clip mit Jimmy Page Solo an der Gitarre im Studio. Da wird aber darauf hingewiesen, dass das Band beschädigt ist/war (offensichtlich). Das sind aber nur etwa 15/20 Sekunden und man hat da wohl kein anderes Material gefunden und der Clip war doch wichtig genug um ihn zu verwerten. Jedenfalls, dies ist 100 %ig keine Schnarchvorstellung und die DVD ist, wenn man sie günstig bekommt, mehr als ihr Geld wert.

Der Rockzirkus ist etwas schwach auf der Brust was Led Zeppelin angeht, aber remo4 hat im Oktober 2013 einen Beitrag zum Debutalbum „Same“ und der „2“ verfasst, also genau die Zeitspanne, die hier in Bild und Ton abgehandelt wird. Zu finden unter https://www.rockzirkus.de/blog/2018/10/led-zeppelin-i-und-ii/

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