The Greatest Show On Earth (Band)

The Greatest Show On Earth – eine Band der Brüder Watt-Roy

Ende der 1960er Jahre gründeten die Brüder Norman und Gary (oder auch Garth) Watt-Roy die Band Living Daylights. Zur Band gehörten Roy Heather und Curt Cresswell. Living Daylights nahmen drei Songs auf, die in unterschiedlichen Kombinationen als Single erschienen. Die Songs waren “Baila Maria”, “Always With Him” und “Let’s Live For Today”. Die Songs findet man auf diversen Samplern, wie zum Beispiel auf “Circus Days”. Erschienen sind die Singles um 1967.

1968 kam es schließlich zur Gründung von The Greatest Show On Earth. Die Ur-Besetzung der Greatest Show On Earth bestand aus dem Sänger Ozzie Lane, den zwei Roy-Watt Brüdern, Mick Deacon an den Tasten, Ron Prudence am Schlagzeug und den Bläsern Dick Hanson, Tex Phillpots und Ian Aitcheson. Ozzie Lane verließ die Band schon sehr fürh, um zurück in seine Heimat New Orleans zu gehen, als Ersatz kam Colin Horton-Jennings. Er soll nicht der große Sänger gewesen sein, beherrschte aber Flöte, Gitarre und die Bongos. Das war Grund genug ihn in die Band zu holen. The Greatest Show On Earth spielten in dieser Zeit eine Mischung aus Rhythm ‘n’ Blues, Jazz und Progrock.

Harvest entdeckte die Band für ihr Label und nahm mit ihnen 1970 die Songs “Real Cool World” und “Again And Again” auf. Die Single kam zwar nicht in die Charts und der kommerzielle Erfolg blieb aus, aber es verhalf ihnen zur Aufnahme des Albums “Horizons” das 1970 erschien. Das Album wurde in zwei Session aufgenommen, rechtzeitig für jeweils eine Übertragung einer Show im “Radio One” der BBC. Die erste Session fand vom 6. bis zum 8. Oktober statt, die zweite vom 13. bis zum 15. Oktober.

Was man selten liest, Sounds sprühte vor Begeisterung! Einige Zitate:

“… mauserte sich zu einer Popgruppe mit Format.”, “…gehören zur ersten Garde der englischen Popmusik…”, “Die Gruppe erreicht ihre Effektivität nicht durch Individalistentum, sondern durch homogene Geschlossenheit…”, “… ist ein Zwischending zwischen Rare Bird und Family…”, “… erzielt fantastische Ergebisse…” und “… gewinnt durch die ausgezeichnete Produktion.”

Diese Lobpreisungen beziehen sich ausschließlich auf “Horizons”, das folgende Album wird bei Sounds nicht mehr erwähnt. War Sounds so enttäuscht oder hat die Band nur vergessen? Höhepunkte auf „Horizons“ sind für mich “Real Cool World” und der 14-minütige Titelsong „Horizons“. Der Rest ist guter Progrock und nicht mehr. Die Vergleiche mit Family passen ganz gut, die Stimme von Colin Horton-Jennings geht in Richtung Roger Chapman und ist besser als oben geschrieben.

Noch im gleichen Jahr folgte erst eine weitere Single “Tell The Story” / “The Mountain Song” und dann das Album “The Going‘s Easy”. Auf dem Album ist auch ihr bekanntester Song “Magic Woman Touch“. Erfolgreich wurde der Song allerdings in der Coverversion der Hollies. “The Going’s Easy” gefällt mir etwas besser als “Horizons“. Schuld daran sind die Songs „Borderline“, „Magic Woman Touch“ und der „Mountain Song“. Letzterer ist zwar nicht auf dem offiziellen Album, aber auf der CD von Repertoire Records und hier als Bonus. Zu schreiben ist noch, die Songs stammen sämtlich aus den Federn der Mitglieder von The Greatest Show On Earth.

