The Parlour Band – A Band Called O – The O Band

Ein langer steiniger Weg zum Erfolg, am Schluss ein strahlendes Lächeln

Einer meiner Kollegen schrieb einmal vor fast 15 Jahren zur Wiederveröffentlichung des Debüts, bei Esoteric Recordings mit einem Bonus-Titel, dieser progressiven Rock-Band: „The Parlour Band kann ohne Zweifel als eins der besten progressiven Outfits in Großbritannien bezeichnet werden.“ Aber auch noch: „Ach ja, und sie stammten zudem noch von der Kanalinsel Jersey, was kontinuierliche Gigs allein schon wegen der Kosten unmöglich machte.“ Vielleicht nicht unmöglich, aber als relativ unbekannte Truppe ohne großes Budget und bei Eintrittspreisen von 50 Pence sehr schwer vorstellbar. Man brauchte von Jersey ja immer ein Flugzeug oder Fähre.

Decca Deram – Die größte und wunderschöne Insel Jersey im Ärmel-Kanal, noch immer im Besitz der englischen Krone, gelegen zwischen Süd-England und viel näher an Nord-Frankreich (Bucht von Saint Malo), ist diesmal mein Ausgangspunkt. Dort gründen die vier singenden Musiker Craig Anders (Gitarren), Mark Ashley Anders (Bass), John „Pix“ Pickerford (E-Gitarre) und Peter Filleul (Keyboards, Gitarre) 1970 die The Parlour Band. Bei deren 1971 eingespielten und selbstproduziertes Deram-Album »Is A Friend« (VÖ: Mai 1972, Gast-Perkussionist Jerry Robins) ist deren exakte Richtung noch nicht sicher auszumachen. Dennoch sind alle musikalischen Ingredienzien, mehrstimmiger Gesang und hohe handwerkliche Qualität dieser Formation schon erkennbar. Deshalb touren sie auch beispielsweise schon früh mit Canterbury-Bands wie Caravan und Khan sowie natürlich einigen anderen der Szene. Aber vielleicht gerade wegen dieses Werdegangs gehört dieses Debüt auch zu den Seltene-Rock-Musik-Perlen aus der Zeit englischer Kreativ-Explosion. Ich habe ja schon einiges Material aus dieser Zeit vorgestellt: Julians TreatmentTreesTrader HorneQuiet WorldBeverly & John Martyn, alle relativ unbekannt, aber mit Sicherheit ebenfalls Stützpfeiler der damaligen kreativen, englischen Rock-Musik. »Is A Friend« hatte damals trotz hoher Qualität kaum jemanden interessiert und deshalb auch nur überschaubare Verkaufszahlen. Es wurde dennoch 2010 mit dem mittelmäßigen Bonus-Titel »Runaround« bei Esoteric Recordings offiziell auf CD wieder mal auf den Markt gebracht. Sie traten in dieser Zeit und vorher genannter Besetzung vor allem in den Clubs Süd-Englands auf, auch wie erwähnt zusammen mit bekannteren Bands aus dieser Region, besonders aus der Canterbury Szene.

Parlour Band: Is A Friend? (1972)

O Band: Promo_1

Parlour Band: Is A Friend? (1972)

Epic Records – Ortswechsel bereits 1973 nach Leicester nähe Birmingham. Mit Epic Records ein anderes Label, ergänzt wird auch die Besetzung. Aus der Parlour Band wird eine neue Formation mit einem selbstbetitelten Debüt das nur mit »O« (1974, auch »A Band Called O«) bezeichnet wird. Bekannt aber auch in der Langversion A Band Called O. Im folgenden Jahr brachte die Band dann den Nachfolger »Oasis« (1975) heraus. Nun ist auch mit Derek Ballard ein hauptamtlicher Schlagzeuger an Bord. Die Musik ist nun nicht mehr so verspielt, viel geradliniger und Chart-Orientierter. Und bei dieser Inkarnation gibt es mal wieder eine Verbindung zu Alex Conti, denn der hat mit dem Neuzugang und Schlagzeuger Derek Ballard bei dem selbstbetitelten Debüt von Rosebud 1989 zusammen als Trio meisterlich und stark rockig musiziert. Die Welt der Musiker ist halt doch klein, besonders bei steigender Qualität, da wird die Luft oben immer dünner und die Auswahl immer überschaubarer. Wie hier bei den vorgenannten Namen. Die beiden O-Alben sind ein weiterer Schritt zu mehr Bekanntheit. Als ich mich damals etwas intensiver mit dieser Bandphase beschäftigte, erstaunte mich sehr das diese Truppe NICHT aus Nordamerika kam. Das Label Epic, die musikalische Ausrichtung und Stil, die brillante Instrumentierung, ich wäre nie auf die Idee gekommen das die Wurzeln der Band auf einer Nordsee-Insel liegen. Ein wenig ist es wie mit Fools Garden und dem Song »Lemon Tree«. Die Geschichte dieser Band aus Pforzheim ist ähnlich gelaufen, großartige Musik von einer exzellenten Band, ein Hit und sonst wenig Beachtung, eingeordnet als One-Hit-Wonder, musizieren aber bis heute. Das ist zwar kein echter Mut-Macher für Neulinge der schaffenden Kunst, aber die Kehrseite der Medaille ist, dass beide Bands sich zumindest mit einem Lied unsterblich gemacht haben.

