Saxon – Schenker Group – Spandau Ballet: EMI 8

Schatzkisten: Saxon – Michael Schenker Group – Spandau Ballet

EMI hatte in der Zeit von 2010 bis 2015 im Bereich Bündelung von Original-Alben als Pakete (Klein-Budget-Serien) von drei bis sechs CD’s die Preis-Leistung-Referenzqualität !! Es gab auch die CD-Boxen »Original Album Serie« (Warner, 5CD) und »Original Album Classics« (Sony/BMG, 3CD oder 5CD) im Platz sparenden Papp-Schuber. Da waren die einzelnen Original-Alben (je CD ein Album) in einfachen Papp-Taschen (Cardboard-Sleeve), Mini-LP-Hüllen im Replica-Design und ohne Booklet und weitere Informationen sowie meist aber auch ohne Bonus-Titel und aktuelles Re-Mastering. Für Liebhaber die fast lückenlos die Entwicklung der Geschichte oder Teil-Geschichte der/des Künstler/s mittels Alben und Bonus-Material verfolgen möchten, bot EMI damals die preiswerteste Alternative zu den teils nicht mehr verfügbaren und/oder teuren Einzel-Alben/Singles. Auch wenn man den Output eines Künstlers beziehungsweise Band sowie eines Labels (Charisma, Decca, Harvest, Island, Motown, Vertigo, Virgin) auf zwei Boxen verteilt hatte, wie beispielsweise Groundhogs, Gentle Giant, Steeleye Span, Robin Trower, Tangerine Dream oder UFO, die Quantität und Qualität bleibt immer gleichbleibend hoch. Bei den Label-Übersichten von Island und Virgin sind die sechs verschiedenen 3CD-Boxen sogar nach Zeit und/oder Thema gegliedert. Leider sind heute viele Ausgaben nur noch auf dem Gebraucht-Markt zu haben, man muss geduldig suchen, aber es lohnt sich sehr, fast immer. Es gab noch eine zweite parallele Serie von EMI Classics, mit zwei Dutzend dicken Paketen der EMI-Künstler der 50iger und 60iger. Hier werden in ähnliche Ausstattung beispielsweise Helden wie Shirley Bassey, Donovan, Hermans Hermits, Hollies oder Shadows umfassend vorgestellt. Wieder mal kann der Schatz-Jäger über einen kleinen Erfolg berichten, gebraucht gesucht und jetzt für SchoTTische knapp einstellige Anzahl von Euronen die »Do You Want To Know A Secret – EMI Years 1963-1983« von Billy J. Kramer & The Dakotas eingesammelt. Also weiter suchen lohnt sich sehr, immer schön AUGEN AUF !!!

Leider zahlt der Käufer heute eh fast nur noch Logistik und Vertrieb. So kommt es, dass man beispielsweise wie bei Peter Tosh, alle sechs Studioalben, plus Bonus-Titel, plus komplettes unveröffentlichtes Live-Konzert, alles 2012-Remastered, plus tolles informatives Booklet in 6-CD-Box für damals um die SchoTTischen 10 Euro bekommen konnte und im anderen Fall reinfällt mit einem Einzel-Album im vermeintlich wertigeren Digi-Pak ohne Bonus oder Mehrwert für den gleichen oder höheren Betrag. Nachfolgend stelle ich hier in Teil 5 der Serie nun wieder weitere fünf interessante dicke Dinger vor. Weitere Beiträge folgen. Also noch einmal: IMMER AUGEN AUF !!!

