Burg Herzberg 2007-2013 – Klingende Orte 2

Magische nordhessische Hippie-Kultstätte – 4 Tage Liebe, Frieden & Musik

Freiluft-Festivals im Wochen-Rhythmus: Rudolstadt-Festival – Night Of The Prog – Zappanale – Burg Herzberg – Krach Am Bach – Finkenbach – Aqua Maria – Afrika Karibik – Woodstock Forever, und das meist bei durchgängig prächtigen Sommerwetter, da ist wahrlich Standvermögen gefragt. Das war bis 2019 die Regel, jetzt wurde gerade diese Regel gebrochen, zum zweiten Mal hintereinander Absage und neuer Termin ist 28. bis 31. Juli 2022. Am Herzberg unterhalb der nachts farbig beleuchteten Burg-Ruine feierte jedes Jahr die pure Lebensfreude. Das erste Festival fand als eines der frühesten Freiluft-Hippie-Festivals in Deutschland, zwar Anfangs etwas bescheidener aber ebenso Wegweisend, am 07. Juli 1968 direkt auf der Burg Herzberg, zwischen dem hessischen Alsfeld und Breitenbach gelegen, statt. Das Programm war beim Burg-Herzberg-Festival, früher auch Bonsai-Woodstock genannt, nun seit vielen Jahren auf fünf Live-Stationen (zuletzt kam noch der Höllenschuppen dazu) verteilt, erwartungsgemäß immer sehr üppig und auf internationalem TOP Niveau. Auf den ersten Blick fehlen einigen Querdenkern meist die bekannten Mega-Stars, aber die Dichte an Qualität/Quantität ist immer enorm und das bestätigen jedes Mal die vier Programm-Tage Love & Peace mit breitestem Programm. Dieses Fest in der Idylle des nordhessischen Berglandes, dem ich jetzt auch noch den Titel Power Of Youth gebe, ist sicher einzigartig im deutschsprachigen Raum, wenn nicht in Europa. Die jedes Jahr vom Familien-Vorstand (Veranstalter) organisierte 7-tägige Feier, gut unterstützt durch Freunde & Nachbarn (Catering, Stände, Logistik, Technik), bringt aus allen Himmelsrichtungen die gut gelaunten Feier-Biester nach Freak-City und die Neue Heimat, da stört es nicht, dass es wie in den letzten Jahren wieder fast 15.000 Menschen (und auch einige Tiere) sind, die ausgelassen feiern wollen. Wer nun vom Virus Hippie-Herzberg angesteckt ist, kauft euch Frank Schäfers Premium Buch: Burg Herzberg Festival – Since 1968 zum Jubiläum, da gibt es die komplette Geschichte 280-seitig erstklassig in Text und Bild. Ich feiere leider erst seit 2007 in der Mega-Hippie-Kommune mit und ich darf an dieser Stelle deutlich sagen, es ist für mich mit Abstand das schönste Festival was ich jemals besuchen durfte. Dem Veranstalter-Team gebührt das Bundesverdienstkreuz für eine Mission die von Liebe und Leidenschaft geprägt ist. Nach 2020 werde ich auch 2021 leider keinen Festival-Bericht schreiben können, deshalb diesmal ein anderer Bericht mit großer Verbeugung vor den Machern aus Fulda. Ich stelle im Beitrag für jedes Jahr zwei Künstler in den Fokus, ohne Ranking, sondern ausgewählt nach meinen emotionalen Momenten. Und die gab es reichlich !!

