Colin Vearncombe – Black – Brit-Barden 3

Schwarz sein Lebensmotto – Musikalisch, Stilistisch, Modisch, Grafisch, Thematisch

Musikalisch schaute in Europa lange Zeit fast jeder nach England. Hier schien nach Meinung einiger Menschen seit Jahrzehnten das Zentrum der populären Musik zu sein/liegen. Es war tatsächlich 10 Jahre in den 60/70iger der musikalische Nabel der Welt. Besonders aus den weltweiten britischen Hoheitsgebieten wurde immer wieder Nachwuchs vor allem in die Metropole Großraum London gespült. Das und die Tatsache das dort die dominierende Weltsprache zuhause war, hat aber nicht dauerhaft ausgereicht diesen Status aufrecht zu halten. Der Takt wird heute auch von anderen Nationen vorgegeben. Dennoch gingen aus Großbritannien zu allen Zeiten immer wieder besondere Impulse aus. In der Phase der neuen Welle/Romantik wurden mit vielerlei synthetischen Sounds wunderbare Werke geschaffen. Aber es gab damals auch Künstler, die mit Gesängen, Texten, Instrumentierung, Stimmungen, sehr dichte Atmosphären erzeugten. Drei Beispiele dafür sind mit ähnlicher Geschichte Mark Hollis und Talk Talk, Richard Ashcroft alias Captain Rock und The Verve sowie Colin Vearncombe und Black.

Wonderful Life (1987)

Comedy (1988)

Black. (1991)

Colin Vearncombe wurde 26. Mai 1962 in der Stadt der Beatles, sprich Liverpool geboren. Bevor Colin das Projekt Black 1980 formierte, versuchte er sich mit Combos wie den Punkern The Epileptic Tits, dann später Tilt. Die erste Single »Human Features« und »Electric Church« (1981, ROX 17) für das Indie-Label Rox Records wurde schon als Black, aber mit unbekannten Session-Musikern eingespielt. Kurz danach finden David „Dix“ Dickie (Keyboards, Gitarre) und Jimmy Sangster (Bass) zum Projekt. Schon bei der nächsten Single »More Than The Sun« und »Jump« (1982: The Wonderful World Of, WW3) war Sangster schon nicht mehr dabei. Dafür produzierte Pixie & Dixie, klar wer das war. Das Gespann Colin & David waren in der Zeit bis 1986 auf der Suche nach einer eigenen Handschrift. Colin schrieb fleißig Lieder, suchte dafür ein Label und David war als Produzent und Techniker tätig. Von irgendwas musste man ja auch leben. Colins Hartnäckigkeit war erfolgreich, die erste Version des Liedes »Wonderful Life« (1986: Ugly Man Records) schaffte es auf Platz 42 der UK-Charts. Nun hatte endlich auch ein großes Label Interesse, Vearncombe/Black unterschrieb bei A&M Records. Das Album »Wonderful Life«, unter anderem war auch Tieftöner Jimmy Sangster wieder mit dabei, war 1987 ein echt großer Wurf und schwamm zuerst einmal erfolgreich auf der Neuen Welle mit. Die frühen raren Lieder auf Singles findet man auf der Kompilation »Black« (1987, WEA).

Are We Having Fun Yet? (1993)

CV: The Accused (1999)

