The Temptations: Psychedelic Soul

Psych-Tanz-Musik: Dafür muß man ein eigenes Soul-Funk-Genre schaffen

Detailliert auf die Kariere dieser Formation einzugehen ist im Rockzirkus nicht nötig, da wir uns als Schatzgräber meist um die unbekannten und vergessenen Details dieser Soul-Legende The Temptations kümmern. Aber es gibt eine besondere Zusammenstellung ihrer größten Hits, gefühlt sind mehrere Hundert davon weltweit erschienen, die unbedingt hier vorgestellt werden muss. Was macht dieses Doppel-Album »Psychedelic Soul« (2003) so besonders. Hier wurde die stärkste Phase der Band-Karriere berücksichtigt (geprägt vom innovativen Komponisten und Produzenten Duo Whitfield-Strong), hier wurden nur die musikalisch besten Titel von den Alben 1969-1973 ausgewählt, hier wurde keine Rücksicht auf die Länge der Kompositionen genommen. Durchhörbarkeit des Songs, das Stereo-Panorama (anzünden einer Zigarette auf dem linken Kanal, Zugfahrt von L/R), Klang der einzelnen Instrumente und des Gesangs, insgesamt unverzichtbar für jeden Fan von Temptations, Motown, Norman Whitfield, Barrett Strong. Das Remastering von Toningenieur Suha Gur (Universal Mastering Studios East, Edison, New Jersey, 1992-2007) ist der Hammer. Ich ziehe häufig wegen des besseren Klangbildes, die hier rezensierte Doppel-CD den einzelnen CD-Original-Alben vor. Wer sich nicht alle Alben der The Temptations jener Zeit (ob auf Vinyl oder CD) zulegen möchte oder kann und trotzdem gern die Songs in der langen Album-Version besitzen möchte, die auf den meisten Best Of, Greatest Hits, Ultimative Collections und Anthologien nur gekürzt (als Single-Version) enthalten sind, der könnte mit dieser Doppel-CD sehr glücklich werden. Auch das üppige Booklet ist sehr informativ und vorbildlich.

Temptations: Bass-Urgestein Melvin Franklin

Einziger noch lebender Mitgründer ist Otis Williams (eigentlich Miles), der heute Leit-Vokalist der Gruppe The Temptations ist. Otis (Tenor), Elbridge „Al“ Bryant (Tenor) und Melvin Franklin (Bass) arbeiten 1960 in der Gesangsgruppe The Distants (regionaler Hit: »Come On«) zusammen. Nach einem Angebot von Berry Gordy von Motown Records löst sich die Truppe auf und mit den Zugängen Eddie Kendricks (Falsett) und Paul Williams (Tenor) wird die Gruppe The Elgins gründetet, aus der Otis und seine vier Kameraden im März 1961 dann in Detroit (Michigan) das Vokal-Quintett The Temptations formieren. Zwei weitere Namen der Gründerzeit sind Tenor David Ruffin der Bryant später ersetzt und Produzent und Songschreiber Smokey Robinson, der die Hit-Fabrik mit vielen erfolgreichen Kompositionen versorgt. Die Temptations standen zwischen 1965 und 1969 mit zehn Alben in Folge auf Platz eins der US-amerikanischen R&B-Charts und bis weit in die 90igern wurden der Soul-Funk-Express als erfolgreichster R&B-Künstler weltweit geführt. Hier setzt das Doppel-Album »Psychedelic Soul« (2003) ein, mit dynamischer zeitloser druckvoller vokalgestützten Tanzmusik der Extraklasse. Nachfolgend die weiteren Hit-Alben dieser Phase chronologisch und welcher Song sich davon auf der 24-Titel-Kompilation befindet.

The Temptations: Live 1973

The Temptations: Live 1973

Cloud Nine – Gordy 939 (Februar 1969) – Schon bei der Auswahl von diesem Album, leider ist der zeitlose Klassiker »I Heard It Through The Grapevine« nicht mit dabei, es geht aber mit »Cloud Nine« (3:31) und dem 10-Minüter »Run Away Child, Running Wild« schon mal richtig zur Sache. Das erste rhythmische Meisterstück in der erfolgreichen Kooperation mit Norman Whitfield.

Puzzle People – Gordy 949 (September 1969) – Mit »Don’t Let The Joneses Get You Down«, »I Can’t Get Next To You«, »Message From A Black Man« (6:03) und »Slave« (7:31) sind von diesem Album nun bereits vier Titel und auch die beiden längsten Stücke mit dabei.

Psychedelic Shack – Gordy 947 (März 1970) – Premiere, die bisher unveröffentlichte extralange Original Stereo Version von »Psychedelic Shack« (6:19) gelangt endlich an die Ohren der Fans. Allein dafür lohnt schon die Anschaffung dieser Premium-Retrospektive. Weitere Stücke von dem Album »You Make Your Own Heaven And Hell Right Here On Earth«, »Hum Along And Dance« (Version von Rare Earth, 1973: Ma), »Take A Stroll Thru Your Mind«, »War« und »Friendship Train«. Bis auf zwei Titel ist das gesamte Album berücksichtigt.

Ball Of Confusion (That’s What The World Is Today) – Gordy 7099 (Mai 1970) – Noch eine unveröffentlichte Version (Single, Alternativer Mix).