The Carrere Years 1979-1984

Die britische Band Saxon zählt, neben Iron Maiden und Def Leppard, zur ersten Garde der unter dem Terminus New Wave Of British Heavy Metal (NWOBHM) zusammengefassten Welle von Bands, die der Welt der harten Rock-Musik seit der Jahrzehntwende von den 70er zu den 80er und immer wiederkehrend frische Impulse und neue Hymnen bescherte. Die auch immer wieder auf den einschlägigen deutschen Metall-Bühnen aufspielende Formation um den Sänger Biff Byford hat es dabei seit ihrem selbstbetitelten Debüt von 1979 auf eine rund zwei Dutzend Studio- und Live-Alben enthaltende Diskographie gebracht, deren weitaus größter Teil (inzwischen) zum EMI-Katalog zählen. So wie etwa auch die insgesamt sieben Alben die Saxon zwischen 1979 und 1984 für das französische Carrere Label aufgenommen hat und die 2012 in kompakter Form in dem 4CD-Multipack-Case »The Carrere Years 1979-1984« erneut aufgelegt wurden. Die Briten haben quasi jedes Jahr, 1980 sogar zweimal ein Album herausgebracht. Das war in den 70er ja auch nicht so unüblich, heutzutage aber fast undenkbar. Da die LP’s damals aus klangtechnischen Gründen auf eine Spielzeit von circa 45 Minuten limitiert waren, konnte man nun dies alles auf nur vier Silberlinge unterbringen, wenn auch etwas eigenwillig sortiert. Leider sind die Bonustitel der limitierten Einzel-Editionen von 2009, welche meist aus BBC Sessions, alternativen Mixen oder einer Single-B-Seite bestanden, leider nicht alle mit auf diese schöne Box gekommen. Aber immerhin haben es insgesamt fünf Bonustitel auf dieses Paket geschafft. Die 2009 auch klanglich überarbeiteten sechs Studio-Alben »Saxon« (1979), »Wheels Of Steel« (1980), »Strong Arm Of The Law« (1980), »Denim And Leather« (1981), »Power & The Glory« (1983), »Crusader« (1984) und der 82er-Live-Klassiker »The Eagle Has Landed« wurden dabei zusätzlich mit einigem passenden Bonus-Material ausgestattet, vor allem Live aufgezeichnete Single-B-Seiten. Überzeugen kann auch wieder mal das Booklet, mit kurzen Interviews mit Sänger Biff Byford, Graham Oliver (Gitarren) und Steve Dawson (Bass) zu jedem Album. Jeder der diese Original-Alben noch nicht besitzt und sich mit dem frühen Schaffen von Saxon auseinandersetzten möchte sollte sich dieses klanglich aufgewertete 4CD-Box zulegen.

The EMI Years 1985-1988

Innerhalb kürzester Zeit erschien dann auch die zweite preisgünstige Box der britischen NWOBHM-Legende Saxon. Die zweite Box »The EMI Years 1985-1988« (2012) enthält drei relativ kommerzielle um viele Bonustracks erweiterte EMI-Studio-Alben in der 2010er Neuauflage und ein Live Album. Das Booklet ist wir beim Teil 1 mit Bildern und Interview-Fragmenten der Musiker Biff Byford, Gitarrist Graham Oliver und Basser Steve Dawson