2007 – Over The Rainbow

Kult-Fest Burg Herzberg Hessen

Ben Granfelt und Band (SF)

Van Der Graaf Generator (UK)

Ich fahre zum ersten Mal zum Herzberg Festival nach Breitenbach. Seit Monaten Vorfreude meinerseits. Habe mich gut vorbereitet, Essen & Trinken, Schlafstätte im Volkswagen (passt ja gut), Kamera & Ladetechnik, Kleidung für jede Witterung. Das Programm ist dreitägig und hochkarätig: Van der Graaf Generator, Pavlov´s Dog, Man (konnten leider wegen Probleme bei der Ausreise aus UK nicht auftreten, nur Martin Ace reiste an, Omigosh war deren Ersatz), Edgar Broughton Band, Colosseum, Uriah Heep. Die Herzberg Blues Allstars (Hamburg Blues Band mit Gästen: Maggie Bell, Miller Anderson, Zoot Money, Pete York, Clem Clempson, Barbara Thompson, Martin Ace, Roy Young) waren für mich erst einmal ein unbekanntes Blatt, deshalb wollte ich schon am Sonntag spät Nachmittag noch vor deren Auftritt zum Abschluss des Festival abreisen. Aber ich bin dennoch geblieben, habe es auch absolut nicht bereut. Es gibt traditionell beim Herzberg Festival einen Familientag, der ist jeweils am Sonntag. Da gibt es dann auch immer ein besonderes Programm mit Musik der leiseren Töne mit Liedermachern, Folk-Musik, akustisch geprägte Musik aus der ganzen Welt. Hier hatte ich das erste Mal Live-Kontakt mit Ougenweide, 17 Hippies, Klaus Der Geiger, Bernd Witthüser, Götz Widmann, Weißwurscht Is und viele andere, die mich allesamt überrascht haben. Wer solche Künstler Freiluft bei dieser Atmosphäre genießen darf, erlebt es komplett anders als an anderen Spielstätten. Mir war förmlich das lächeln in das Gesicht gemeißelt, habe jede Minute Spaß an den Backen gehabt.

BHBF_2007: Sahara (DE)

BHBF_2007: Edgar Broughton Band (UK)

Als alter Kraut-Rocker habe ich mich natürlich sehr auf die Münchener Band Sahara gefreut, die in drei Phasen 1972 als Subject Esq, 1973 bis Ende der 70iger und eben ab 2006 wieder in Originalbesetzung aktiv waren. Mich hat die Vorstellung des alten Materials sehr überrascht, besonders die beiden Gitarristen Michael Hofmann (auch Blas-Instrumente und Gesang) und Nick Woodland führten mit den anderen ebenfalls gut aufgelegten Mitspielern meisterlich durch das Programm. Zu sehen auch auf der Video-DVD »Back On Stage« (2008). Ich bin sehr dankbar dieses legendäre Konzert, das auch ein Meilenstein in der Karriere von Sahara ist, miterlebt zu haben. Als ich einmal länger am Stand vom eclipsed Magazin war, habe ich intensiver mit deren Redaktionsleiter Marcus Wicker gefachsimpelt. Er machte mich noch einmal auf die Durchstarter Riverside aufmerksam. Und tatsächlich haben mich die vier polnischen Youngsters aus Warschau, die das damals aktuelle Album »Rapid Eye Movement« (dritter und letzter Teil der Reality-Dream-Trilogie) im Gepäck hatten, wahrlich umgehauen. Nach einer meiner All-Time-Classic-Rock-Band Uriah Heep (siehe auch Gary Thain & David Byron) legten die vier jungen polnischen Prog-Rocker noch mindestens eine Schüppe drauf und spielten eine schwer rocklastige Titelliste mit enormer Dynamik und Präzision.

2008 – Sunshine Of Your Love

Gitarrist Peter Bursch (DE)

Gitarrist Louisiana Red (US)

Gitarrist Björn Berge (NO)