Sky’s The Limit – Gordy 957 (April 1971) – Mit »Smiling Faces Sometimes« (Version von Rare Earth, 1973: Ma) gleich wieder ein überlanger Titel (12:40), dazu noch »Ungena Za Ulimengu (Unite The World)« und »Love Can Be Anything (Can‘t Nothing Be Love But Love)«.

Solid Rock – Gordy 961 (Januar 1972) – Diesmal zwei kürzere Stücke mit »Take A Look Around« und »Superstar (Remember How You Got Where You Are)«.

Temptations: All Directions (72)

Temptations: Masterpiece (73)

Temptations: Psychedelic Soul

All Directions – Gordy 962 (Juli 1972) – Viele glauben, dass die US-Pressung der Schallplatte »All Directions« die beste Fassung von »Papa Was A Rollin’ Stone« beinhaltet. Weit gefehlt, denn diese 12-minütige Version ist ein Kracher in jeder Hinsicht. Das prägende Bass-Motiv wird vom 2012 verstorbenen Session-Bassisten Bob Babbitt gespielt. Das funkige Rhythmus-Monster wird durch den vorangesetzten Titel »Funky Music Sho Nuff Turns Me On« auf dem vorherigen Startplatz mit angeschoben.

Masterpiece – Gordy 965 (Februar 1973) – »Masterpiece« mit 13 Minuten 49 Sekunden der längste Titel des Doppeldeckers und ein Meisterstück für die Ewigkeit. Auch »Plastic Man« ist stark, aber auch Law Of The Land und Ma (Versionen von Rare Earth, 1973: Ma) sind erstklassig aber nicht mit auf dieser Zusammenstellung.

1990 – Gordy 966 (Dezember 1973) – Die beiden Titel »Ain‘t No Justice« und »1990« sind stellvertretend. Zwei weitere gute Songs von einem Album das in der Gesamtheit gegenüber den beiden vorherigen Meisterstücken etwas abfällt, aber dennoch wären viele Formationen froh so einen Kracher aufgenommen zu haben.

Der Vollständigkeit halber: In dem vorgestellten Zeitraum sind auch noch »The Temptations Christmas Card« (Gordy 951, Oktober 1970) und »Live At London’s Talk Of The Town« (Gordy 953, Juli 1970) entstanden. Zeitlose & Klingende Grüsse, Der SchoTTe

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3 Kommentare

  1. Psychedelic Soul ist wirklich nicht schlecht (steht hier auch im Regal)… für Einsteiger…
    Temptations-Hardcore-Sammler brauchen natürlich zwingend die Originalalben, das sagt jedenfalls ein befreundeter Temptations-Freak den ich kenne, nur so, im originalen Song-Umfeld eines Longplayers “erfahre” man die Temptations richtig.

    Ein weiterführender Tipp meinerseits: Wer sich in die Temptations reingräbt wird früher oder später auf eine versteckte, mit “The Undisputed Truth” beschriftete Falltür stossen, ich empfehle sie unbedingt aufzumachen und den Inhalt zu begutachten. Das Studioprojekt The Undisputed Truth nutzte der Produzent Norman Whitfield anfangs als Testgelände für seine neuesten Song-Ideen die er so für die Paradepferde im Stall (Temptations, Rare Earth) salonfähig machte (siehe Artikel The Undisputed Truth im RZ-Blog). Nach Masterpiece (1973) sank der Temptations-Stern rasend schnell, es wurde offensichtlich, dass Whitfield nach seinem Abgang bei Motown nicht so einfach zu ersetzen war. Der Denker und Lenker hinter den Temptations kümmerte sich nun in erster Linie um seine neu gegründeten Whitfield Records, The Undisputed Truth und vor allem um Rose Royce (“Car Wash”) mit denen er die Charts von hinten her aufrollte.

    Zurück zum Ausgangspunkt: Psychedelic Soul ist wirklich nicht schlecht, zumindest für Einsteiger…

  2. Auf die meisten Retrospektiven kann man gut verzichten, auf diese nicht. Ich habe schon einige vorgestellt (siehe Budgie, Alex Conti, Epitaph) und werde noch einige weitere vorstellen. Natürlich sind diese Zusammenstellungen hauptsächlich für die Fans, die nicht alles im Bestand brauchen, dennoch aber hohen Anspruch an Qualität und Quantität haben. Hier diesmal für die Temptations-Einsteiger. Rare Earth, Undisputed Truth, War und einige weitere aber unbekanntere Künstler, hier haben wir noch einiges zu tun. Machen wir !! Für mich ist der Psych-Soul/Funk ein wichtiges Verbindungsglied zur Black Music, Dance und die moderneren Formen. Unfassbar was sich da für Schätze beim Buddeln zeigen. Bleibt Heiter & Gesund, Rhythmische Grüsse, Der SchoTTe

  3. Hm. Von denen kann ich/möcht ich/ will ich ma’ das “Wings of love” Album von 1976 empfehlen. Das war damals ein Flop, aber es ist ein sehr gutes mit 2 sehr unterschiedlichen LP-Seiten. A-Seite der übliche Soul-Funk-Kram; aber B-Seite beinahe Progrock mit dem schönen “Mary Ann” 7Minüter im Zentrum.
    Ansonsten hat mir immer der “Vati Rollestein” gefallen, aber vom dazugehörigen Album “All Directions” war ich schwer enttäuscht, weil der ganze Rest nur aus Füllern besteht.
    So blieb es also bei äußerst begrenztem Interesse für die Herren.

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