Miss Eliana (aka Eliana Cargnelutti)
Zwischen Weihnachten und Neujahr 2025 war ich an einem Gig einer Band namens Strange Kind Of Women im Z7 in Pratteln. Eine „all female“ Deep Purple Tribute Band. Obwohl ich nicht so der Hirsch bin wenn es zu Tribute Bands kommt (Ausnahmen bestätigen die Regel), hatte ich mir das Ticket hier wohl schon ein halbes Jahr im Voraus gekauft. Erster Punkt: Deep Purple Tribute. Check. Zweiter Punkt: All Female Band. Check. Dritter Punkt: Das Z7 liegt fast in Gehweite. Fast. Check.
Das Z7 war definitiv nicht ausverkauft und mit einer Kapazität von etwa 1500 Nasen war die Halle wohl nur etwa mit ca. 800 Leuten besetzt. Aber das kann wohl auch der Tatsache geschuldet sein, dass man um den 28.12. rum nicht unbedingt der Rockmusik nachhängt (oder gerade doch). Strange Kind Of Women kamen mit einem Line-up Wechsel auf die Bühne und zwar ohne zwei reguläre Mitglieder. So wie ich es verstanden habe, besteht das originale Team weiter, aber eine der Frauen scheint krank gewesen zu sein und die andere wollte wohl wegen dem einen Gig nicht von London herüber kommen, was für mich auch ziemlich verständlich war. Der Rest der Kapelle hatte ja auch einen kürzeren Weg aus Italien in die Schweiz.
Strange Kind Of Women touren wohl sehr häufig und sie haben einen ziemlich gut gefüllten Kalender, so scheint mir das Z7 gerade noch so eine Gelegenheit gewesen zu sein, diesen Gig noch reinzudrücken. Nach 90 Minuten war Feierabend und ich hatte einer dieser seltenen Momente wo ich dacht „jetzt schon?“. Mit anderen Worten, es war nicht mal so vordergründig, dass es sich um eine Tribute Band handelt, die Frauen rockten einfach was das Zeug hielt und das mit einer Verve die manch andere Kapelle abstinken lässt. Ich weiss nicht wo die Ersatzsängerin hergekommen ist (Italien, offensichtlich), aber sie stand auf der Bühne, als hätte sie im Leben nie etwas anderes gemacht als bei Strange Kind Of Women den Vokalpart zu übernehmen. Mir fehlte im Repertoire lediglich „Speed King“, aber man kann in 90 Minuten nicht alles reindrücken. Jedenfalls werde ich beim nächsten Gig der Band wieder im Publikum anwesend sein.
Aber nun zu Miss Eliana (aka Eliana Cargnelutti) aus Udine (Italien). Sie ist die eigentliche Gründerin der Strange Kind Of Women, aber ich denke, dass das nur ein Nebenprojekt ist (wenn auch ein wichtiges). Miss Eliana scheint sich mehr auf ihre Solokarriere zu konzentrieren und die ist ziemlich im Blues und Bluesrock verankert. Allerdings kann man schon eine Verwässerung des Blues zu ihrem neuen Album feststellen. Leider, muss ich dazu sagen. Aber da ist sie nicht die einzige Bluesmusikerin, die nach einigen Alben einen Richtungswechsel vollzieht und aus mir unerfindlichen Gründen die Spur wechselt. Ich denke da z.B. an Laura Cox. Aber beide waren am Anfang ihrer Karriere als Gitarristinnen felsenfest im Bluesrock verankert. Von Laura Cox habe ich mir das letzte Album schon gar nicht mehr gekauft.
Die Veröffentlichungen von Miss Eliana (aka Eliana Cargnelutti):
Miss Eliana – Love Affairs – CD – VideoRadio – VR CD 000842 – 2013
Eliana Cargnelutti (mit Sadie Johnson, Heather Crosse) – Girls With Guitars – CD – Ruf Records – 2015
Eliana Cargnelutti – Electric Woman – CD, Album – Ruf Records – RUF 1214, 55980315 – 2015
Eliana Cargnelutti – Aur – CD – Not On Label – 2021
Dann gibt es noch einen falschen Eintrag in Discogs zu einem italienischen Festival, aber die CD dazu ist eine typische Various Artists Angelegenheit und nicht zu vergleichen mit dem Set-up z.B. auf „Girls With Guitars“. Auch wenn die Eckpunkte ihrer musikalischen Tätigkeit bemerkenswert sind, irgendwie scheint das nicht so richtig in die Gänge gekommen zu sein. „Aur“ als Eigenveröffentlichung ist auch schon wieder vier Jahre her. Ian Paice nahm übrigens mal bei ihrem Strange Kind Of Women Projekt hinter dem Schlagzeug Platz (in Wien) und war dann des Lobes voll über die Band. Ob eine weitere „all female“ Band namens Living Dolls (bei denen Eliana Cargnelutti ebenfalls aktiv war) noch aktiv ist, ist mir unbekannt.
Als Gitarristin ist Miss Eliana (aka Eliana Cargnelutti) eine Spitzenmusikerin und hat an erwähntem Gig im Z7 gezeigt, was eine Harke ist. Kein Wunder ist diese Frau gefragt. Auf allen vier CDs singt sie übrigens selbst (mit ein oder zwei Ausnahmen), auf der „Girls With Guitars“ natürlich abwechselnd mit den zwei anderen Protagonistinnen. Im Prinzip immer bei den eigenen Kompositionen haben die entsprechenden Damen auch Vocal Duties.
Mindestens zwei der oben genannten CDs kann man sich via bandcamp organisieren, aber es gibt auch eine Bestellmöglichkeit auf ihrer eigenen Website www.elianacargnelutti.com – meine Empfehlung „Love Affairs“ und/oder „Electric Woman“. Dann die „Girls With Guitars“, die Musikerinnen spielen auf allen Tracks und ist nicht als V/A anzusehen, wenn man mit dieser Art kann. Das Konzept ist wohl etwas an die Ruf Blues Caravan angelehnt. Die „Aur“ ist eine Weiterentwicklung der Musikerin (s. oben), aber der Blues scheint sich so langsam zu verabschieden, wenn auch noch der eine oder andere Song tief in diesem Genre steckt.
Ich warte jedenfalls auf die nächste Veröffentlichung der Dame.