Nach dem Schaulaufen der Rockstars 2007 war ich sehr gespannt wer im folgenden Jahr wohl das Gelände um den Hof Huhnstadt am Breitenbach besuchen wird. Es war klar das so ein Programm nicht jedes Jahr zu realisieren ist, da es natürlich immer davon abhängig ist, wer zur Festivalzeit tourt. Darüber hinaus möchte der Veranstalter immer ein wechselndes, weltumspannendes Programm präsentieren. Einige Bands die im Vorjahr das Publikum begeistert haben, wie Riverside oder die Hamburg Blues Band (Gäste: Ken Hensley, Micky Moody, Stoppok, Clem Clempson, Chris Farlowe, Adrian Askew), sind wieder dabei. Aber mit The Petards, Birth Control, Ton Steine Scherben Family Band, Bröselmaschine, Grobschnitt, Guru Guru, ist der Schwerpunkt diesmal deutlich beim Krautrock. Elektrolurch Mani Neumeier unterstreicht das mit Kohlköpfe-Weit-Wurf in das Publikum. Es gab aber auch wieder viele Überraschungen wie beispielsweise die Ethno-Rocker Lazuli aus Süd-Frankreich, Saiten-Derwisch Björn Berge aus Norwegen, das Blues-Urgestein Louisiana Red, das Japan-Trommel-Inferno Gocoo. Aber auch das wunderbare wertige Programm auf der Freak-Bühne, über das man allein ein Buch-Kapitel schreiben könnte. Es ist gerade diese besondere grenzüberschreitende Mischung des Herzberg Festival, die zu einem alljährlichen Happening der Menschen allen Alters und Nationalität sorgt, ich nenne es inzwischen Welt-Kultur-Party. Die gute logistische Struktur ist ebenfalls erwähnenswert, wobei die Ringe von Verkaufsständen im Bereich der Bühnen und die Hauptstraße in Freak-City die Herzstücke sind.

BHBF_2008: Freaks von Ornah Mental (DE)

BHBF_2008: Polnische Progger Riverside (PL)

Nachdem ich beim legendären Rockpalast-Auftritt Dezember 1978 in der Westfalenhalle dabei war und auch massenhaft Foto-Dokumente gemacht hatte, war ich gespannt was Grobschnitt nun 2008 präsentieren würde. Und ich wurde nicht enttäuscht, ein über 2-stündiges Spektakel (ich habe davon einen einfachen MP3-Mitschnitt) mit allen Finessen die diese Hagener Band ausmachte, Pyrotechnik, Bühneneffekte, Schausteller, bombastischer Sound von einem vielköpfigen Rock-Orchester. Später nimmt Milla Kapolke den Ball wieder auf und das führt mit Green zu »Symphonic Floyd«. Wer ein Eindruck über das damalige Repertoire bekommen möchte, sollte bei einer der vielen Live-Mitschnitte oder das Album »2008 – Live – 2010« reinhören. Anderes Genre, nicht minder interessant, denn für mich hat die Begegnung mit Louisiana Red seit meiner Freundschaft mit Norbert Egger tatsächlich einen noch höheren Stellenwert. Norbert’s City Blues Connection hat 1985 das Album »World On Fire« mit ihm aufgenommen und es war mit ihm auch eine Tour geplant. Ich erlebe einen gut gelaunten Iverson Minter, knapp 3 Jahre vor seinem Tod in Hannover, der allein mitten auf der Haupt-Bühne auf einem Stuhl sitzt und seinen Blues spielt. Wieder so eine zufällige Begegnung, wie mit Fats Domino in Ascheberg nähe Münster in den 70igern oder Muddy Waters beim Rockpalast in Dortmund oder mit John Mayall in den 90igern in Freiburg.

2009 – Come Together

Joe Bonamassa und Band (US)

Roger McGuinn (US)

Rainald Grebe (DE)

