Roberta Flack – Killing Me Softly

Roberta Flack – Killing Me Softly

 

Um die Mitte der 70er-Jahre kam man ja nicht an „Killing Me Softly“ und „Jesse“ vorbei. Das lief auf jeder Radiostation gefühlt mehrmals am Tag. Normalerweise schalte ich da geistig ab. Wenn ich den Eindruck bekomme, ich werde mit etwas zwangsgefüttert, dann ist für mich Feierabend und keine Jahrzehnte können mich davon abbringen, einen, an und für sich guten Song, von meiner persönlichen Blacklist zu nehmen und in den ihm zustehenden Status rückzuversetzen. „Killing Me Softly“ wäre normalerweise ein so zu Tode genudelter Track, der einem seit Jahren aus den Ohren rauskommt.

 

Na, eben genau nicht. Ich kanns nicht erklären und will das auch nicht zu Tode sezieren, aber der Song ist immer noch grossartig. Von Dire Straits’ „Sultans Of Swing“ (den ich zur Zeit der Erstveröffentlichung gut fand) krieg ich z.B. heute unterdessen Ausschlag. Zurück zur LP „Killing Me Softly“. Ich habe mich gerade mal wieder etwas im Netz informiert und muss sagen, ich bin doch erstaunt, dass das bereits die fünfte LP-Veröffentlichung der Sängerin/Pianistin/Songschreiberin war. Irgendwie tauchte die Dame hier in Europa (für mich) aus dem Nichts auf und verschwand genaus so schnell wieder. Tatsächlich habe ich erst vor ein paar Monaten einen Beitrag in einer Zeitung gelesen und war überrascht, dass sie noch lebt. Irgendwie hatte ich sie schon im grossen Orchester da oben vermutet. Immerhin ist Frau Flack auch schon Jahrgang 1937.

 

Ich gestehe ausserdem, ich bin beeindruckt ob der schieren Masse an Albenveröffentlichungen während der letzten 50 Jahre und ich gehe in Sack und Asche, die kenne ich alle nicht. Nur gerade die „Killing Me Softly“ und ich muss weiter gestehen, ich werde mir keine weiteren Alben von Roberta Flack zulegen. Erstens ist es normalerweise nicht ganz meine Schiene und zweitens will ich mir den exzellenten Eindruck, den ich von der 1973er LP habe, nicht kaputt machen lassen. Aber die kommt bei mir immer wieder mal auf den Plattenspieler. Ihre eigene Webseite findet man hier:

 

http://www.robertaflack.com/index.php

 

Da ich nicht so im Soul zu Hause bin, erspar ich mir eine Einzelbeschreibung der Tracks auf der LP. Es ist eher eine ziemliche ruhige Soulplatte, dies ist wohl der hohen Anzahl an Balladen geschuldet. Und natürlich, dass das Piano eine sehr grosse Rolle spielt. „Killing Me Softly“,  „Jesse“ und „When You Smile“ sind für mich die herausragenden Hits, aber ich denke das ganze Album hat es verdient wieder und wieder gehört zu werden. „River“ verlässt etwas die Balladenaufstellung und hat mehr mit Soul zu tun, so wie ich ihn kenne und verstehe, was jetzt nichts heissen soll. Das geht schon mehr in Richtung James Brown im Sinne von Instrumentierung, Dringlichkeit und ja, Soul.

   

Etwas Abstrich muss ich bei „River“ machen. Mir ist das zu viel Las Vegas Schmalz. Erinnert etwas an Ol’ Blue Eyes.  Eigenartigerweise resultiert die Tatsache, dass Frau Flack hier „nur“ interpretiert und keinen einzigen Track selber geschrieben hat, in keiner Weise in einer schlechteren Bewertung. Zu der Zeit war auch die Aufmachung der LP mit dem Klappcover (der Flügel öffnet sich zweiteilig) bemerkenswert. Es war ja nicht so wie heute, wo jeder Musiker aus der dritten Reihe meint, sein Produkt über Gimmicks verkaufen zu müssen (weil die musikalische Qualität halt meistens nichts taugt).

