The Family Dogg

Der Ursprung von The Family Dogg geht auf ca. 1964/65 (unterschiedliche Quellenangaben) zurück, als sich der Brite Albert Hammond und der amerikanische Schauspieler und Musiker Steve Rowland (Bonanza, The Life And Legend Of Wyatt Earp, The Battle Of The Bulge) in Madrid – wo sie beide mit ihren spanischen Breatbands gastierten – kennen lernten. Zurück in England verhalf Hammond 1966 dem Kumpel aus USA zu einem Job als Produzent (The Pretty Things, The Herd, Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Titch, Marsha Hunt, Babe Ruth, Rodriguez, Jerry Lee Lewis‘ London Sessions) und gründete mit ihm, dem Sänger/Gitarristen Mike Hazlewood und den Sängerinnen Christine Holmes (die auch als als Moderatorin einer Kindersendung bei BBC arbeitete) und Pam „Zooey“ Quinn das Gesangsquintett The Family Dogg. Die Besetzung hielt llerdings nur kurze Zeit, die 16jährige Quinn wurde schon bald von den Eltern zurückgepfiffen. Die Anfangsphase von Family Dogg (das zweite “g” ist kein Schreibfehler, eine US-Firma schrieb sich auch so, also Dog mit “gg“, die Bandgründer fanden das offenbar ziemlich cool) ist recht verwirrend, zumindest was die Sängerinnen anbelangt, auch der Name Doreen De Veuve taucht auf, vermutlich übernahm aber wahrscheinlich schon bald Sue Lynn.

Ihre erste erste Single „The Storm“ (im Original von den Bee Gees) verhalf der Truppe 1967 zu einem medienwirksamen  Auftritt in der kultigen TV-Sendung Beat Club, dicke Stricke zerrissen sie damit trotzdem nicht, ihren einzigen eigentlichen Hit landeten Family Dogg erst 1969 mit dem Softpopsong „A Way Of Life“ der in den UK-Charts bis auf Platz 6 kletterte.

Der Track war aus dem gleichnamigen, bei Bell Records veröffentlichten Album ausgekoppelt worden, eine Platte auf der man auf äusserst interessante Namen stösst, Jimmy Page, John Paul Jones und John Bonham die damals bereits ihrem Zeppelin abhoben waren an den Aufnahmen beteiligt, genauso wie Clem Cattini (Blue Mink) und der Keyboarder Alan „Hawk“ Hawkshaw, ein Tausendsassa der in jedem Londoner Studio bekannt und beliebt war und auf hunderten von Aufnahmen seine Spuren hinterliess. Trotz der gewichtigen involvierten Namen wurde kein tonnenschwerer Rock gespielt, die Musik war mehrheitlich soft und sanft, bewegte sich zwischen Folk à la Donovan und dem damals angesagten Sunshinepop im Stil von The 5th Dimension und Mamas & Papas. Zwischen den „La-la-la-la“- und „Ba-ba-ba-ba“-Gesangsparts und dem eingewobenen Orchester konnte der Unterbau teilweise auch verhalten rocken (weniger durch Gitarren, eher durch das Schlagzeug), ein Highlight in dieser Hinsicht ist sicher „Pattern People“ von Jimmy Webb. Arrangiert wurden die Songs gleich von mehreren Cracks, Phil Dennys, Ken Woodman, Jim Sullivan, und eben auch John Paul Jones.

Spätestens 1972 mutierte Family Dogg zu Steve Rowland & The Family Dogg, ein Fingerzeig, dass nun der amerikanische Allrounder das Kommando übernommen hatte. Christine Holmes war nicht mehr mit von der Partie, ihre Position übernahm nun Ireen Sheer, bei „I Wonder“ bekam man zusätzlich Backing Vocals von Madeline Bell und PP Arnold zu hören. „I Wonder“ übrigens ein klasse Titel des sagenumwobenen Detroiter Singer/Songwriters Sixto Rodriguez (siehe den Dokumentarfilm Searching For Sugar Man), seine LP Coming From Reality (1971) war eine der Produktionsarbeiten von Steve Rowland. Und wie sehr Rowland von Rodriguez begeistert war ist leicht aus der Tatsache ersichtlich, dass sich Family Dogg insgesamt gleich sechs Songs des Amis mit mexikanischen Wurzeln schnappten.

Aus musikalischer Warte betrachtet beinhaltete der vielfältige Longplayer ausgezeichnete Popmusik, aus kommerzieller Sicht war die Platte bis auf das ausgekoppelte „Sympathy“ (Platz No. 2 in Holland, eine Coverversion des Hits von Rare Bird) relativ erfolglos. Auf „Trying To Put Me On“ (das nur für die US-Version der LP verwendet wurde) erkennt man auf Anhieb den Stil des Gitarristen der auf dieser LP seine Visitenkarte abgegeben hatte, es war ein junger aufstrebender Engländer der sich Chris Spedding nannte.

Nach der LP wurde es allmählich stiller um Family Dogg, die letzte Single erschien 1976.

Steve Rowland wurde Creative Manager bei Hansa/Ariola, er entdeckte The Cure und The Thompson Twins und hatte Boney M. unter seinen Fittichen. Später gründete ein eigenes Label und verfasste mit Hollywood Heat ein Buch über seine Zeit als Filmstar.

Albert Hammond legte eine beeindruckende Solo-Karriere aufs Parkett, an seinen Chartbreakern „It Never Rains In Southern California“, “I’m A Train” und „The Free Electric Band“ war auch Mike Hazlewood (1941-2001) beteiligt.

Christine Holmes machte ebenfalls den Schritt in die Selbständigkeit, unter dem Namen Kristine Sparkle (ein weiteres Pseudonym war Christine Authors, heute heisst sie Christine Hodgson) veröffentlichte sie zwei LP’s: Image (1974, Decca) ist ein ausgezeichnetes, leider vergessen gegangenes Glamrock-Juwel mit einer groovy Version von „Eight Days A Week“. Das Album I’m A Song (1976, Power Exchange Records) beinhaltete mit dem von ihr geschriebenen „Devil Woman“ einen Hit für Cliff Richard der auch von James Last gecovert wurde.

Die zweisprachig aufgewachsene  Ireen Sheer wurde in Deutschland zum gefeierten Schlagerstar. 1974 nahm sie für Luxemburg am Eurovision Song Contest teil und erreichte Platz 4, 1978 holte sie mit „Feuer“ für Deutschland Platz 6.

Sämtliche Aufnahmen von Family Dogg wurden 2014 von RPM
in Form einer DoCD aufbereitet.

LONG LIVE POP MUSIC!
mellow

(Visited 271 times, 1 visits today)

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

neunzehn + 4 =