Und schon wieder ist ein Jahr rum und wieder wird gepackt für das Herzberg Festival. Ein Zelt muss her, man möchte ja ein wenig mehr Komfort, denn diesmal ist auch Christa mit dabei. Warum, es gibt Blues mit Joe Bonamassa, Henrik Freischlader Band, The Derek Trucks Band und es gibt mit Roger McGuinn, Eric Burdon & The Animals, The Original Wailers, Mother’s Finest eine Dichte an Legenden auf der Haupt-Bühne Nähe der hessischen Bundesstraße 62. Auch die Hamburg Blues Band (Gäste: Arthur Brown, Stan Webb, Geoff Whitehorn, Guitar Crusher, Chris Farlowe, Clem Clempson) erlebe ich nun als Herzberg Blues Allstars das dritte Mal hintereinander. Nach Ankunft erst einmal gemütlich häuslich einrichten auf unserem Plätzchen mitten unter den Hippies auf der Neuen Heimat, dann aber sofort auf das bunte Festival-Gelände. Für mich ist das Gefühl nach Hause zu kommen schon sehr stark, bei Christa kommt es ein bisschen später. Das erste Mal ist auch schon am Donnerstag mit Lokal-Matador Götz Widmann & Die Liedermacher Freakshow Programm auf der Freak-Bühne, um Mitternacht auch noch The Terrible Noises. Anknüpfend an die Liedermacher spielt Rainald Grebe & Die Kapelle Der Versöhnung am Freitag ein emotionales Konzert. Und das Programm am Sonntag stand auch mit Dikanda aus Polen, Famara aus der Schweiz, Sorgente und Monsters of Liedermaching aus unserer Heimat, wieder ganz im Zeichen der Welt-Musik. Alle vorher genannten Künstler auf der Hauptbühne überzeugen auf ganzer Linie, ein magischer Ort macht es möglich, wie Patti Smith bei beiden Auftritten 2014 und 2017 dem Publikum wie eine Schamanin predigt.

BHBF_2009: Blueser Henrik Freischlader (DE)

BHBF_2009: Mother’s Finest (US)

Ich habe mich auch auf Rose Kemp am Samstagmorgen gefreut, aber das schaffen wir dann doch nicht mehr nach etwa 14 Stunden Dauerbeschallung und Gong nach langer Umbaupause wegen anhaltenden Dauerregen. Aber wir halten in Regen-Klamotten und unter einem Regenschirm so groß wie ein Bierdeckel mit etwa 250 Gleichgesinnten vorne an der Absperrung in der Kälte aus. Oft unterhalten wir uns darüber, wie wir gefroren haben, wie uns das Wasser von oben und unten langsam komplett durchgeweicht hat, wie wir die Zähne zusammengebissen haben. Und es hat sich gelohnt, denn als Daevid Allen, der australische Merlin aus dem Auenland mit Spitz Hut und weißer Behaarung, mit seinen schwergewichtigen Weggefährten, Partnerin Gilli Smyth (I Am A Witch verstarb August 2016 knapp ein Jahr nach Daevid), Miquette Giraudy & Steve Hillage, Mike Howlett, Chris Taylor, Theo Travis, endlich auf die Bühne kamen, war die lange, ungemütliche Zeit vorne an der Barriere sofort vergessen. Es war wieder mal eine Sternstunde am hässsische Beerrsch. Wie gesagt, als Gong dann die Zugabe gespielt hatte, waren wir trotz Regenschutz komplett durchgeweicht, brauchten dann durch das tiefe Gelände bis zu unserem klammen Zelt fast 30 Minuten, Rose Kemp ist danach noch mit ihrer Band aufgetreten und um circa 04:30 Uhr war dann Schluss. Wir waren dann aber am Samstag gut ausgeschlafen und konnten am nächsten Tag beginnend mit der Henrik Freischlader Band einen explosiven Tagesstart erleben. Tribe After Tribe machte dann diesmal nach der The Derek Trucks Band, die war nach der kurzfristigen, krankheitsbedingten Absage von The Allman Brothers Band eingesprungen, am Headliner-Tag das Licht auf der Haupt-Bühne aus. Was wieder ein wunderbares Freiluft-Ereignis der Premiumklasse.

2010 – Let The Children Play!

Maria Q von Archive (UK)

Tim Smith von The Brew (UK)

Triggerfinger aus Belgien (BE)

Diesmal bin ich wieder Solo am Herzberg, Christa musste sich erst einmal mehr mit dem stark wechselnden Sommer-Wetter in der Nordhessischen Natur anfreunden, das hat sie nun heute und sie ist genauso traurig über die zweijährige Pause wie ich. Sie hat auf das Programm geschaut und gemeint, du bist ja sowieso die ganze Zeit immer vorne an den Bühnen (egal bei welchem Wetter), das ist mir zu anstrengend. Na ja, sie hat es bereut, aber sie hat daraus gelernt, denn 2010 ist mein letzter Herzberg auf der Neuen Heimat, auch die Casio Kompaktkamera ist danach Geschichte. Die Freak City Band eröffnete in den letzten Jahren am Donnerstag das Festival nachmittags, genau wie dieses Jahr. Am Freitag ist das Programm sehr breit von Classic-Rock (The Flying Eyes, The Vals), über Afro-Rock (Osibisa), Alternative-Rock (Archive), psychedelischer wird es mit Hawkwind und Astra.