1971 war Schluss mit The Greatest Show On Earth. Die Musiker von The Greatest Show On Earth waren auch nach dem Ende sehr gefragt. Ausnahme sind die Musiker der Gebläsegruppe, diese zogen sich vollständig aus dem Musikgeschäft zurück. Ich habe versucht alle Beteiligungen aufzuführen, aber das ist für mich unmöglich! Die Aufzählungen am Ende dieses Beitrags sind nur ein ganz kleine Ausschnitte, in Wahrheit geht es für einige der Musiker in die Hunderte!

 

The Greatest Show On Earth

The Greatest Show On Earth:

Norman Watt-Roy: bass, voc.
Garth Watt-Roy: guit., voc.
Colin Horton-Jennings: voc., guit., flute, bongo
Mick Deacon: keyb.
Ron Prudence: drums
Dick Hanson: trpt., flugelhorn, perc.
Tex Phillpots: sax, perc.
Ian Aitcheson: sax, perc.

Ozzie Lane: voc. (nicht an den Alben beteiligt)

Greatest Show On Earth – Horizon – 1970

Greatest Show On Earth - Horizon

Sunflower morning
Angelina
Skylight man
Day of the lady
Real cool world
I fought for love
Horizons
Again and again

Greatest Show On Earth – The Going’s Easy – 1970

Greatest Show On Earth - Going Is Easy

Borderline
Magic woman touch
Story times and nursery rhymes
The leader
Love magnet
Tell the story
Mountain song

Ein kleiner Ausschnitt der Beteiligungen der Bandmitglieder nach der Auflösung:

Norman Watt-Roy:

Ian Dury And The Blockheads
Wilko Johnson
The Clash
Arthur Brown
Frankie Goes To Hollywood 
Nick Cave

Garth Watt-Roy:

Fuzzy Duck
East Of Eden
Limey
Marmalade
Steamhammer
Bonnie Tyler
Paul Young
Barbara Dickson
The Barron Knights
The Q Tips

Dick Hanson:

Tagget
Supercharge
Graham Parker
Dave Edmunds

Horton-Jennings:

Axis Point
Taggett
Hollies

Mick Deacon:

Vinegar Joe
Suzi Quatro
John Entwistle
Darts

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6 Kommentare

  1. The Going’s Easy ist für mich noch immer eine Scheibe aus der Kategorie “Götterhämmerung” und gehört seit Jahrzehnten zum Inventar meines Inselkoffers. Ich liebe die Dynamik der Sessions und vor allem auch das quietschende Paukenpedal. Norman Watt-Roy ist übrigens gleich doppelt vertreten in meinen “to-die-for-charts”, auch mit Loving Awareness schafft der Bassist den Sprung in meine persönliche Oberliga.