Rosebud: Debüt (1989)

A Band Called O (1974)

Oasis (1975)

United Artists – Ab Ende 1975 wieder ein neues Label mit United Artists Records und Überraschung, wieder ein neuer Bandname. Einfachheitshalber und werbeträchtiger nannte man sich ab jetzt The O Band. Mitgründer Peter Filleul (Keyboards, Gitarre) ist nicht mit gewechselt (er plant Solo), dafür stieß erst mal für sechs Monate Ian Lynne zur Gruppe, im Aufnahme-Studio war dann Tastenmann Jeff Bannister (vorher The Alan Bown Set) dabei, danach festes Mitglied. Mit ihm und den neuen US-Produzenten änderte sich der Stil der Band noch einmal und passte sich noch deutlicher stilistisch der damaligen aufblühenden US-Rock-Szene an. Wie wir wissen ist in Nordamerika alles größer, lauter, bombastischer, dort wird nicht in der Kategorie Club & Ballroom gedacht, sondern in Mammut-Hallen und Stadien. Dafür musste dann aber auch die Musik passen, dazu gehörte auch Präsentation, Produktion, Management, Ausstattung, Darstellung. Mit guter Musik allein, war kein großer Erfolg garantiert. Dieser neuen Leitlinie folgte nun die englische The O Band und mit »Within Reach« brachten sie 1976 sofort auch mit diesen Zutaten ihr erfolgreichstes Album heraus. Die Single »A Smile Is Diamond« wurde ausgekoppelt und ist bis heute die Hymne dieses Quintetts. Wer den Titel meint nicht zu kennen, hört ihn an und seid überrascht das es anders ist. Ach, das ist von dieser unbekannten englischen Band. 1977 erscheint »The Knife«, das Album konnte aber nicht die Qualität des Vorgängers erreichen. Nach fünf Alben bei drei Labeln und mit drei Namen war nun die Luft raus, Pix Pickford verließ die O Band, sie löste sich danach auf.

Within Reach (1976)

The Knife (1977)

On The Road 1975-77 (2012)

Repertoire & Big Pink – Das Quintett hat inzwischen Kult-Status, besonders in Asien. Sowohl »Within Reach« (plus drei Bonus-Titel) als auch »The Knife« (plus zwei Bonus-Titel) wurden vom deutschen Label Repertoire Records Mitte der 90iger erstmalig auf CD veröffentlicht. Seit 2019 gibt es dank Big Pink »O« und »Oasis« auch auf CD. Das einzige Live-Material von zwei Auftritten (14. Oktober 1975 und 26. Februar 1977) an der Nottingham Universität erschien 2012 als Doppel-Decker plus 40-minütiges Download »On The Road 1975-77« auf Major League Productions. Das Material der BBC, mitgeschnitten bei vier Peel-Sessions am 24. September 1974, 18. März 1975, 23. März 1976, 22. Februar 1977 schlummert leider immer noch in den Archiven.

Nachlese – Leider wird wie so oft der Schlagzeuger, hier Derek Ballard, unterschlagen. Obwohl er an fast allen Veröffentlichungen und allen Auftritten der Drei-Namen-Band von 1973 bis zur Auflösung 1977 beteiligt war und nicht unerheblich den Gruppensound mitprägte. Sein Gastspiel mit Alex Conti bei Rosebud habe ich ja schon erwähnt. Gitarrist Craig Anders geht kurz zur The Alan Ross Band. Leider verwischen sich dann aber die Spuren aller Musiker. Sie treten nicht mehr irgendwo signifikant in Erscheinung. Der Rockzirkus hat aber diese erwähnenswerte Formation nicht vergessen, hält sie hiermit in Erinnerung.

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