BHBF_2010: Roger Chappo Chapman (UK)

BHBF_2010: Osibisa (GH/NGR)

Ich hatte alle Alben des modernen Projekts Archive aus dem Ballungsraum London. Mich haben die Spannbreite und die musikalische Qualität dieser Formation total begeistert und war gespannt wie sie ihre komplexen Kompositionen präsentieren werden. Leider war ich den kompletten Auftritt vorne erste Reihe im Reportage-Modus, deshalb kann ich das Klangbild nicht ultimativ beurteilen. Aber es war selbst vorne ein Leckerbissen. Und das eine ausgebildete weibliche Stimme ein Zugewinn ist, zeigte Maria Q als einzige Frau in diesem Rock-Ensemble deutlich. Und das Staraufgebot am nächsten Tag ist bei einigen anderen Festivals das komplette mehrtägige Programm. Den Anfang macht das britische Blues-Rock-Trio The Brew und Triggerfinger aus Belgien, dann Roger Chappo Chapman & The Shortlist und Jeff Beck auf seiner »Emotion & Commotion« Tour. Zuletzt die New Model Army, die auch hier am Herzberg ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum feiern, man fragt sich da wer könnte der Tagessieger werden. Keiner oder alle, denn ein Einbrechen der Qualität habe ich nicht bemerken können. Bluesige Rock-Musik in allen Facetten. Einzig der lautstarke Party-Auftritt der Analog-Trance-Band Orange des Tausendsassa Rainer Valentin Hartmann (aka Rainer von Vielen) passt auf den ersten Blick nicht in diese Kette, weicht stark von den Gitarrenbetonten Vorträgen ab. Bärenstarke drei Tage liegen hinter mir, Sonntag wird es traditionell ruhiger. Aber wer dachte es wird weniger spektakulär, weit gefehlt, mit dem US-World-Jazz-Orchester Hazmat Modine aus New York City, Asaf Avidan & The Mojos aus dem geteilten Land nördlich vom Sinai und als Abschluss die Lederhosen-Bläser von LaBrassBanda aus dem bayrischen Allgäu. Was will die Herzberg-Familie denn in den nächsten Jahren (Motto 2011: Revolution, 2012: Make Love Work) auffahren, das Niveau zu halten wird nach vier fetten Jahren hintereinander sehr schwer. Erwähnenswert ist noch das Desaster auf der Freak-Bühne mit Traumhaus aus Limburg/Lahn. Die Techniker haben es leider über das gesamte Konzert nicht geschafft das zentrale Keyboard von Alexander Weyland zum Laufen zu bekommen. So kamen wir in den Genuss einer Pantomime der besonderen Art, Alexander steht hinter seinem Keyboard-Turm, bewegt die schwarz/weißen Tasten und Schalter, aber nichts tut sich in den Lautsprechern. Man konnte es seinem Gesicht ansehen, es war nicht so amüsant für den Tasten-Virtuosen.

2013 – Art Of Peace

Marshall Cooper (US)

Bassekou Kouyate & Ngoni Ba

Carmine Appice (US)

„Das ist ja nun mal ein ganz schwieriges Motto. Frieden, wer hätte den nicht gerne. Ich denke, das Herzberg-Festival als Ganzes ist so etwas wie ein Kunstwerk, das Frieden stiftet. Und da bin ich sicher nicht alleine. Schon bei der Anfahrt wandeln sich viele Aggressionen und der Stress in Ruhe und Frieden. Leider holt mich danach der Alltag immer wieder ein. Aber irgendwas bleibt dann doch.“ Mit diesem Text beschreibt das Herzberg-Fan Christoph das Programm 2013. Und das war wieder von den angekündigten Künstlern, sehr breit (das ist aber üblich unter der Burg) und wertig. Was hat mich nun bewogen nach zwei Jahren Pause nun mit neuer dennoch kompakter Kamera wieder zum Herzberg Festival zu fahren. Die dichte an Blues- und Jam-Rocker waren der hauptsächliche Grund. Germanien: Henrik Freischlader, United States: moe., Cactus, Gov’t Mule, dazu noch Steve Hackett, US-Pop-Rocker Garland Jeffreys (größter Hit: Matador), Levellers, Spin Doctors.

