Chicago At Carnegie Hall

Chicago (Band) – At Carnegie Hall

In einer Sendung des Beat Clubs, es muss 1969 gewesen sein, trat eine Band mit Gebläse auf. Gebläse war damals neu und wurde langsam modern. Electric Flag, Paul Butterfield, Blood Sweat & Tears, Taj Mahal und auch Keef Hartley suchten die Unterstützung von Saxophonen, Posaunen und Trompeten. So war es auch bei Chicago und ihrem Auftritt im Beat Club. Der Song den sie spielten gehörte zu meinen Top Ten, es war „I’m A Man“ von der Spencer Davis Group. Sofort ging es in den nächsten Plattenladen und die Single wurde gekauft.

Chicago I'm A Man Chicago I'm A Man

In die ersten LP’s wurde auch reingehört, sie waren allerdings nicht sehr überzeugend. Kein Song kam auch annähernd an „I’m A Man“ heran. Zwei  Jahre später, 1971, erschien die Box „Chicago At Carnegie Hall“ und noch ein oder zwei Jahre später wurde sie dann gekauft. Es war eine schöne Box mit Bandfotos, eine nach Escher gezeichnete Carnegie Hall, vier Platten und alles verpackt in festem Karton. Leider verkaufte ich die Box als das Zeitalter der CD anfing und erstzte sie in eben diese CDs.

Chicago Carnegie Hall

Bei Chicago, anfangs noch Chicago Transit Authority genannt, war Jazz die Grundlage und dann erst kam der Rock. Die Musiker waren alles mehr oder weniger Profis und das merkte man auch. „Chicago At Carnegie Hall“ war das vierte Album der Band. Die Alben von Chicago bekamen sämtlich römische Zahlen als Nummer. Es ging los mit Chicago II, der Erstling lief noch unter dem Namen „Chicago Transit Authority“, dann III, dann dazwischen dieses Live Album um dann mit Chicago IV weiter zu gehen. Wie oben erwähnt, Chicago war nicht ganz meine Welt. Sie waren bereits ab dem zweiten Album ziemlich populär und ihre Musik grenzte an Mainstream. Live war es eine andere Band. Hier wurde gejammt und improvisiert, ganz nach meinem Geschmack. Bis auf „I’m A Man“ am Ende des Albums, waren alles Kompositionen der einzelnen Bandmitglieder. Es fehlte auch nicht ihr wohl bekanntester Song „Questions 67 And 68“. Noch eine Besonderheit, eine ganze Plattenseite gehörte dem Song „It Better End Soon“ unterteilt in 5 Abschnitten in dem jeder der Musiker sein Solo bekam.

 

 

Aufgenommen wurde „At Carnegie Hall“ in der Woche vom 5. bis zum 10. April. Für mich sind diese Aufnahmen das Beste was Chicago jemals auf den Markt gebracht hatte. Chicago war eine Liveband die von Improvisationen lebte, warum nur diese Masse an Studioalben?

Die Band:

Peter Cetera: bass, voc.
Daniel Seraphine: drums
Terry Kath: guit., voc.
Robert Lamm: keyb., voc.
James Pankow: trombone
Lee Loughnane: trpt., voc.
Walter Parazaider: woodwind, voc.

Die Songs:

In The Country
Fancy Colours
Does Anybody Really Know What Time It Is? (Free Form Intro)
Does Anybody Really Know What Time It Is?
South California Purples
Questions 67 And 68
Sing A Mean Tune Kid
Beginnings
It Better End Soon – 1st Movement
It Better End Soon – 2nd Movement (Flute Solo)
It Better End Soon – 3rd Movement (Guitar Solo)
It Better End Soon – 4th Movement (Preach)
It Better End Soon – 5th Movement
Introduction
Mother
Lowdown
Flight 602
Motorboat To Mars
Free
Where Do We Go From Here
I Don’t Want Your Money
Happy ‘Cause I’m Going Home (Ballet For A Girl In Buchannon)
Make Me Smile
So Much To Say, So Much To Give
Anxiety’s Moment
West Virginia Fantasies
Colour My World
To Be Free
Now More Than Ever
A Song For Richard And His Friends
25 Or 6 To 4
I’m A Man