    mellow

  2. Schon Mark I der Brüder Garth & Norman Watt-Roy war eine fantastische Band, die bereits 1967 mit den beiden Singles für Philips: Baila Maria, Always With Him (Rubble Collection Box: CD01) und Let’s Live For Today, I’m Real, sowie 1968 mit der Fontana EP Let’s Live For Today (Rubble Collection Box: CD01) und den weiteren drei Titeln Jane (Circus Days Box: CD03), It’s Real, ’Cos I’m Lonely schon für etwas Aufmerksamkeit auch in Kontinental-Europa sorgte. Der Garth Watt-Roy Titel It’s Real (I’m Real) wurde versehentlich vom Label falsch angegeben. Es blieb für Living Daylights aber bei den insgesamt 6 einzelnen Titeln. Mark II war dann 1969 der Zwischenschritt mit der UK-Band Ossie Laine Show (Ossie: US Soul Sänger) und das war die komplette Besetzung der dann dadurch eingespielten Nachfolgeband. Mit Mark III The Greatest Show On Earth kommt dann meiner Ansicht das wahre Karriere-Meisterstück. Deren beiden einzigen Studio-Alben Horizons und The Going’s Easy erscheinen Februar und November 1970 und gehören sicher zu den raren Perlen des Classic-Rock. Wer die beiden Ausgaben von Repertoire Records (2005/6) im Digi-Pack bekommen kann, sollte zuschlagen, Top-Remastering und jeweils einen raren Bonus-Titel (erste Single). Mitte 1971 war leider Schluss mit weltgrößten Show. Die britische Musikszene schluckt die Gebläse-Truppe und sorgt für reichlich Formationen für den Rest der Band, besonders für die Brüder Garth & Norman. Kleine Anekdote: Bassist Norman Watt-Roy spielte mit Keyboarder Micky Gallagher Mitte der 70iger zusammen in den Bands Loving Awareness (einziges Album 1976: Loving Awareness) und Ian Dury And The Blockheads sowie Mitte der 80iger beim Projekt Captains Of Industry (einziges Album 1985: A Roomful Of Monkeys). Micky habe ich im September 2020 beim einzigen europaweiten dreitägigen Festival in Reichenbach getroffen, siehe auch den RZ-Beitrag The Animals – New Animals – Animals & Friends, er hat dort sensationell aufgespielt. Ich war oft nur zwei Armlängen von seinem Arbeitsplatz entfernt, wir haben uns in die Augen geschaut, er lächelte oft, wir haben uns gut verstanden. Bleibt Gesund und Klingende Grüsse, Der SchoTTe

    1. Danke für die zusätzlichen Infos und Korrekturen!
      Meine hauptsächlichen Informationsquellen waren die Beilagen der Repertoire CDs und Discogs. Ich besitze allerdings nicht die Digipacks, sonder die in Jewel-Cases. Bei Horizons werden die Aufnahmedaten Oktober 1970 genannt, eine Erscheinen des Albums im Februar ist daher unmöglich. Meine Vermutung ist, hier wurden die Texte zu Horizons und The Going’s Easy vertauscht. Auf The Going’s Easy werden keine Aufnahmedaten genannt, was auch seltsam ist.
      Die Liste der Aktivitäten der Watt-Roy Brüder ist noch viel länger als die von uns beiden genannten Namen, das schrieb ich bereits. In meiner Liste nannte ich nur die bekannteren Namen.
      Frage an den Schotten: gibt es große Unterschiede zu den beiden Ausgaben der Repertoire CDs und lohnt der Nachkauf?

      Noch ein kleiner Hinweis, mittlerweile gibt, oder gab, es eine ganze Reihe von Bands die sich “The Greatest Show On Earth” nennen. Aufpassen beim Kauf! Diese Bands haben nichts mit der Band um die Brüder Watt-Roy zu tun!