gespickt. Ebenso findet man auch hier alle Original-Cover in kleinerem Format auf der Rückseite. Das treffend betitelte Saxon Album »Innocence Is No Excuse« markierte 1985 den Einstieg in kommerziellere Bereiche, was auch das Eva-Cover mit dem grünen Apfel beweist! Musikalisch schielten die Truppe um Biff Byford deutlich mehr auf den nordamerikanischen Markt. Es wird gut und hart gerockt, aber manchmal wirkt es auch alles etwas überproduziert, das Raue und Ungeschliffene der Anfangstage ist etwas in den Hintergrund getreten. Zehn harte Rocktitel von denen heute vielleicht noch »Rock´n´Roll Gypsie« und die schöne Halb-Ballade »Broken Heroes« bekannt sein könnten. Das Album ist aber insgesamt besser als das »Destiny« (1988) und hat sicherlich noch etwas mehr aus den Anfangstagen gerettet. Sieben Bonusstücke, einige Mixe, ein Live-Medley bekannter Stücke, sowie die guten B-Seiten »Live Fast, Die Young« und »Krakatoa«, alles richtig guter, zeitloser Saxon-Stoff. Die zweite CD »Live At Hammersmith Odeon« ist bis auf den ersten Song »Back On The Streets« bisher unveröffentlicht, authentisch aufgenommen von der BBC am 18. September 1985. Ausgestrahlt als BBC Radio 1, Tommy Vance’s Friday Rock Show. Auch das zweite Album des Pakets, »Rock The Nations« (1986) auf Disk 3, ist auf gutem Niveau. Gleich zu Beginn der Titelsong und »We Came Here To Rock« haben schon Ohrwurm-Charakter. Biff Byford charismatische Stimme prägt wie gewohnt die neun Songs des Albums. Die zweite Hälfte des Albums ist für Saxon-Fans etwas gewöhnungsbedürftigere Mucke, denn bei den Kompositionen »Party Til You Puke« und »Northern Lady« unterstützt sogar Brillensammler Sir Elton John am Klavier. Das Beipack aus fünf Bonustiteln sind die beiden 1986 veröffentlichten Singles, davon zwei rare Livetitel von einem Rock Festival in Madrid. Aber was war denn 1988 mit Saxon los. Bei »Destiny«, das schwächste Album dieser 4CD-Box, spürt man deutlich das diese Metal-Band nach neuen Wegen und Ausdruckmöglichkeiten suchte. Aber weichgespülte, von Keyboards geprägte AOR Musik konnten damals andere Gruppen viel besser. Es passte einfach nicht zu der Vorarbeit seit 1979, das abschließende »Red Alert« erinnert am ehesten an die wahren Saxon. Nicht falsch verstehen, ein durchschnittliches Werk, handwerklich gut sowie optimal produziert. Aber vielleicht wollte das der geneigte Fan der Angel-Sachsen nicht !! Diesmal gibt es vier Stücke zusätzlich, eine alternative Maxi-Version von I »Can’t Wait Anymore«, drei Livetitel, einmal Hammersmith und zweimal Madrid. Das Booklet ist ähnlich aufgebaut wie beim Teil eins, die Linernotes stammen von Jerry Ewing (Metal Hammer). Insgesamt wieder eine lohnenswerte Sache für Fans von Saxon, besonders was Preis und Spielzeit betraf !!

