Seasons: Going Home

Seltene-Rock-Musik-Perle: Traditionelles Treffen mit Blues-Folk-Rock – Vermächtnis

Die Schatzgräber vom Rockzirkus werden inzwischen von vielen guten Helfern unterstützt. Kürzlich war ich mal wieder bei meinem lokalen „Plattenladen“ Archiv in meiner Heimatstadt, ein typisches Geschäft wie aus der Zeit gefallen. Wenn ich bei Frank & Ullii eintrete, werde ich zurück geschickt in die 70iger, fühle mich dort, in den deckenhoch mit Schätzen zugestellten Räumlichkeiten, als Musik-Maniac sehr wohl. Hier habe ich mal wieder einen Sack voll toller Musik-Produkte mitgenommen, Ullii meint immer, komm mal vorbei, habe wieder was gefunden was hier wegmuss. Diesmal sind auch wieder viele seltene Promotion- und Nischen-Tonträger dabei und finden so auf diesem Weg zu den Schatzgräbern vom Rockzirkus. Und beim Aufarbeiten der raren Materialien finde ich mal wieder so eine seltene Perle.

Das schottische Trio Seasons, nicht zu verwechseln mit der englischen Rock-Band Season aus Birmingham (1997-2009), wurde Anfang der 90er Jahre kurzzeitig durch die recht unbekannten Musiker Dennis Kramer (Gitarren, Bass, Keyboards), Herby Bartman (Dudelsack, Blechflöte, Klarinette) und Robert Rocco (Schlagzeug, Keyboards) gebildet. Sie tauchen irgendwo aus dem schottischen Hochland auf, spielen ein Album »Going Home« ein und verteilen sich dann wieder ohne Spuren zu hinterlassen in alle Himmelsrichtungen.

Seasons: Going Home (Single)

Seasons: Going Home (Promo)

Seasons: Going Home (Front)

Die Gäste die sie zu ihrem Album einladen sind da andere Kaliber. Glücklicherweise ist diesem Promo-Exemplar ein Blättchen des Label Edelton mit Hinweisen beigefügt. Und beim Lesen der illustren Gäste wird schon deutlich wohin der Finger zeigt. Musik zwischen Pop und Rock, Instrumentierung jenseits des Massenmarktes, Song-Material von Traditionellem (»Scarborough Fair«, »Mull Of Kintyre«), Bekanntem (»You’re The Voice« vom Australier John Farnham), Eigenem (»Journey To Scotland«, »Lowlands«, »Brentwood Bay«), eingebettet in einem eigenen folkloristischen Pracht-Gewand. Fünfzehn fette kurzweilige Titel, »Slowly The Snow’s Falling Down« (Gesang: Ian Cussick) und dem Evergreen »Amazing Grace« (Gesang: Dan McCafferty, Drue Williams, Ian Cussick, Susanna Reed) wurden davon sogar auf einer Single ausgekoppelt, die mal wieder so richtig Spaß machen. Die Basis ist Pop-Musik, Traditionell mit schottischen und irischen Dudelsäcken & Fiedeln, Flöten, Perkussion und zeitgemäß gewürzt mit der klassischen, rockigen Instrumentierung aus Blues und Folk. Stimmlich Abwechslungsreich mit einem halben Dutzend unterschiedlichen Vokallisten. Manchmal klingt es wie der folkige Mark Knopfler, nicht ohne Grund, denn »Local Hero« ist ein Titel aus seiner Feder. Man fühlt sich zeitweise auch an Enya, Clannad und Runrig erinnert, aber auch beim Titelgebenden »Going Home« an die monumentale Film-Musik von »Herr Der Ringe«. Und das ist tatsächlich interessant, da diese Musik von Seasons bereits 1993 entstanden und direkt danach völlig in Vergessenheit geraten ist. Manchmal ist nicht der richtige Zeitpunkt, aber von Zeit zu Zeit zündet der Funke unerwartet, das ist die harte Realität in dieser Branche.