Universal Masters Edition 2000

Das sofort nachgelegte zweite lyrischere Album »Comedy« (1988, A&M) und auch alle daraus ausgekoppelten Singles blieben dann allesamt in unteren Regionen der europäischen Hitlisten stecken. Black war in Kontinental-Europa erfolgreicher als in seiner Heimat. Der Erfolg des 1991 produzierten Werk »Black.« litt leider unter den gleichen Symptomen. Vielleicht war die Musik zu schwermütig, nicht passend genug für die britische New Wave. Auch wenn unter anderen hier der galante Robert Palmer und die Sängerin Sam Brown mithalfen. Des Weiteren die schwedische Vokalistin Camilla Griehsel (vorher: Pop-Trio One 2 Many), später auch als Lady Black bekannt, die Colin Black Vearncombe kurz zuvor in zweiter Ehe geheiratet hatte. Der Vertrag mit A&M lief nun nach drei guten Alben aus, Vearncombe zog sich in die Normandie zurück und nahm mit dem Produzenten Mike Hedges das Solo-Album »Are We Having Fun Yet?« auf. Das erschien Oktober 1993 auf seinem eigenen Label Nero Schwarz. Wiederum ein von Kritikern sowie auch Fans hochverehrtes Black-Album, dennoch entschied sich Vearncombe danach wegen Erfolgsmangel zu einer längeren Pause des Projekts bis »Between Two Churches« (2005), laut Künstler zur Selbstfindung und Neuausrichtung. Hier endete der erste Teil seiner musikalischen Reise. Damit ist eigentlich der erfolgreiche Teil der Geschichte geschrieben. Im Gegensatz zu Talk Talk des Mark Hollis, die mit ihrem Gesamt-Katalog von fünf Alben ihre Ausrichtung immer stärker von Pop über Art/Prog zu Minimal/Avantgarde veränderten, hielt Black an seinem durchaus besonderen Stil fest. Aber der allgemeine Musikgeschmack war weitergezogen und hatte Colin Vearncombe komplett vergessen. Wie gut und zeitlos seine Kompositionen waren, zeigt sich daran wie oft sein Lied »Wonderful Life« bis heute gespielt, gecovert und/oder in Werbung eingesetzt wurde. Ähnlich oft wie auch »What A Wonderful World« von Louis Armstrong, »Fields Of Gold« von Eva Cassidy und »Over The Rainbow« von Israel Kamakawiwo’ole. Das ist sein bleibendes Vermächtnis.

Between Two Churches (2005)

Road To Nowhere: Live (2007)

Water On Stone (2009)

Natürlich hat Colin nicht aufgehört gute Musik zu machen. Aber erst 1999 erschien mit Unterstützung der üblichen Verdächtigen das avantgardistische Solo-Werk »The Accused« auf Nero Schwarz. Ein Album mit der typischen Handschrift des A&M-Album-Trio von Ende der 80iger. Bereits Anfang der 90iger hatte sich Vearncombe von den übermächtigen Labels abgewandt, seit 1993 seine Musik unter eigenem Label veröffentlicht und teilweise über das Internet vertrieben. Deshalb waren seine Werke als Projekt und Solo kaum noch im Gesichtskreis einer größeren Öffentlichkeit. Bei Nero Schwarz veröffentlichte er bis 2009 vor allem Live-Solo-Alben. Auch sein Evergreen »Wonderful Life« war fast jedes Mal dabei. Ein neues Album als Black, »Between Two Churches«, wurde im November 2005 nach sehr langer Abstinenz veröffentlicht. Ein Neustart mit dem starken musikalischen irischen Partner Calum MacColl (Sohn von Ewan MacColl und Peggy Seeger), der ihn bis zu seinem Tod auf allen seinen Projekten im Studio und auf Bühnen begleitete. Wie damals mit dem Musiker und Produzenten David „Dix“ Dickie, ein bärenstarkes und loyales Kreativ-Duo. Mit Calum ging Colin auch auf eine ausgedehnte Tour durch ganz Europa. Das Solo-Album »The Given« wurde 2009 digital veröffentlicht, wurde anfangs kostenlos verteilt und beinhaltete die Option, das Black-Album »Water On Stone« (2009) zu kaufen. Das Promo-Album dazu, auch üppig mit einer CD-ROM mit zwei Videos, Fotos, Artwork, Texte, nutzte die ganze künstlerische Bandbreite. Der Album-Titel der 2011 veröffentlichten Zusammenstellung »Any Colour You Like« wurde von den Fans gewählt. Sein Solowerk erschien 2010 als »Blackatalog« auf sechs CD’s (2010, Nero Schwarz). Im März 2013 veröffentlichte Vearncombe, der nun auch als Dichter und Maler aktiv geworden war, das illustrierte Buch »I Am Not The Same Person« (Blip Books, 978-0956738790). Das 56-seitige »Walk The Dotted Line« (978-0993030536) erschien Ende 2014 beim gleichen kleinen Verlag.

