Marshall Hain

Nein, keine Bildungslücke, auch wenn man sich in der Geschichte der populären Musik auskennt ist es absolut verständlich wenn es bei der Nennung von Marshall Hain tausend Fragezeichen regnet.

Marshall Hain waren ein britisches Pop-Duo bestehend aus dem Keyboarder und Sänger Julian Marshall und der Sängerin und Bassistin Kit Hain. Die beiden hatten sich schon während ihrer Schulzeit in Devon kennengelernt und da beide songschreiberisches Talent besassen und dieselbe musikalische Richtung anstrebten, wurde 1976 eine Zusammenarbeit beschlossen. 1978 produzierten sie mit Free Ride ihre einzige LP die bei Harvest Records erschien. Ein äusserst gelungener Ritt durch alle möglichen Winkel der Popmusik, bei „Different Point“ funky und fusionlike, in „Real Satisfaction“ mit karibischem Flair und Vibraphon, bei „Back To The Green“ mit grossem orchestralem Schöpfgerät und in „Mrs. The Train“ sogar richtig rockend.


Die Albumauskopplung „Dancing In The City“ wurde ein Hit und bescherte dem Duo einen Auftritt bei der niederländischen TV-Sendung TopPop, in Deutschland konnten sie den Titel in der Disco von Ilja Richter unterbringen. Nur auf der Insel passte offenbar das Timing nicht, Top Of The Pops liess zu dem Song vor der Kamera das hauseigene Tanzensemble Legs & Co die Hüften und anderes schwingen. Die Single schaffte in Germany Platz 1, in England Platz 3, in Australien hielt sich „Dancing In The City“ 24 Wochen in den Charts. „Coming Home“ erging es trotz ausgedehnter Promo-Tour nicht so gut, der wunderbaren Softtone-Ballade die mit Fretless-Bass und der glasklaren Stimme von Kit aufwarten konnte, schaffte keine hohen Charts-Platzierungen. Offenbar hatte auch niemand Gehör für die Langspielplatte Free Ride die in Übersee mit anderem Cover als Dancing In The City in den Regalen stand, die vorzügliche, hochkarätige und abwechslungsreiche Songsammlung verkaufte sich schlecht.

Julian Marshall wurde es bald zuviel mit dem Erfolgsruck und schon waren Marshall Hain Geschichte. Er tauchte bei den New Wavern Flying Lizards nochmals auf und später mit dem Projekt Eye To Eye.

Kit Hain versuchte es zunächst als Soloartistin und übersiedelte 1985 in die USA. Als Interpretin ihres eigenen Materials blieb sie eher unbekannt, als Songlieferantin (durchaus auf Augenhöhe mit Claire Hamill und Carole King) für andere hingegen machte sie Karriere, ihre Songs wurden unter anderem von Roger Daltrey, Cher, Fleetwood Mac, Heart und Annie Haslam aufgenommen.

LONG LIVE GOOD POP MUSIC!
mellow


Marshall Hain – Free Ride
(LP, 1978, Harvest / CD, 2011, Cherry Red)
1. Different Point
2. Dancing In The City
3. You Two
4. Real Satisfaction
5. Coming Home
6. Take My Rumber
7. Free Ride
8. Take My Number
9. Mrs. The Train
10. Back To The Green
Bonustracks:
11. Dancing In The City – Summer City 87
12. Dancing In The City – Summer City 87 Instrumental Dub

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Ein Kommentar

  1. MARSHALL HAIN erinnern mich ein bisschen an ein Paar aus den späten 80ern namens ANYTHING BUT THE GIRL. Ganz kurz trafen sie auch mal den Zeitgeist und hatten einen riesen Hit, aber ihr Sound war nie so ganz kompatibel An die Klasse von ANYTHING BUT THE GIRL kommen MARSHALL HAIN zwar nicht ran, aber ihr traumhaft schönes DANCING IN THE CITY ist einer meiner All-Time-Favourite-Hits (kann man auch heute noch problemlos hören – absolut zeitlos) – und das von Mellow beschriebene COMING HOME ist auch wunderschön. Rockzirkus muss nicht immer ROCK sein – eine schöne Erinnerung. Gruß – Ronald;-)

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