Hound Dog Taylor & The HouseRockers

Hound Dog Taylor & The HouseRockers

American Folk Blues Festival '67Als ich mir die Alben des American Folk Blues Festival anhörte, interessierten mich die Namen der Musiker. Einer der Namen war Hound Dog Taylor. Er trat bei der Tour 1967 gemeinsam mit Little Walter, Koko Taylor, Dillard Crume und Odie Payne auf. Little Walter, Koko Taylor und Odie Payne waren mir alle bekannt, ihre Namen tauchten auf diversen Bluesalben in meiner Sammlung auf. Hound Dog Taylor sagte mir nichts, aber der Name wurde im Hinterkopf abgespeichert.

Ende der 1970er Jahre arbeitete ich in der Nähe von Köln und machte regelmäßige Abstecher in den damaligen Saturn. Die Schallplattenabteilung nahm damals den ganzen Erdgeschossbereich ein und etliche Regale waren nur dem Blues gewidmet. Ich hatte das Gefühl, jede Bluesplatte die irgendwann in den USA oder Europa aufgenommen worden war, man konnte sie bei Saturn finden! Entweder stand die Platte direkt im Regal oder als eine Karteikarte mit Nummer. Mit dieser Nummer konnte man in das riesige Lager gehen und meist war die Platte vorrätig. In einem dieser Regale stieß ich auf den Namen Hound Dog Taylor. Die zwei vorhandenen Alben wurden sofort gekauft. Es war sein zweites Album „Natural Boogie“ und „Beware Of The Dog!“.

Ende der 1970er und auch in den 1980er Jahren war von Hound Dog Taylor in Deutschland nichts zu bekommen. Der Kölner Saturn hatte auch das Interesse an Blues und an Vinyl verloren, die CD war auf dem Vormarsch. Selbst für die Händler auf den Plattenbörsen war Hound Dog Taylor ein Fremder. Jahrzehnte später, vielen Dank dem Internet, kam „Release The Hound“, und erst vor Kurzem, sein erstes Album in die Sammlung. Vergessen hatte ich Hound Dog Taylor über die Jahre nie, da ging es mir wie Cub Koda.

Im Netz gibt es ganz gute Artikel über die Geschichte von Hound Dog Taylor, daher hier nur kurz. Geboren 1915 als Theodore Roosevelt Taylor in Natchet, mitten im Mississippi Delta. Seine Besonderheit, er besaß an jeder Hand einen zusätzlichen Finger. Später, in nicht nüchternen Zustand, schnitt er sich den zusätzlichen Finger der rechten Hand mit einem Rasiermesser ab.

Er begann im Alter von 20 Jahren mit dem Spiel auf der Gitarre. Hound Dog Taylor wurde von seinem Freund Elmore James stark beeinflusst, da dieser auch als einer der ersten Musiker den Blues elektrifizierte. Elmore James war es auch der Hound Dog Taylor zur Slidegitarre inspirierte. Hound Dog Taylor trat bis 1942 an verschiedensten Orten und Kneipen im Delta auf. Bekannt wurde er im Delta durch seine Session mit Robert J. Lockwood und Sonny Boy Williamson bei dem King Bisquit Flower Programm des Radiosenders KFFA in West Helena, Arkansas.

Hound Dog Taylor ‎1942 ging er, wie viele andere, nach Chicago. Es soll zwei Gründe gegeben habe, einmal die Suche nach Arbeit und dann die Flucht vor dem Ku-Klux-Klan. Tagsüber jobbte er und an den Abenden spielte er in etlichen Clubs in Chicago. Ab 1957 gab er alle Jobs auf und wurde zum Profi. Zwei Jahre lang hatte er regelmäßige Auftritte beim Radiosender WOPA in der Big Hill’s Bluesshow. Mittlerweile hatte er seinen eigenen Stil gefunden, Bottleneck mit entsprechend gestimmten Saiten. Freddie King soll „Hideway“ von Hound Dog Taylor gehört haben, übernahm es als eigene Komposition und wurde dadurch zum Star. Hound Dog Taylor überließ ihm den Song.