CV: Walk The Dotted Line (2014)

Colin und Calum arbeiteten zusammen an der Produktion neuer Lieder und Vearncombe startete eine Crowdfunding-Kampagne, die ihm die Produktion eines neuen Albums ermöglichen sollte. Die Kampagne erzielte das Doppelte dessen, was nötig gewesen wäre, um das Album »Blind Faith« (2015) zu veröffentlichen. Colin Vearncombe lebte schon seit 2003 mit seiner Frau Camilla Griehsel-Vearncombe sowie drei Söhnen in Schull im südwestirischen County Cork. Er starb am 26. Januar 2016 in einem Hospital in Cork im Alter von nur 53 Jahren an einem Hirnödem, das er infolge eines Verkehrsunfalls per Auto kurz vorher in der Nähe des Flughafen Cork erlitten hatte. Was bleibt für uns: Zeitlos schöne Musik, überzeugt euch selbst davon !! Eine schöne Zusammenstellung seiner A&M-Zeit ist »Black« (1996, A&M) und die Titelgleiche »Millennium Edition« (2000, A&M).

Wer sich weiter für ähnliche Themen interessiert, folgt den Weiterleitungen unten:

Weiterlesen RZ: US-Rock-CowboysBrit-BardenFast Vergessene Seelen

Wer sich weiter für die tragischen Rocker interessiert, folgt der Weiterleitung unten:

Weiterlesen RZ: Tragische Rocker – Rhythmische Grüsse, Der SchoTTe

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2 Kommentare

  1. @; Gruß an den SCHOTTEN! Als ‘Kind der 80er’ sagt mir BLACK natürlich was – recht ungewöhnlicher Sound damals, aber spätestens nach dem dritten derartigen Lied hatte ich mich eigentlich satt gehört. Trotzdem möchte ich es nicht missen – und finde es schön mal was von ihm zu lesen. Die meisten Leute verstanden nicht dass sein bekanntester Song ironisch gemeint war (spielte in Deutschland eh keine Rolle, weil den Text sowieso keiner verstand). Mir war gar nicht bewusst dass es zwei Versionen gab – hab’s jetzt ‘nachgehört’: Die erste steckt noch in den 80ern (Synthies!), die zweite ist etwas minimalistischer. Da die Unterschiede gering sind bleibt es jedem selber überlassen welche er lieber mag.

    (Zu THE VERVE kann ich wenig beitragen (außer ihrem Rechtsstreit mit dem STONES Management ist bei mir wenig hängen geblieben), TALK TALK halte ich für generell überschätzt. Ihre frühen (Punk & Synthie)-Sachen mag ich noch ganz gerne, aber bei SPIRIT OF EDEN war bei mir der Ofen aus.)

    Weshalb ich diesen Post überhaupt schreibe; etwas früher dran war die britische Band IT’S IMMATERIAL, die in die selbe Kerbe haut – aber leider nur einen kleinen Hit hatte (DRIVING AWAY FROM HOME) und nur zwei, kaum beachtete Alben veröffentlichte. Also; wenn du so etwas magst (und es nicht kennst – bei deinem Wissen eher unwahrscheinlich); höre mal rein!

    Gruß – Ronald;-)

  2. Gruß an McRonalds, es gibt natürlich noch andere Beispiele, ich habe mal drei der oft genannten erwähnt. Über Talk Talk (Such A Shame), die werden in der Prog-Szene sehr verehrt, sowie The Verve (Bitter Sweet Symphony) würde ich keine Beiträge für den Rockzirkus machen, auf mache Themen verzichte ich gerne, denn darüber wird regelmäßig und ausführlich berichtet. Beide haben mit poppiger Musik (jeweils einen Hit) sehr gut verdient, konnten sich leicht in den Ruhestand zurückziehen. Bei Colin Vearncombe alias Black war das anders, er war sehr introvertiert, hatte einige bekannte Songs, aber etwas Pech mit seiner Karriere. Dazu passt auch sein tragischer Tod (2016). In der Reihe Brit Barden gibt es noch schöne Geschichten. It’s Immaterial wäre so eine Perle. Das Meisterstück Life’s Hard And Then You Die ist 2016 als DCD mit fetten 24 Boni erschienen. Aber auch noch einige andere sind in Planung. Rhythmische Grüsse, Der SchoTTe

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