Catfish Hodge

Zugegeben, Catfish Hodge habe ich rein zufällig entdeckt als ich das Archiv des Detroiter Plattenfirma Westbound auf der Suche nach Soul und Funk durchforstete. Der 1944 in Detroit geborene Gitarrist, Sänger und Songwriter Catfish Hodge (bürgerlicher Name eigentlich Bob Allen Hodge) ist inmitten von Revolutionären wie Funkadelic, Junie und Ohio Players ein eigentlicher Label-Ausreisser da er sich weniger mit Soul, stattdessen ganz heftig mit Blues und Bluesrock beschäftigte.

Seine in den Sixties gegründete Band Catfish war fest in der Motor City verankert, sie spielten unter anderem Anheizer für Bob Seger und Ted Nugent, eröffneten für Black Sabbath als die auf der Durchreise waren und hatten auch mal ein Gastspiel im New Yorker Fillmore East. 1970 erschienen bei EPIC zwei hervorragende, randvolle  Longplayer die den brandheissen, äusserst vielfältigen und manchmal ausufernden Jamrock von Catfish hervorragend dokumentieren.

Vor allem die brandheisse Live-Platte mit dem Catfish-Bruder Dallas Hodge an der Gitarre könnte Bluesrockfans begeistern, ein spannendes Abenteuer im Blues-und Boogiegelände sozusagen, Catfish Hodge lief hier zur Höchstform auf, entpuppte sich als klasse Geschichtenerzähler mit Hang zur Improvisation, etwa bei „Letter To Nixon“. Wer die Musik von Canned Heat mag, dem würde ich zur Horizonterweiterung empfehlen Catfish anzutesten, die Truppe aus Detroit ist aus vergleichbarem Hartholz geschnitzt, mindestens.

Artwork: Anhand des Stils vermute ich, dass die beiden LP-Cover von Catfish vom gleichen Künstler gestaltet wurden der auch die Hülle der EPIC-Veröffentlichung Live Yardbirds Featuring Jimmy Page (1971) zeichnete.

Music: Die restaurierten Catfish-Alben Get Down und Live wurden 2017 von BGO als DoCD veröffentlicht.

Die Band Catfish hielt nicht mehr lange zusammen, der Bandleader setzte sich danach nach London ab um einen Blick auf die dortige Szene zu werfen, bei dem Trip wurde vermutlich auch das Foto mit dem Rolls Royce geschossen das 1972 auf dem Backcover seines ersten Soloalbums Boogieman Gonna Get Ya landete. Der Albumtitel sagt alles, allerdings gab es mit „Different Strokes“, „I’m The Man“ oder „I’ll Be Gone“ durchaus auch funky Titel die zur Marschrichtung seines neuen Labels Eastbound (eine Tochterfirma von Westbound) passten.


Dinosaurs And Alleycats (1974, Eastbound) sondierte neben bewährten Blues- und Boogiemustern wie dem Stampfer „Birmingham“ und einer Version von „Never Tell Your Mother She’s Out Of Tune“ von Jack Bruce auch südliches Sumpfland, sozusagen die musikalische Landschaft vor der Haustüre von Dr. John.

Soap Opera’s (1975) erschien beim Mutterlabel Westbound und deckte bis dahin das breiteste Blues-Spektrum von Catfish Hodge ab. Hier kam auch noch Folk ins aufgefächerte Spiel, zudem griff Bonnie Raitt in die Gitarrensaiten und aus dem tiefen Süden stiess vorgängig erwähnter Mac Rebennack (alias Dr. John) zur Equipe. Der legendäre Sneaky Pete Kleinow bediente die Pedal Steel Guitar und gesangliche Unterstützung gab es von Rosemary Butler, Bassistin und Sängerin von Birtha. Diese Seifenoper ist eine gelungene und stimmungsvolle Angelegenheit, bei der Interpretation von „It’s All Over Now“ kriegt man wirklich das Gefühl man sei im Wohnzimmer von Van Morrison zu Besuch.

Die erwähnten Platten wurden 2014 von ACE Records unter der Bezeichnung Catfish Hodge – Different Strokes – The Complete Eastbound & Westbound Recordings in Form einer DoCD veröffentlicht.

Auch nach dem Gastspiel bei Eastbound/Westbound blieb Catfish Hodge aktiv, allerdings ist es ab 1976 nicht mehr so ganz einfach der musikalischen Spur zu folgen da die meisten seiner Tonträger bei kleinen Plattenfirmen erschienen und demzufolge nicht oder nur schwer zugänglich sind, dem Blues und Bluesrock blieb das Detroiter Urgestein aber offenbar immer treu. Zu Beginn der 80er gab es mal die Formation Catfish Hodge & Chicken Legs (mit Paul Barrere, Richie Hayward und Kenny Gradney von Little Feat) und eine Hodge Brothers Band, bei letzterer war auch wieder Dallas Hodge beteiligt, oft spannte der Catfish auch mit der seelenverwandten Bonnie Raitt zusammen. Die letzten Jahre wurde es allmählich stiller um den Bluesmann Catfish Hodge, es scheint als greife er nur noch selten zur Gitarre.

Weshalb Bobby „Catfish“ Hodge in der Bluesgeschichtsschreibung fast nie auftaucht ist mir auch nach längerer Überlegung noch immer ein Rätsel, denn gerade bei ihm findet man unglaublich gute, vielfältige und authentische Musik mit blauer Färbung. Wie dem auch sei, damit der Catfish nicht ganz vergessen geht verfasse ich diesen Blogeintrag und hoffe, dass dadurch der ein und andere Bluesconnaisseur die Schatulle mit dem musikalischen Catfish-Vermächtnis ebenfalls findet und vielleicht sogar aufschliesst. Der Schlüssel liegt da, man muss ihn nur noch ins Schloss der Truhe einschieben, einmal umdrehen und schon kann der Schatzkisten-Deckel hochgeklappt werden…

LONG LIVE THE BLUES!
mellow

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