Tramline Band

Tramline (Band)

Bei Tramline tummeln sich einige Musiker, die auch den Besuchern dieses Blog vielleicht schon aufgefallen sind. Wer sich auf den Spuren von Micky Moody, Back Door, SNAFU, und im weitesten Sinn Free, und hier Paul Rodgers, bewegt, der kommt an Tramline nicht vorbei.

Gründer von Tramline war der Sänger John McCoy. Er wollte mit den besten Musikern der damaligen Zeit Platten aufnehmen. Zu diesen “besten” Musikern gehörte Terry Popple am Schlagzeug, Micky Moody an der Gitarre und Terry Sidgwick am Bass.

Micky Moody und Paul Rodgers waren von klein auf Schulfreunde. Mit 13 Jahren beschlossen sie eine Band zu gründen. 1963 wurde Pots & Pans gegründet. Mit 14 Jahren schlossen sie sich den Road Runners an, eine Band aus ihrer Heimatstadt Middlesbrough in Yorkshire. Durch regelmäßige Auftritte machten sich die Road Runner bekannt und hatten nach zwei Jahren ihre eigene Fangemeinde. 1967 verließen sie Middlesbrough und zogen nach London um. In London wurde aus den Road Runners die Wild Flowers. In London lernten sie andere Bands kennen. Bisher coverten sie The Beatles, The Kinks und so weiter, die Bands in ihrem Bekanntenkreis hatten sich dem Blues verschrieben, das färbte ab.

Micky Moody wollte klassische Gitarre spielen und das passte weder zum Blues noch zu den Wild Flowers, er floh aus London, so beschreibt er es selber, und ging zurück in seine Heimatstadt. Paul Rodgers blieb in London und gründete Free, die Plattenfirma war Island Records. Obwohl Micky Moody später auch Alben für Island Records aufnehmen sollte, es kam nie wieder zu einer Begegnung der beiden.

In Middlesbrough traf Micky Moody einen alten Schulfreund Eugene McCoy. Bruder von Eugene war John McCoy, Boss einer eigenen Band, die John McCoy’s Crwawdaddys. John McCoy war mit Long John Baldry befreundet und hatte sich mit seiner Band bereits einen Namen gemacht. 1968 nannten sie sich kurzzeitig The Real McCoy’s, als John McCoy beschloss etwas Neues zu machen. John McCoy war bekannt mit Chris Blackwell von Island Records, dem er die später sehr erfolgreichen Claire Hamill vermittelte. Die neue Band sollte nach Blackwell „Down Home Blues“ spielen. John McCoy überredete Micky Moody die akustische Gitarre in die Ecke zu stellen und die elektrische auszupacken. Für 25 Pfund die Woche war das für den 17 jährigen Micky Moody kein Problem. Zusammen mit John McCoy, Terry Popple und Terry Sidgwick, die letzten beide spielten bereits in den Bands von John McCoy, nannten sie sich Tramline. In den Morgan Studios in Willesden, London, entstand das Album „Somewhere Down The Line“.

Mike Absalom brachte Micky Moody das Spielen auf der Slidegitarre bei und bei dem zweiten Song auf dem Album „National Blues“ zeigte er was er gelernt hatte. Die Slidegitarre wurde später ein Markenzeichen von Moody. Bruce Thomas, ein ehemaliges Mitglied der Road Runners und späterer Bassist von Elvis Costello, übernahm bei dem Song den Stehbass. Micky Moody meinte zu „National Blues“, die Band hätte wie eine Band von 60 Jahre alten Schwarzen aus Mississippi geklungen und nicht die von 17 Jahre alten Weißen aus Yorkshire. Wenn man sich dieses erste Album anhört, es trieft vor Blues.

Am Mischpult von „Somewhere Down The Line“ saß der jüngere Bruder des bekannteren Glyn Johns, Andy Johns. Der Produzent Chris Blackwell wollte nicht nur Blues auf dem Album, so kam auch „Rock ‚n‘ Roll Woman“ von Stephen Stills auf das Album.

Mazurka“ war eine andere Ausnahme. Inspiriert durch das damals populäre „Peter And The Wolf“ wollte Micky Moody mit seiner klassischen Ausbildung glänzen. Es sollte auch ein Experiment werden, Schlagzeug und E-Gitarre. Wie er später selber schreibt, er vergriff sich einige Male beim Spielen. Als Andy Johns ihn nach der Aufnahme darauf ansprach, meinte Moody nur: „Es ist alles richtig, ich mache keine Fehler!“  Keiner glaubte es ihm, aber der Song kam so wie er war auf die Platte!