Anfang der 1960er Jahre wurden zwei Singles von ihm veröffentlicht „My Baby Is Coming Home“ mit „Take Five“ und „Christine“ mit „Alley Music“. Mit weiteren Aufnahmen unter seinem Namen war vorerst Schluss. Wie oben geschrieben, ging er 1967 mit dem American Folk Blues Festival auf Europatour. Auf dem Album ist er an vier Songs beteiligt. Er zählt hier nicht zu den Hauptakteuren, das waren Koko Taylor und Little Walter.

1959 taten sich Brewer Phillips und Hound Dog Taylor zusammen. Brewer Phillips wurde am 16.11.1924 auf einer Plantage bei Coila Mississippi geboren und starb am 30.08.1999. Er lernte bereits als Junge von Memphis Minnie, aka Lizzy Douglas, auf der Gitarre zu spielen. In den späten 1940ern begleitet er Bluesgrößen in der Umgebung von Memphis wie Roosevelt Sykes, Joe Hill Louis, Memphis Slim und Bobby Hines. In den frühen 1950er ging auch er nach Chicago. Hier bekam einen Job als Zimmermann und die Musik wurde zum Hobby. Er stieß zu den HouseRockers von Hound Dog Taylor 1959 in irgendeinem Bluesclub.

he Houserockers and j.b.HuttoGemeinsam mit dem Drummer Levi Warren traten Hound Dog Taylor und Brewer Phillips in etlichen Clubs in Chicago auf. Der bekanntere Drummer der HouseRockers war Ted Harvey. Ted Harvey wurde am 21.12.1930 in Chicago geboren und starb am 06.10.2016. Ted Harvey begann als Jazzdrummer in der 5th Army Band. 1952 wechselte er zum Blues. Er begleitete einige Bluesmusiker, darunter Muddy Waters und Little Walter. Das erste Treffen zwischen Hound Dog Taylor und Ted Harvey fand 1955 im Zanzibar, einem Club in Chicago, statt. Ted Harvey begleitete damals Elmor James bei dessen Auftritten. Bei der Beerdigung von Elmore James 1963 gab es die nächste Begegnung. Es sollte einige weitere Jahre dauern, bis Ted Harvey Levi Warren bei den HouseRockers ablöste. Der Stil von Ted Harvey erinnert stark an den von Fred Bellow von den Aces. Fred Bellow soll angeblich auch für den typischen Rhythmus der Songs von Bo Diddley verantwortlich sein. Ähnlich rau und stampfend trommelt Ted Harvey, von seinem vorherigen Leben als Jazztrommler ist wenig zu hören.

Ted Harvey war zu dieser Zeit Angestellter bei einem Versandhandel und die Musik fand nur nach Feierabend statt. Brewer Phillips arbeitete ebenfalls immer noch als Zimmermann, auch für ihn waren die Gigs in den Clubs nur ein Nebenjob. Wie es scheint, war Hound Dog Taylor der einzige Vollzeitmusiker der HouseRockers. Den einzigen regelmäßigen Auftritt hatten sie Sonntag nachmittags in der Florence’s Lounge. 1970 hörte Bruce Iglauer, von Delmark Records, die HouseRockers in eben dieser Florence’s Lounge in der South Side von Chicago. Iglauer war begeistert und wollte sie unter Vertrag für ein Album nehmen. Sein Chef von Delmark Records hatte wenig Interesse und lehnte einen Vertrag ab. Bruce Iglauer war von der Musik von Hound Dog Taylor und seinen HouseRockers allerdings so überzeugt, dass er bei Delmark kündigte und 1971 sein eigenes Label, Alligator Records, gründete. Die HouseRockers mit Hound Dog Taylor wurden die ersten Musiker die ein Album unter Alligator Records aufnahmen und veröffentlichten.

Hound Dog Taylor and the Houserockers FreddieMit diesem Album kam der Durchbruch. Die Band hatten sich einen Namen gemacht. Auftritte vor einem größeren Publikum bei Festivals und Touren nach Australien und Neu Seeland folgten. Die Auftritte in den Clubs von Chicago wurden selten und wenn, dann war es nur aus Spaß. 1973 folgte Album Nummer 2 „Natural Boogie“. Hound Dog Taylor wurde von Zeitschriften wie dem Rolling Stone oder dem Guitar Player gefeiert. Der Kritiker Robert Christgau von dem Magazin Village Voice beschrieb die Band als “The Ramones of the blues.“, der Rolling Stone:…natural for partying, drinking and talking loud.

