Steppenwolf – Rest In Peace 1967-1972

Rückblicke auf das Schaffen von Musikern müssen nicht immer zwingend die bekannten Hits beinhalten, die Zusammenstellung Rest in Peace 1967-1972 von Steppenwolf ist da ein schönes Beispiel, es war damals wirklich mutig auf das zugkräftige Monster „Born To Be Wild“ zu verzichten, aber genau das macht die Zusammenstellung so speziell und andersartig, sie durchbricht die typische Plattenfirmen-Logik nach der die immer gleichen gewinnträchtigen  Songs die Lokomotive spielen müssen.

1972 war bei Steppenwolf das totale Chaos ausgebrochen, offiziell hatte sich die Band zwar nie aufgelöst, sie steckte aber nach dem immensen weltweiten Erfolg und endlosen Tourneen in einer tiefen Krise. Vorzeigefrontmann John Kay versuchte sich mit Forgotten Songs & Unsung Heroes solo und liess sich von seiner John Kay Band begleiten, gleichzeitig mochten Drummer Jerry Edmonton und Keyboarder Goldy McJohn die Fahne bei Steppenwolf aber noch nicht einrollen, auch wenn sie sich Bassist George Biondo mit John Kay teilen mussten und Gitarrist Kent Henry offenbar die Seiten gewechselt hatte. Verwirrend, nicht nur für Aussenstehende sondern offenbar auch für die beteiligten Artisten. Im Spätsommer 1972 gingen die beiden Acts erstaunlicherweise gemeinsam  auf Tour und John Kay sang bei den Konzerten in beiden Formationen.

Damit Steppenwolf nicht ganz ohne Tonträger dastanden, wurde ihnen die Compilation Rest In Peace 1967-1972 mit auf die Reise (die sogenannte RIP-Tournee) gegeben. Aufgrund der vertrackten personellen Situation und eventuell auch um John Kay nicht den Wind aus den Segeln zu nehmen, wurde wahrscheinlich darauf verzichtet die LP mit einem der bekannten Chartbreaker von Steppenwolf zu bestücken. Aber mal ehrlich, es war eine gute Entscheidung, die Abwesenheit von „Magic Carpet Ride“ und „Born To Be Wild“ wird locker wettgemacht durch „Everybodys Next One“ – die B-Seite der übermächtigen Hitsingle – und durch furiose LP-Tracks wie „Don’t Step On The Grass Sam“ (mit der akustischen Razzia-Szene und der Klospülung am Ende des Tracks) ,„The Ostrich“ oder „Renegade“ von Steppenwolf 7 die hier noch mal in ihrer ganzen Pracht erstrahlten. Rest In Peace ist eine atemberaubende Zusammenstellung, sie wirkt auch noch heute so homogen als wäre sie ein geplantes Studioalbum aus einer einzigen Aufnahmesession gewesen und kein sich über 5 Jahre erstreckender Lumpensammler, Rest In Peace ist so kompakt wie Gusseisen und enthält wirklich nur das Beste aus der Steppenwolf-Schmiede.

Ich stiess ca. 1974 in einem Kaufhaus auf die Platte und erwarb sie zu günstigem Preis, mir war anfangs übrigens nicht klar, dass es eine Zusammenstellung war. Das kleine Loch das ins Plattencover gestanzt war stellte mich zusätzlich vor Rätsel, erst später fand ich heraus, dass die Platte eine sogenannte „Cut Out“ war, speziell gekennzeichnete Ware aus USA die günstig verscherbelt werden durfte von den Händlern. Rest In Peace – meine erste LP-Erwerbung von Steppenwolf – versetzte mich jedenfalls in Trance, ich hörte mir die LP stundenlang an, ich war schlichtweg fasziniert von dieser urgewaltigen Rockmusik mit den scharfen Gitarren, der tonnenschweren fetten Orgel und diesem Sänger mit der dunklen krächzenden und klagenden Stimme. Jahre später war die LP dann verschwunden aus der Sammlung, weshalb frage ich mich bis heute. Vermutlich gab ich sie weg weil ich irgendwann alle Originalalben von Steppenwolf erlegt hatte.

Jerry Edmonton gestaltete das optische Konzept der LP und das ist basierend auf zwei Fotos zwar simpel, aber trotz seinem Minimalismus äusserst vielsagend und gelungen: Vorne drauf das gerahmte Bild eines zähnefletschenden Wolfes und eine von Grabschmuck umgebene Gedenktafel mit den Lebensdaten (1967-1972) des gefährlichen Tieres, es spiegelt exakt die Lage der Band, irgendwie in die ewigen Jagdgründe eingegangen aber noch immer verehrt vom umgebenden Rudel. Auf dem Backcover noch mehr Blumen und eine Staffel behelmter und sonnenbebrillter Motorrad-Polizisten die Spalier steht. Subversiv, äusserst subversiv, denn genau solch uniformierte Staatsangestellte waren doch der Kontrapunkt der kiffenden, saufenden und finster drein blickenden Rockerbande und ihrem deutschstämmigen Anführer. Die Staatsgewalt an vorderster Front die das Ableben des Feindes betrauert? Ein Albtraum, eine unmögliche Vorstellung, ein schlechter Drogentrip, mindestens so schräg wie diese Cops im psychedelischen Farbenrausch…

LONG LIVE STEPPENWOLF!
mellow

 

Steppenwolf – Rest In Peace 1967-1972
(LP, 1972, ABC Dunhill)

A1) Don’t Step On The Grass Sam (6:01)
A2) Foggy Mental Breakdown (3:52)
A3) Everybody’s Next One (2:55)
A4) Desperation (5:43)
A5) The Ostrich (5:37)

B1) Renegade (6:08)
B2) Hippo Stomp (5:43)
B3) Your Wall’s Too High (5:45)
B4) Take What You Need (3:27)
B5) None Of Your Doing (2:48)

 

(Visited 259 times, 1 visits today)

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

1 × fünf =