BHBF_2013: moe. (US)

BHBF_2013: Cactus & Gov’t Mule (US)

Auch das Programm auf der Freak Bühne hatte wieder internationales und facettenreiches Format. Um den immer zahlreicheren Feierbiestern noch mehr Vielfältigkeit zu bieten, hat das Macher-Kollektiv zwei neue Bühnen, mit ebenfalls mehrtägigen und Ganztages-Programm, mitten in Freak-City etabliert. Eine Bühne für die Mentalen (Space Invaders, Blackberries, Ginger, Lava 303), hier spielen die jungen Wilden, Jammen bis zur Ultra-Schmerzgrenze. Weiterhin das Lese-Zelt, mit Buchlesungen, Diskussionsrunden, Kabarett, Lieder-Gauklern und andere ruhigeren Aufführungen zum Mitmachen und Zuhören, mehrere Autoren stellen auch ihre aktuellen Bücher vor. Ein echter Zugewinn, meinen viele Besucher mit denen ich spreche. Überhaupt hat sich das Konzept mit täglich thematisch wechselnde Programmen an nun vier Veranstaltungsplätzen sehr gut bewährt, auch dieses Jahr wieder. Für die Dauerbewohner auf dem Gelände ist alles sehr entspannt. Sie sind meist schon mehrere Tage vor dem ersten offiziellen Musikbeitrag in der Hippie-Stadt, bleiben oft noch bis Montag oder Dienstag danach, machen hier Urlaub. Warum auch nicht, es ist durchgängig für alles gesorgt, WC, Duschen, Essen, Trinken, Läden, alles da.

Herzberg-Festival 2

Aber wie auch in den Jahren davor haben mich gerade die nicht so bekannten und im Scheinwerferlicht stehenden Künstler begeistert. Und das Programm auf dem Freak-Gelände ist auf hohem Niveau, hier überzeugt die Berliner Band Kadavar mit einer dynamischen Show, starten ihren nächsten Karriereschritt, heute sind sie Headliner bei vielen Festivals. Auch die Symphonie-Progger Anima Mundi aus Kuba, die Psychedelisch-Rocker Monkey 3 aus der Schweiz und die Mighty Vibez nutzen die Startrampe Herzberg. Auch die alljährliche Gitarrenschule von Saiten-Lehrmeister der Nation Peter Bursch ist immer wieder sehr gut besucht und beliebt. Er gehört wie der Bällchen-Mann, das Kinderland, Götz Widmann, Klaus der Geiger, Bernd Witthüser, DJ Electric inzwischen zum festen Inventar. Das war nun der erste Teil der Herzberg-Story, ein echter klingender Ort der Superlative. Der zweite Teil dieser Geschichte wird im Herbst 2021 erscheinen und wird die Jahre 2014 bis 2019 abdecken, 2020 und 2021 sind ja bereits der Corona Pandemie geopfert worden. Bis dahin, erfreut euch an den sehr schönen Beiträgen im Rockzirkus die vor allem von remo4 und mellow mit Leidenschaft für die nicht so bekannten musikalischen Edelsteine in Erinnerung gehalten werden. Wie sagt ein bekanntes Musik-Magazin in einer seriellen Rubrik, sonst wären viele großartige Künstler schon längst vergessen !! Danke für eure Aufmerksamkeit. Bleibt gesund & munter und habt euch lieb.

Weiterlesen RZ: Klingende Orte 1 – Zeitlose Grüße, Der SchoTTe

(Visited 38 times, 1 visits today)

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

3 + 14 =