Er bekam die Möglichkeit mit vielen anderen Musikern Songs aufzunehmen. Alligator Records hatte sich in der Bluesscene mittlerweile einen Namen gemacht und Blueser wie Son Seals, Magic Slim, Big Walter Horton oder Carey Bell verpflichtet. (Über Alligator Records sollte ich etwas im Blog schreiben, ich bin nämlich ganz großer Fan von deren Jubiläumsboxen.) Hound Dog Taylor und Brewer Phillips verkrachten sich nach den Aufnahmen zu dem Album. Es muss etwas Persönliches gewesen sein, mit der Musik hatte es scheinbar nichts zu tun.

Cub Koda & The HouseRockers – The Joint Was Rockin’ Hound Dog Taylor starb am 17.12.1975 an Lungenkrebs. Er war starker Raucher, man sehe sich das Cover von „Beware Of The Dog!“ an. Kurz nach seinem Tod erschien das dritte offizielle Album. Bruce Iglauer schrieb hierzu:

„Ironically, Hound Dog Taylor didn’t live to see the release of this, his first “live” album. He died of cancer in Chicago December 17, 1975, at the age of 59.

The music, cover, and title of this album are exactly as Hound Dog and I originally planned them, before we knew of his illness. This isn’t one of those somber “memorial” albums. Hound Dog wouldn’t have wanted that. He wanted to be remembered with the same kind of irreverence that he put into his music, and into his life. As he used to tell me, “When I die, don’t have a funeral – have a party!”

Bei diesem dritten “offiziellen” Album blieb es nicht. Alligator Record verlor einen seiner wichtigsten Musiker. Bruce Iglauer brach sein Versprechen. Ab 1982 erschienen unter dem Label Alligator Records einige Alben und Sampler, das ist bis heute so. Andere Label suchten alles zusammen was jemals von Hound Dog Taylor aufgenommen wurde. So sind auch die vier Songs der ersten zwei Singles auf verschiedenen Bluessamplern zu finden.

Es wurden weitere Songs aus den Archiven gegraben und veröffentlicht, zum Teil unter dem Namen Hound Dog Taylor And The HouseRockers oder nur unter Hound Dog Taylor. Interessant, bei späteren Veröffentlichungen von Liveauftritten taucht der Name des ersten Drummers Levi Warren auf. So zum Beispiel auf „Release The Hound“. Die Songs wurden allerdings nicht zu Lebzeiten von Hound Dog Taylor veröffentlicht.

Hound Dog Taylor and the Houserockers in BostonFür mich gibt es zwei total verrückte Blueser mit einem besonderen Stil, der eisige Albert Collins mit der Telecaster und der Bottleneck spielende Hound Dog Taylor mit seiner japanischen Teisco. Der Blues der HouseRockers ist meist der typischer Boogie oder Shuffle. Die drei Musiker haben hörbar Spaß am Blues, langsame und traurige Songs sind nicht ihr Stil.
Brewer Phillips ist nicht der Bassist, obwohl es sich so anhört! Er benutzt seine Telecaster meist als die „zweite“ Gitarre und ersetzt in der Praxis damit den Bass durch sein Spiel auf den tiefen Saiten.
Ted Harvey zieht seinen Rhythmus auf den Drums gnadenlos durch, er kennt keine Spielereien. Alle drei spielen den Blues so wie sie es auch jahrelang getan haben, in einer vollen Kneipe vor Publikum, das seinen Spaß haben will und nach Feierabend nur noch unterhalten werden möchte. In manchen dieser Schuppen wollte man auch tanzen, kein Problem für das Trio! Und wie es in einer vollen Kneipe so ist, die Musik muss lauter sein als die Geräusche um sie herum! Bruce Iglauer beschreibt die Musik als „Genuine Houserocking Music“ und „Foot Stumping Shuffle“, ich nenne es Kneipenblues. Wer dem Trio zuhört, sollte keine Kunst oder gefühlvolle Balladen erwarten, es geht hier durchweg sehr wild und rau zu.

Obwohl Hound Dog Taylor mit sehr vielen bekannten Musikern zusammenspielte, wurde er erst durch Bruce Iglauer außerhalb von Chicago bekannt. In den fünf Jahren bei Alligator Records wurde er quasi zu einem Superstar unter den Bluesmusikern. Erst 1984 wurde er in die Blues Hall Of Fame aufgenommen, die späte Aufnahme ist eine Schande!
Brewer Phillips und Ted Harvey behielten den Namen The HouseRockers. Nicht mehr bei Alligator Records, nahmen sie Alben mit J.B. Hutto, Cub Koda und anderen auf.