 

 

(Visited 69 times, 1 visits today)

Ein Kommentar

  1. Gerade die ersten drei Alben von Chicago zähle ich definitiv nicht zum Mainstream. Auch nicht angrenzend. Das sie nach dem Live-Album, welches hier zur Diskussion steht, im MOR Sumpf versanken, geschenkt! Tatsächlich war bis dahin, das meiste, dass diese Band herausgab, ziemlich komplex und auch dem Genre Jazzrock/Rockjazz zugeordnet ziemlich falsch. Jazzrock (oder neudeutsch Fusion) waren strunzlangweilige Konzerte die 3 Stunden oder mehr dauerten und bei der der Gitarrist zum gefühlten zweitausendsten Mal das gleiche Lick spielte und das völlig zusammenhanglos an den anderen Instrumenten vorbeispielte (gut, vielleicht wars ja auch ein Vorgänger von Avantgarde). Ich weiss das definitiv, da ich damals genügend dieser “Jazzrock”-Konzerte mir angetan habe. Und seit Mitte der 70er habe ich mir keine Platte oder keinen Gig mehr freiwillig angetan, der unter der Fahne ins Feld zog.

    Chicago hatten mit Jazz jetzt mal gar nichts zu tun (genau so wenig wie Blood, Sweat & Tears, die von der Presse krampfhaft als deren grosse Kontrahenten aufgebauscht wurden). Interessant ist in dem Zusammenhang auch, dass du gerade “25 Or 6 To 4” nicht erwähnst (auch auf diesem Livealbum zu hören). Ein Rocker wie er im Buche steht und, ganz nebenbei gesagt, wohl der Song, der am bekanntesten ist (noch vor “Questions 67 And 68”). Die Box steht seit Ewigkeiten natürlich auch bei mir und Chicago habe ich kurz nach Veröffentlichung von “If You Leave Me Now” live gesehen (damals waren sie für mich erledigt, so eine Pop-Schnulze war der totale Ausverkauf). Der Gig ist mir in Erinnerung geblieben als einer der zwei lautesten ever, die ich je gehört hatte. Und erbärmlich abgemischt. Kein Song war erkennbar, bis, ja bis auf die Kamelle “If You Leave Me Now” und natürlich “25 Or 6 To 4”.

    Und meine Ohren haben noch eine Woche nachher gepfiffen. Hat sich dann wieder erholt, heute hätte das wohl bleibende gesundheitliche Schäden zur Folge. Uebrigens erinnere ich mich an ein Interview in dem die Band gefragt wurde, was es eigentlich mit “25 Or 6 To 4” auf sich hätte, resp. was die Bedeutung davon ist. Antwort, gar nicht, damals sei ihnen einfach nichts eingefallen und da hätte irgendwas stehen können. Ich muss mir heute noch ein Grinsen verklemmen, wenn ich daran denke.

    Die angesprochene Box kann ich jedem nur empfehlen, der abseits des Mainstreams Musik hören möchte. Mainstream im zeitlichen Kontext waren wohl eher die Beatles, Moody Blues oder ähnliche Combos.

    Cheers

    Roland

    P.S.: Vielleicht müsste ich noch erwähnen, dass ich Chicago abwechselnd mit Santana und Soft Machine damals sehr häufig bei einem Schulfreund gehört hatte, der diese Platten von seinem älteren Bruder übernommen hatte. Das Zeug war meinem Alter sehr voraus, hat mich aber geprägt wie sonst kaum etwas. Freiwillig hätte ich mir vieles aus dieser Sammlung wahrscheinlich nicht angetan. Aber via Soft Machine bin ich dann später auch zum Jazz gekommen. Also, alles gut!

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

fünf × 1 =