Ian Cussick 3 (Foto: Bodo Kubatzki)

Ian Cussick – Der schottische Singer-Songwriter aus Dundee spielte bereits seit seinem 14. Lebensjahr mit mäßigem Erfolg in verschiedenen lokalen Bands. Er hat ab 1973, nach Anwerbung durch eine Anzeige in einem englischen Musik-Magazin, auch eine Menge Zeit in Deutschland verbracht, unter anderem bei Duesenberg, Lake, Tollhouse, Elephant, Linda Fields & The Funky Boys. Er war sogar in der Frühphase und auch noch zuletzt wieder ab Dezember 2012 Wegbegleiter von Alex Conti und bei den letzten beiden Lake-Alben sowie auf deren erfolgreichen Touren mit dabei. Was kaum einer weiß, Cussick war auch Sänger der Kino-Version des Werbe-Spot-Liedes »Like Ice In The Sunshine« eines bekannten deutschen Eis-Creme-Herstellers. Er ist wie Chris Farlowe oder Roger “Chappo” Chapman eine exzellente Blues- und Rockröhre und hat schon bei vielen Produktionen und Projekten weltweit erfolgreich mitgewirkt. Er selbst kann auf eine über 30-jährige Solo-Karriere und eine üppige Diskografie von zwei Dutzend Alben zurückblicken. Foto: Bodo Kubatzki

Dan McCafferty – Er ist Mitgründer der Hard-Rocker Nazareth und stammt aus dem schottischen Provinznest Dunfermline (Nähe Edinburgh). Er leiht diesem Projekt bei drei Titeln seine prägnante Stimme. 1975 nahm er mit einigen Kollegen, unter anderem von Deep Purple und Sensational Alex Harvey Band, ein beachtetes selbstbetiteltes Solo-Album mit seinen Lieblingssongs von bekannten anderen Kollegen auf. »Into The Ring« folgte dann 1987 und zuletzt veröffentlichte er »Last Testament« (2019), das schon ein Zeichen setzt. Von 1968 bis 2014 war er auf fast allen Alben und Auftritten von Nazareth zu hören, hat sich aber aus gesundheitlichen Gründen dann von den Tour-Aktivitäten zurückgezogen. Neuer Shouter wurde dann der Waliser Carl Sentance.

Drue Williams – In der Rock-Musik eigentlich unbekannt, hat er dennoch sein poppiges Album »Better Late Than Never« (1999) veröffentlicht und den Hit-Song »Killer« für das deutschen Trance-Projekt ATB (André TanneBerger aus Freiberg, Sachsen) eingesungen. Ein Megastar ist er aber im Bereich Musical, hatte er doch eine prägende Rolle in den britischen Aufführungen von Starlight Express (Lokomotive: Hashamoto), Greaseball (Dustin), The Baker’s Wife: A Comedy Musical (Dominique), Beauty And The Beast (Gaston), Saturday Night Fever (Monty), The Fly. Das dieser Tausendsassa eine echte ausgebildete Röhre hat spricht bei diesen Karriere-Stationen für sich selbst, das kann man auf drei Titeln gut hören.

Scott Williams – Über Scott Williams, der Name ist in Nordamerika sehr verbreitet, ist leider nicht so viel bekannt. Da er das Lied »Tom Traubert’s Blues/Waltzing Mathilda singt«, das auch schon vom SchoTTen Roderick David Rod Stewart 1992 zum Besten gegeben wurde, würde ich dort eine Verbindung sehen und/oder bei der Familie von Drue Williams. Bekannt ist über die Promo-Texte die Mitarbeit für die Joe Cocker Band.

Susanna Reed – Bei Susanne Eder alias ZouZou, ZouZou Eder und SuSu Eder gibt es ebenfalls eine Verbindung zu Alex Conti, hier ist es die Hamburger Rockabilly-Kapelle Rudolf Rock & Die Schocker. Sie war aber auch bei Texas Lightning, Foxy, Josy T., King Rocko Schamoni, Michy Reincke aktiv. Sie ist als Solostimme oder auch aus dem Hintergrund eine Bereicherung für diesen Männer-Gesangsverein.

Ian Cussick 2 (Foto: Bodo Kubatzki)

Ian Cussick 1 (Foto: Bodo Kubatzki)

Ein sehr ungewöhnliches Album, auch ein mutiges Projekt, das von Weltstars kollegial unterstützt wurde. Eine optimale Ergänzung meines Bestands Bereich Blues und Folk. Könnte auch für andere Musikliebhaber die zeitlose traditionelle Musik mit Wumms mögen sehr interessant sein. Klingende Grüsse, Der SchoTTe

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