Das großgeschriebene „R“ ohne Leerzeichen mitten im Namen „HouseRockers“ ist gewollt und kein Schreibfehler.

Hound Dog Taylor & The HouseRockers ‎– Same

Hound Dog Taylor & The HouseRockers ‎– Same

She’s Gone
Walking The Ceiling
Held My Baby Last Night
Taylor’s Rock
It’s Alright
Phillips’ Theme
Wild About You, Baby
I Just Can’t Make It
It Hurts Me Too
44 Blues
Give Me Back My Wig
55th Street Boogie

Hound Dog Taylor And The HouseRockers ‎– Natural Boogie

Hound Dog Taylor And The HouseRockers* ‎– Natural Boogie

Take Five
Hawaiian Boogie
See Me In The Evening
You Can’t Sit Down
Sitting At Home Alone
One More Time
Roll Your Moneymaker
Buster’s Boogie
Sadie
Talk To My Baby
Goodnight Boogie

Hound Dog Taylor & The House Rockers ‎– Beware Of The Dog!

Hound Dog Taylor & The House Rockers ‎– Beware Of The Dog!

Give Me Back My Wig
The Sun Is Shining
Kitchen Sink Boogie
Dust My Broom
Comin’ Round The Mountain
Let’s Get Funky
Rock Me
It’s Alright
Freddie’s Blues

Hound Dog Taylor And The HouseRockers ‎– Genuine Houserocking Music

Hound Dog Taylor And The HouseRockers ‎– Genuine Houserocking Music

Ain’t Got Nobody
Gonna Send You Back To Georgia
Fender Bender
My Baby’s Coming Home
Blue Guitar
The Sun Is Shining
Phillips Goes Bananas
What’d I Say
Kansas City
Crossroads

Hound Dog Taylor ‎– Release The Hound

Hound Dog Taylor ‎– Release The Hound

Wild About You Baby
Sen-Sa-Shun
She’s Gone
It Hurts Me Too
What’d I Say?
One More Time
Sadie
The Dog Meets The Wolf
Walking The Ceiling
Sitting At Home Alone
Phillips Screwdriver
Gonna Send You Back To Georgia
Things Don’t Work Out Right
See Me In The Evening/It’s Alright

Hound Dog Taylor And The HouseRockers – Deluxe Edition

Hound Dog Taylor ‎- DeLuxe

Wild About You, Baby
The Sun Is Shining (Live)
Roll Your Moneymaker
Give Me Back My Wig (Live)
Walkin The Ceiling
See Me In The Evening
Phillips Goes Bananas
It Hurts Me Too
What’d I Say?
Rock Me (Live)
Phillips’ Theme (Live)
Take Five
She’s Gone
Ain’t It Lonesome? (Live)
Ain’t Got Nobody

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2 Kommentare

  1. Ich bin beeindruckt. Echt! Vielen Dank für den Beitrag. Noch einer zum Ausdrucken und mehrfach zum Lesen. Ich muss gestehen, auch die Verbindung zu Cub Koda via den Houserockers – ich glaube ohne grosses R in dem Zusammenhang – da müsste ich aber nachsehen – war mir nicht bewusst. Aber was du schreibst kann ich mir gut vorstellen, die Band musste wohl in einer Kneipe mehr Lärm machen als die Anwesenden, welche wohl eher nicht wegen der Musik gekommen waren.

    Jetzt habe ich mal die ersten vier LPs und hör mich da ein. Ausgehend von deinen Ausführungen kann ich dann ja mal sehen was es sonst noch gibt und ob sich der Rest trotzdem lohnt. J.B. Hutto zum Beispiel.

    Danke

    Cheers

    Roland

  2. Wenn du mit dem vierten Album „Genuine Houserocking“ meinst, dann fehlt dir nur noch „Release The Hound“. Die „Deluxe“ kann man sich schenken. Es gibt hier lediglich zwei unveröffentlichte Songs, den Rest findet man auf eben den vier Alben.
    Das mit dem „R“ wurde elegant gelöst. Man nannte sich, wenigstens auf den Cover, „HOUSEROCKERS“.

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