Krüger Brothers – Appalachian Concerto (2011)

Wer weiss, vielleicht liegt das meinen Vorfahren, diese Beharrlichkeit beim Pflügen. Meine Ahnen beackerten richtige Felder, vor langer Zeit, als man noch Ochsen einspannte und das Langholz, gezogen von Pferden, in abenteuerlichen Fahrten in die Sägereien geliefert wurde. Oft lag der Holzverarbeiter mitten in der Stadt, und auf dem Nachhauseweg machten sich manchmal die Gäule selbständig, wollten endlich zurück in ihren Stall, hauten ab samt Wagen und angezogener Bremse, immer dann wenn sie Warterei vor der Kneipe satt hatten… naja, das besagen jedenfalls überlieferte Familienlegenden…

Die Scholle die ich bevorzugt bearbeite ist mittlerweile virtuell.

Mein Pflug ist ein PC, meine Wiese das Web, die Ernte glückselig machende Musik, die Freude der Feldbestellung scheint sich aber irgendwie vererbt zu haben. Furchen in den Boden ziehen, säen, beobachten wie die Pflanzen heranwachsen und hernach die Ernte einfahren. Und wenn ich dann am Feierabend bei einem Becher Most sitze und sowas wie das eben gepflückte Appalachian Concerto der Krüger Brothers geniesse, dann spüre ich, dass sich die ganze Plackerei nach immer neuem Ohrenfutter wieder einmal gelohnt hat.

Vielleicht liegt es an einer vergleichbaren Gegend, der hügeligen, von Wäldern überzogenen Landschaft, da ähneln sich die Appalachen und meine Highlands.

Oder ist es die Besetzung dieses Concerto? Schlicht, bescheiden, einfach, überschaubar, bloss mit Banjo, Gitarre, Bass und String Quartet dargeboten? Hmmmh… oder weil die Krügers nach USA emigrierte Schweizer sind?

Nein, ich glaube es liegt mal an meinem Hang zur Romantik.

Ich mag Kammerorchester, Cello und Violine und bekomme hier einen Korb voll erstklassiger Ware. Und ich liebe Jens Krügers Banjozupferei, diesen ganzen berauschenden, fusionartigen Ausflug in die Klassik den er mit Folklore aus der alten und der neuen Welt garniert hat. Das Appalachian Concerto ist wie der Duft von frischem Apfelkuchen, gebacken nach Omas uraltem Rezept, herrlich erfrischend, eine Erinnerung an eine längst verloren gegangene Epoche. Mir bleibt nichts anderes übrig als inne zuhalten und zu verschnaufen. Und dann lüfte ich ehrfürchtig und freundlich meinen Strohhut zum Gruss…

LONG LIVE BLUEGRASS MUSIC!
mellow


Krüger Brothers – Appalachian Concerto (2011, Double Time Music)
1st Movement
1. Morning At Deep Gap (2:53)
2. E Pluribus Unum (6:41)
3. Wild Horses (3:01)
2nd Movement
4. As Far As The Eye Can See (4:32)
5. Gone But Not Forgotten (7:24)
3rd Movement
6. The New Country (5:04)

Jens Krüger – Banjo
Uwe Krüger – Guitar
Joel Landsberg – Bass
Kevin Lawrence – 1st Violin
Stephanie Ezerman – 2nd Violin
Sheila Browne – Viola
Alex Ezerman – Cello

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