Nach ein paar Gigs verließ Terry Sidgwick Tramline aus familiären Gründen und wurde ersetzt durch Colin Hodgkinson. Colin Hodgkinson kam von Back Door. Eigentlich wollte man Ron Aspery der ebenfalls bei Back Door spielte, Hodgkinson war praktisch eine nützliche Zugabe. Mit Saxophon und neuem Bassisten wurde das zweite Album „Moves Of Vegetable Centuries“ aufgenommen. Was der Titel bedeutet und woher er kam, keiner der Beteiligten konnte es später sagen. Der Produzent war diesmal Guy Stevens. Nach Micky Moody war das zweite Album das, was Tramline musikalisch eigentlich machen wollte. Er bezeichnet das erste Album „naiv“. Beim Anhören spürt man das deutlich. „Somewhere Down The Line“ ist im Grunde ein Bluesalbum, zwar mit einigen Ideen, aber gegenüber dem was auf „Moves Of Vegetable Centuries“ doch etwas „solide“. Ich persönlich mag das erste Album genauso wie „Moves Of Vegetable Centuries“. Das zweite Album ist immer noch bluesig, aber hier wird mehr gerockt und improvisiert. Schuld daran haben vorwiegend Colin Hodgkinson und Ron Aspery. Man höre sich die beiden Songs von über 6 Minuten an, „Grunt“ und „Sweet Mary“. Auch auf „Moves Of Vegetable Centuries“ sind Klassiker des Blues vertreten.

Ausgekoppelt wurde als Single „Pearly Queen“. Die Bandmitglieder von Tramline waren durchweg Fans von Traffic. Man wollte den Song etwas aufmotzen und vor allem die Gitarre von Micky Moody in den Vordergrund bringen. Auf dem Album sind bei einigen Songs Gäste zu hören. Ron Asprey wollte einen zweiten Saxophonisten, Iss Mate, und Guy Stevens einen Klavierspieler mit Namen Norman, auf dem Album.

Als Vorschuss für das Album bekamen Tramline satte 100 Pfund!

Tramline hatte nicht den großen Erfolg und die Alben wurden keine Verkaufsschlager. Nach dem zweiten Album war daher Schluss. Micky Moody ging nach Tramline zu Zoot Money und The Mike Cotton Sound. Die nächsten Stationen sollten bekannt sein. Guy Stevens nahm Alben mit Mott The Hoople auf und produzierte „London Calling“ von The ClashColin Hodgkinson und Ron Asprey machten mit Back Door weiter und nahmen 1971 ihr erstes Album auf. John McCoy, nicht zu verwechseln mit dem Bassisten der Ian Gillan Band, übernahm das Management von Claire Hamill und später das von Chris ReaTerry Popple schloss sich der Band McPhee an und gründete später mit Micky Moody SNAFU.

Tramline ‎– Somewhere Down The Line (1968)

Tramline ‎– Somewhere Down The Line

Die Songs:

Harpoon Man
National Blues
Sorry Sorry
Look Over Yonder Wall
Rock And Roll Woman
Somewhere Down The Line
Mazurka
Statesborough Blues
Killing Floor

Tramline ‎– Moves Of Vegetable Centuries (1969)

Tramline ‎– Moves Of Vegetable Centuries

Die Songs:

Pearly Queen
Sweet Satisfaction
You Better Run
Grunt
Sweet Mary
I Wish You Would
Goodmorning Little Schoolgirl
Harriet’s Underground Railway

 

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Ein Kommentar

  1. Die britischen Tramline sind wieder einmal ein gutes Beispiel für die absolute Notwendigkeit von RZ. Selbst Fachkundige die sich für die Zeit der 60/70iger interessieren und gut informiert sind, kennen diese kurzlebige Band nicht. Auch in den einschlägigen führenden digitalen Plattformen oder gedruckten Lexikon-Bibeln (Fischer, rororo, etc.) findet man nichts über diese Formation. Also wenn dann nicht die Vermächtnis-Verwalter des RZ alles sammeln und strukturiert VÖ, wer dann ?? Schöner und informativer Beitrag, habe ihn sehr genossen und eine Menge an Infos dazu bekommen. Kingende Grüsse, Der SchoTTe

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