Barrelhouse Jazzband -You Are Drivin‘ Me Crazy

Barrelhouse Jazzband von 1974 – 1976

Es war eine Unterhaltung über “Whats App”: was kann man mit einem Banjo alles anfangen? Mir fiel sofort „Dixie“ ein, meinem Chatpartner „Bluegrass“. Wir schicken uns gegenseitig ein paar Links mit Hörbeispielen. Alles nicht schlecht, nur dann ging ich meine Plattensammlung in Gedanken durch und blieb bei der Barrelhouse Jazzband hängen. Drei Alben in Vinyl stehen in der Sammlung: You Are Driving Me Crazy, Barrelhouse Jazzband & Angi Domdey und Travilin‘ Blues.

Die Barrelhouse Jazzband pflegt den so genannten traditionellen oder Hot Jazz oder auch Dixieland Jazz (letzteres streitet die Band vehement ab!), so wie man ihn Anfang der 1920er Jahre in New Orleans erfand und auch heute noch spielt. Die Barrelhouse Jazzband hält sich zwar an die Tradition, machte aber auch Experimente mit dem Free Jazz. Auf diesen drei Alben bleiben sie traditionell. Es sind keine Platten die man im Hintergrund hören kann, für Fahrstühle und Kaufhäuser vollkommen ungeeignet.

Angi Domdey gehörte der Band von 1966 bis 1976 an. Als Vorbilder nannte sie Bessie Smith, Rosetta Thorpe und Aretha Franklin, aber auch Big Bill Broonzy und J.B. Lenoir. Die Barrelhouse Jazzband besuchte 1968 Jahre New Orleans und gab einige Konzerte. Was die Band damals in den Kneipen New Orleans hörte beeinflusste ihre Musik und sie änderten ihren Stil. Die Band beschreibt ihren Stil als frühen Swing, der Blues einer Bessie Smith oder Janis Joplin und eines Lou Rawls. Was sie nicht spielen, das ist Dixieland! Es fehle jedweder Einfluss des klassischen Dixielandstiles und auch die oberflächliche Heiterkeit. Sie nennen ihren Stil „Hot Jazz“.

Die Barrelhouse Jazzband ist die älteste Jazzband Deutschlands, wenn nicht sogar die älteste weltweit! Gegründet 1953 feiert sie in diesem Jahr den 65. Geburtstag. Die drei Platten entstanden in den Jahren 1974, 1975 und 1976. Wer sich näher mit der Band beschäftigen möchte: zu Website – Barrelhouse Jazzband.

Die Band zur Zeit der 3 Alben:

Reimer von Essen: cl., as, b, ld, arr
Frank Selten: as, ts, ss
Horst Schwarz: tp., voc.
Herbert Bohn: Banjo
Werner Knodel: p
Mathias Achenbach: b., g.
Hans Georg Klauer: drums
Angi Domdey: voc.

Barrelhouse Jazzband & Angi Domdey

Barrelhouse Jazzband & Angi Domdey

Den Anfang macht das 1974 aufgenommene „Barrelhouse Jazzband & Angi Domdey“ Aufgenommen vom 07. bis 29. Mai 1974 bei diversen Konzerten und in einem mobilen Studio. Die Songs werden im Begleittext ausführlich beschrieben. Heute liest sich das etwas seltsam wenn zum Beispiel von einem modernen Ghetto-Blues geschrieben wird, gemeint ist „Tobacco Road“. Die Songs sind Standards der Barrelhouse Jazzband und wurden bei den meisten ihrer Konzerte gespielt. Es sind Songs komponiert von Angi Domdey, der Band und auch Coversongs von Bessie Smith, Rosetta Thorpe und anderen.

Die Songs:

Rebecca
Sweet Sue
Weepin’ Willo Blues
Walkin’ To Jerusalem
Tobacco Road
Perdido Street Stomp
Weary Blues
Stardust
Poor Man Blues
That Milky White Way
By And Bye

Barrelhouse Jazzband & Angi Domdey – Travellin‘ Blues

Barrelhouse Jazzband & Angi Domdey – Travellin‘ Blues

„Barrelhouse Jazzband & Angi Domdey – Travellin‘ Blues“ widmet sich dem Blues, sagt ja schon der Titel. Das bedeutet nicht, auf der Platte sind nur tieftraurige Gesänge zu hören! Es geht manchmal ganz schön ab, aber eben nur manchmal. Die Songs kennt man beinahe alle „Nobody Knows You When You‘re Down And Out” wird bereits seit seinem Erscheinen 1927 unzählige Male gecovert, auch von Herrn Eric Clapton! Diese Version von einer der besten Blues/Jazzsängerinnen Deutschlands Angi Domdey interpretiert geht mir zumindest unter die Haut und gehört zu den schönsten Versionen die ich kenne. Der Höhepunkt des Albums ist „Moan You Mourners“. Hier swingt die Band und Angi Domdey zeigt, sie ist keine Moaner! Im letzten Song des Albums, der „Ozark Mountain Blues“ zeigt der Schlagzeuger Hans Georg Klauer, auch im Jazz wird kräftig getrommelt.

Die Songs:

Twenty Years
Caledonia
Nobody Knows You When You’re Down And Out
Zonky
Really The Blues
Moan You Mourners
Travellin’ Blues
Ozark Mountain Blues

Barrelhouse Jazzband -You Are Drivin‘ Me Crazy

Barrelhouse Jazzband -You Are Drivin‘ Me Crazy

“You Are Drivin‘ Me Crazy” wurde 1976 ohne Angi Domdey aufgenommen. Es ist der gleiche Stil wie auf den anderen beiden Alben., vielleicht eine Idee mehr Swing. Wer die Platte besitzt kann eine nette Unterhaltung zwischen dem Produzenten Peter Hauke und der Band nachlesen und mitverfolgen wie ihn die Band verrückt macht – „You Are Drivin‘ Me Crazy“. Peter Hauke produzierte nicht nur die Barrelhouse Jazzband, er war auch für Krokodil, Nektar, Jeronimo, Karthago und dutzende andere Bands tätig! Wer sich mit Krautrock auskennt, müsste eigentlich den Namen Peter Hauke kennen. Herbert Bohn wurde am Banjo durch Bernd K. Otto ersetzt. Die Umbesetzung hat allerdings kaum Einfluss auf das Album und die Qualität der Band. 😊
Mir allerdings fehle Angi und das Interesse ließ nach.

Die Songs:

You Are Driving Me Crazy
Heebies Jeebies
Egyptian Fanatsy
I’ve Got To Be A Rugcutter
I’ll Be Glad When You’re Dead You Rascal You
Barrelhouse Boogie
Jeepers Creepers
Pontchartrain Blues
Old Man Moses

Während dieser Beitrag geschrieben wurde, liefen die Alben im Hintergrund durch. Es waren Jahre seit der letzten Anhörung vergangen und es war wieder Zeit das nachzuholen! Puristische Rocker werden verächtlich Schnauben, was für ein Schei…. und was hat das mit dem Rockzirkus zu tun? Ohne diese Art von Jazz, ohne Banjo und ohne das New Orleans Anfang des 20. Jahrhunderts gäbe es keine Rockmusik! Man sollte auch einmal neugierig sein zurück zu den Wurzeln der Musik gehen die man so liebt. Die Barrelhouse Jazzband ist ein würdiger Vertreter des von ihnen genannten „Hot Jazz“.

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