Crabby Appleton

Crabby Appleton – oder einmal mehr eine Unternehmung die den Aufstieg in die erste Liga nicht geschafft hat, zu Unrecht möchte ich sagen, die beiden veröffentlichten Longplayer sind jedenfalls von höchster Güte. Crabby Applteton stammten aus Los Angeles und waren 1970 von Elektra unter Vertrag genommen worden. Offenbar durften sie für ihre viel bekanntere Bands wie Guess Who, Three Dog Night und ihre Labelkollegen The Doors den Anheizer machen, allerdings waren die Massen in letzterem Fall wohl dermassen auf Jim Morrison und seine Truppe. fixiert, dass man der Randerscheinung Crabby Appleton keine oder nur wenig Aufmerksamkeit schenkte, an ihrer Musik lag es bestimmt nicht, das war exzellenter vielschichtiger Westcoastrock der sich auch Jahrzehnte später nicht zu verstecken braucht.

Auf der Debut-LP von 1970 findet sich gleich an erster Position der einzige Hit der Band, die furiose Powerpop-/Hardrocknummer „Go Back“ schaffte es in die Billboard Top 40. Die dazugehörige Langrille, schlicht Crabby Appleton betitelt, blieb trotz toller Songs und guter Kritiken auf der Strecke. Die ausgezeichnet harmonierende Band um Gitarrist und Sänger Michael Fennelly agierte ziemlich selbstsicher auf dem musikalischen Parkett und liess auch schon mal Organist Casey Foutz und Percussionist Flaco Falcon (später bei Joe Cocker und Dave Mason) von der Leine, in diesen Momenten sind Crabby Appleton ganz stark, da spürt man förmlich wie perfekt sie aufeinander abgestimmt waren.

Elektra offerierte der Band 1971 trotz der verpassten Ziele eine weitere Chance, das Nachfolgealbum Rotten To The Core! bewegte allerdings noch weniger. Crabby Appleton gaben natürlich auch hier wieder alles, sie erweiterten ihre Stilpalette in Richtung Knochenbrecher-Blues und Boogie, liessen aber auch bluesige Färbungen und Country-Einflüsse zu oder ritten beim wunderbar groovenden Roots-Folksong „One More Time“ mit Fiddle und Bottleneck-Gitarre die Americana-Welle lange bevor es den Begriff „Americana“ überhaupt gab, für den Backgroundgesang sorgten The Blackberries mit Clydie King die später auch mit Humble Pie kooperien sollten.

Wer auf Jo Jo Gunne, Hot Tuna, Quicksilver Messenger Service, Sugarloaf, James Gang, frühe Doobie Brothers oder ganz allgemein auf Rock mit Congas abfährt, der sollte unbedingt mal bei Crabby Appleton anklopfen, ein Apfel der alles andere als vergammelt war, der hatte Biss, war extrem knackig und saftig, bloss merkte das damals keiner.

Crabby Appleton lösten sich 1972 auf.


Michael Fennelly übersiedelte nach England wo er 1973 mit Lane Changer und 1975 mit Stranger’s Bed zwei von Chris White (Zombies) produzierte Soloalben im Bereich Hardrock veröffentlichte, bei der ersten Platte wurde er unter anderem unterstützt von Bassist Jim Rodford (Argent, Kinks), Drummer Henry Spinetti und dem Gebläse um Mike Cotton (Mike Cotton Sound, Satisfaction) mit Alan Holmes und John Beecham. 2013 veröffentlichte Sundazed mit Love Can Change Everything (Demos 1967-1972) Song-Skizzen von Fennely, darunter auch eine frühe Version von „Go Back“.
Drummer Phil Jones tauchte später im Umfeld von Joe Walsh, Tom Petty, Roy Orbison, Susanna Hoffs, Waddy Wachtel und Roger McGuinn wieder auf.

Crabby Appleton:
Michael Fennelly – Guitar, Lead Vocals
Hank Harvey – Bass
Casey Foutz – Keyboards
Phil Jones – Drums
Felix „Flaco“ Falcon – Percussion


Crabby Appleton – Same
(LP, 1970, Elektra / CD, Collector’s Choice)
1. Go Back
2. The Other Side
3. Catherine
4. Peace By Peace
5. To All My Friends
6. Try
7. Can’t Live My Life
8. Some Madness
9. Hunger For Love
10. How Long Will It Take


Crabby Appleton – Rotten To The Core!
(LP, 1971, Elektra / CD, Collector’s Choice)
1. Smokin’ In The Mornin’
2. Tomorrow’a A New Day
3. It’s So Hard
4. Makes No Difference
5. You Make Me Hot
6. One More Time
7. Lucy
8. Paper To Write On
9. Lookin’ For Love
10. Love Can Change Everything
11. Gonna Save You (From That)

LONG LIVE ROCK!
mellow

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