The Complete Albums 1979-88

Die ultimative Box von Saxon ist aber das 10CD-Paket »The Complete Albums 1979-1988« (2014). Hier sind alle 10 Alben, vom Debüt »Saxon« (1979) bis zum schwächeren »Destiny« (1988), in den 2009 überarbeiteten und mit massig Boni aufgerüsteten Versionen gebündelt. Vorteil: Viele Bonustitel und je CD nur ein Album. Nachteil: Kein Booklet und die CD »Live At Hammersmith Odeon« fehlt. Da muss nun jeder selbst überlegen, was ist die ultimative Version. Für mich klar die schoTTischen beiden Einzel-Boxen aus 2012. Fette elf Alben, alles 2009 überarbeitet, fast alle Bonustitel an Bord, zwei Booklets, alles zum Schnäppchenpreis !!

Chrysalis Years 1980-1984

Das deutsche Gitarren-Wunderkind Baujahr 1955 stieg nach Gastspielen bei The Enervates, Cry, Cry Express und Copernicus noch in jungen Jahren bei der Hannoveraner Band seines Bruders Rudolf Schenker ein. Er war dann mit ihm und Klaus Meine ab 1969 bei den Scorpions am Musizieren und an deren Debüt »Lonesome Crow« (1972) beteiligt. Ein phänomenales Album der jungen deutschen Krautrock-Szene. Bei einem gemeinsamen Auftritt mit der britischen Legende UFO wurde Michael Schenker direkt von den Briten abgeworben und stieg 1973 als gerade mal 18-jähriger Jungspund bei der englischen Hard-Rock-Truppe ein. Die hatten gerade ihre Space-Rock-Phase hinter sich und schielten mit charttauglicheren harten Rock auf die Hitlisten dieser Welt. Nach sieben erfolgreichen Alben für Chrysalis und damit auch die erfolgreichste Phase von UFO, gab er 1979 dort seinen Abschied. Danach noch einmal ein kurzes Gastspiel auf dem Scorpions-Klassiker »Lovedrive«, ebenso ein sehr starkes Album, bevor er 1980 die erste eigene Band ins Leben rief. Diesmal kompromisslos nach ihm selbst benannt, damit von vornherein sonnenklar war um wen es hier geht und keine Verwirrungen über die kreative Kraft in der Gruppe zulässt. Die Michael Schenker Group nahm in den folgenden fünf Jahren ein halbes Dutzend Alben für eben das Chrysalis Label auf, vier druckvolle Studio-Scheiben und 2 Live-Alben, die jetzt alle zusammen samt einiger weiterer Bonus-Zugaben in einem 5CD-Package mit dem schlichten Titel »The Chrysalis Years 1980-1984« (2012) vereint sind. Vom selbstbetitelten Debüt, über »MSG« und »Assault Attack«, bis zu »Built To Destroy«. Neben seinen unglaublichen Saitenkünsten sowie den illustren Sängern (Gary Barden, Graham Bonnet) und Helfern (unter anderem Don Airey, Chris Glen, Simon Phillips, Cozy Powell, Paul Raymond, Ted McKenna) ist es vor allem das explosive Live-Material, die seine Zuhörerschaft bis heute begeistern. Hier zum einen der Klassiker »One Night At Budokan« (1981) mit fast allen Titeln der ersten beiden Studio-Alben sowie mit dem UFO-Cover »Doctor, Doctor«. Zum anderen das im Londoner Hammersmith Odeon aufgenommene »Rock Will Never Die« von der 83er Tour. Darüber hinaus gibt es auf CD1 schließlich auch noch sechs frühe und bisher unveröffentlichte Live-Tracks, die während der ersten UK-Tour der Band im Manchester Apollo aufgezeichnet wurden. Auch hier findet man alle Original-Cover in kleinerem Format auf der Rückseite.

Spandau Ballet: Reformation

Jetzt kommen wir zu einer 3CD-Box, die als Versuchsballon bereits 2002 erschienen ist. Ähnliches gibt es auch von Duran Duran mit der Box The Singles 1981-1985 (2009). Bei beiden Veröffentlichungen wurden auch die damals Anfang der 80er so beliebten Vinyl-Maxis auf schnöden Silberscheiben wieder an die Lauscher der Hörer gebracht. Die Formation Spandau Ballet, zur Namensgebung gibt es verschiedene skurrile Geschichten, war eine der Speerspitzen der New-Romantic-Bewegung vom Beginn der 80er. Zwischen »Journeys To Glory« (1981) und »Heart Like A Sky« (1989) liegen noch weitere vier Alben, die Mega-Hits wie »Gold«, »True«, »Communication«, »Only When You Leave«, »Through The Barricades« oder »Fight For Ourselves« mischten weltweit die Charts gehörig auf. Mit »Reformation«, so hieß auch das bandeigene Label, wurde eine sehr spannende Zusammenstellung veröffentlicht, interessant vor allem, weil sie mit zahlreichen Raritäten aufwartete. Diverse damals bereits längst vergriffene Maxi-Mixe ihrer großen Hits, Demo-Aufnahmen, ein von Bandmitglied Gary Kemp (Bass) neu angefertigter Remix vom Mega-Hit »True«, zwei Live-Stücke von 1984 aus der Wembley Arena sowie ein 10 Titel umfassendes Live-Konzert aus dem Sadlers Wells vom 01. Mai 1983 machten diese Box zu einem Muss für die Fans und 80er-Interessierte. Das Konzert gab es allerdings auch als Video unter dem Namen »Spandau Ballet: Live Over Britain«. Auch das Booklet ist wie immer in diesem Format ein zusätzliches Bonbon. Diese Band hatte mit »Once Again« (2009) einen zweiten Anlauf. Wer noch tiefer und visueller in die Welt von Spandau Ballet eintauchen möchte dem empfehle ich »Soul Boys Of The Western World«, als limitierte Box mit drei DVD oder BR: 1. »Spandau Ballet: The Film«, 2. Bonus mit Photoshoot, Interviews, »Live At The Underground Club« (05-1981), 3. »Isle Of Wight Festival« (06-2010).

Spandau Ballet: Promo_1 (Westfalenhalle 1984)

Spandau Ballet: Promo_2 (Westfalenhalle 1984)

Weiterlesen RZ: CD/DVD Boxen EMI – Klingende und friedliche Grüsse, Der SchoTTe

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