      1. Gesundes Jahr 2021 remo4 & mellow. Vor jedem der sich an das Thema The Greatest Show On Earth heranwagt und das so gut verdichtet, habe ich großen Respekt. Ich lese sehr viel und bin immer wieder entsetzt wie viel mittelmäßiges Material das Licht der Welt erblickt, auch Promo was ja oft auf die gleichen Quellen fußt (und oft ursächlich der Grund dafür ist). Das ist beim RZ durch die geballte Leidenschaft des gesamten Kollektiv anders. Auch die fachkundigen Blog-Beiträge helfen sehr das Netz noch enger zu spinnen. 1. Bei Repertoire ist der Kopf Thomas Neelsen genauso ein Schatzgräber und Musik-Maniac wie wir (macht aber leider auch Fehler, ist aber ein anderes Thema). Er hat die Werke von TGSOE mehrmals herausgebracht. Manchmal verhindern Rechte, Qualität, Verfügbarkeit und andere Gründe die Bündelung des Materials in Ton, Bild & Schrift, aber Thomas versucht IMMER ein geschlossenes Paket zu schnüren und berücksichtigt auch oft die raren Singles. Guter Mann, wie der Häuptling von AAA Culture Norbert Egger !! Wenn du die beiden Studio-Alben von TGSOE hast oder die Werkschau See For Miles Records (Single fehlt, Longtrack Horizons editiert) dann hast du praktisch das gesamte Material der Briten. Nachkauf nicht nötig. 2. Mit den unsauberen Quellen haben auch die Labels zu kämpfen. Deshalb ist es gut das wir sehr pingelig sind. Nur so können wir die Fakten bestmöglich präsentieren. Verschiedene Quellen sprechen bei der ersten Single und Studio-Album Horizons (Harvest SHVL 769) von Februar 1970 und The Going’s Easy (Harvest SHVL 783) November 1970. Ich habe im Archiv das originale Vinyl von 1970 und die Classic Revisited CD’s von Reportoire. Wer die späteren Werke von Bassist Norman Watt-Roy hat (wie mellow), beispielweise Loving Awareness und A Roomful Of Monkeys, das sind gesuchte Raritäten, schön pflegen. Kleine Anekdote: Wie unbekannt TGSOE selbst hier in ihrer zweiten Heimat Kontinental Europa auch noch Mitte der 70iger war, zeigt folgendes. Selbst von den damaligen Experten kannte kaum einer diese Briten. Ich bin olivgrün gekleidet im Gelände unterwegs, esse gerade aus einem Blechnapf irgendeinen Brei, da quatsche ich zufällig mit einem anderen Helmträger und zufällig auch über Rare Birds aus UK. Zufall, er war auch Fan von TGSOE. Das hat sich aber bis heute nur noch einmal wiederholt, im Rockzirkus. Lieber mellow, du überrascht mich immer wieder, lass uns zusammen auf die Insel reisen, dann können wir vier Koffer mitnehmen. Super Beitrag, tolle Blog-Einträge. Bleibt Gesund und Klingende Grüsse, Der SchoTTe

  3. Jetzt irritiert mich so langsam, dass anscheinend bei Norman Watt-Roy sein 2013er Solo Album “Faith & Grace” nie angesprochen wird (aber wohl seine anderen Nachfolgeaktivitäten). Unbedingt mal reinhören, falls das unter dem Radar durchging.

    Von The Greatest Show on Earth stehen bei mir die beiden Repertoire Digipacks in der Sammlung. Eigentlich wollte ich schon mit der Suche anfangen, weiss aber nicht so richtig an welcher Ecke ich anfangen soll. 😉

    Cheers

    Roland

  4. Der Bassist Norman Watt-Roy ist sicher zukünftig ein Kandidat für meine Serie Brit-Barden. Warum: weil er beispielsweise wie John Martyn oder Albert Lee (Beitrag bereits in Arbeit) nicht SO bekannt ist, aber in vielen Projekten unglaubliche Werke geschaffen oder daran mitgewirkt hat. Das Album The Man With The Face From Outer Space On His… Faith & Grace (2013) habe ich nicht im Bestand, aber viel Gutes darüber gehört. Immerhin hat Norman hier wieder viele Freunde für sein Solo-Spät-Werk gewinnen können. Klar, Keyboarder Micky Gallagher (Animals & Friends, siehe auch Beitrag im RZ) ist natürlich auch wieder mit dabei und Wilko Johnson, der zusammen mit Roger Daltrey das schöne Album Going Back Home (Chess 2014, gibt es auch als DCD Deluxe) gemacht hat, Tieftöner: Norman Watt-Roy. Die Mehrkosten für die Deluxe (wenn man sie bekommt) lohnen sich sehr. Das mit dem Suchen kenne ich gut, aber es lohnt sich auch hier. Die beiden TGSOE Classic Revisited CD’s von Reportoire haben ein tolles Remastering. Der Gebläse-Sound ist teilweise atemberaubend. Bleib Gesund Roland und Klingende Grüsse, Der SchoTTe

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