Zusammenfassend halte ich diese LP für eine der wichtigsten, singulären Veröffentlichungen eines Musikers/einer Musikerin. Dass Roberta Flack vielleicht auch auf dieses Album jahrzehntelang reduziert wurde mag sein, sehe ich ja an mir selber und meiner Auffassung zu diesem Tonträger. Definitiv eine Platte die in keinem anständigen Haushalt fehlen sollte, ob Rocker, Folkie, Jazzer undwasessonstnochsoallesgibt, keine Sammlung ist vollständig ohne mindestens eine Version von „Killing Me Softly“.

 

Die Tracks:

 

A1 Killing Me Softly With His Song

A2 Jesse

A3 No Tears (In The End)

A4 I’m The Girl

B1 River

B2 Conversation Love

B3 When You Smile

B4 Suzanne

 

P.S.: Es könnte aber an Neuzugängen eine Ausnahme geben: „Let It Be Roberta: Roberta Flack Sings The Beatles“ (von 2012) müsste ich mir allerdings etwas genauer anschauen. Obwohl ich kein Beatlesfan bin, habe ich eine ganze Anzahl an LPs/CDs die ausschliesslich aus Beatlessongs bestehen, die von anderen Musiker interpretiert werden. Mal sehen, wo ich das herkriege.

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3 Kommentare

  1. Roberta wohnt allgemein eher auf der ruhigen Seite, ich persönlich bevorzuge hingegen schmissigere Soul- und Gospel-Varianten, das ändert aber nichts nichts an der Grossartigkeit ihrer Darbietung auf “Killing Me Softly”. Schade hat sie den Song nicht selber geschrieben, die Version der Fugees von 1996 spülte Millionen Tantiemen-Dollars in die Kasse der Urheber. Die Fugees-Version mochte ich übrigens vom ersten Tag an nicht, für mich ist das ein klassisches Beispiel für “seelenlose Produktion” wie man sie häufig im Hip Hop antrifft, der Mangel an “Seele” wird ganz einfach mit fetten monotonen Beats überdeckt. Roberta macht es anders, sie schleicht sich immer wieder mit Wärme und ganz viel Herz in mein Ohr…

    mellow

  2. @mellow

    QUOTE
    Die Fugees-Version mochte ich übrigens vom ersten Tag an nicht, für mich ist das ein klassisches Beispiel für “seelenlose Produktion” wie man sie häufig im Hip Hop antrifft, der Mangel an “Seele” wird ganz einfach mit fetten monotonen Beats überdeckt.
    UNQUOTE

    Signed … sealed … and delivered!

    Die Fugees Version war für mich einfach langweilig und überflüssig. Aber das dazugehörige Album war auch der Schwanengesang der Band (geschieht euch recht). In einem Artikel über die Fugees schrieb der Autor, dass diese Roberta Flack damit zeigen wo der Hammer hängt und “Killing Me Softly” so spielen, wie es gemacht werden muss.

    Journalismus ist nicht erst seit den 2000-er Jahren ein Fremdwort, das gab es schon in den 70ern. Ich weiss noch genau, ich dachte bei mir nur “Volldepp”. Aber jedes Mal, wenn ich den Song in der ultimativen Fassung höre, muss ich mich an diesen Aushilfsschreiberlehrling erinnern. Wobei für mich zu sagen wäre, eine gut gemachte Coversion eines Songs, ja, gerne. Aber sie muss eigenständig sein, einen gewissen Mehrwert haben und mich abholen. Sonst kann ich der lokalen Schülerband am nächsten Dorffest zuhören wie sie den “Stormy Monday Blues” abmurksen.

    Cheers

    Roland

  3. Einspruch hier; die Fugees schaffen es dem Song etwas Banales zu geben – sie ‘erden’ ihn damit. Das Original war mir eine Nummer zu gepflegt. Über den Beat kann man streiten (ich glaube sogar er ist langsamer als das Original – so fett ist der Beat gar nicht) – ich bin mir aber sicher Wyclef Jean hat sich bei dem simplen Beat etwas gedacht, 1996 war man in der Beziheung schon zu ganz anderen Sachen in der Lage. Und die kurze Sequenz mit der Sitar ist einfach göttlich. Nix ist mehr 60ties-retro als die Sitar. Eine Hommage quasi.

    Aber hier spricht ein ‘Liebhaber’… aufrechte Hip-Hop-Hasser sehen das wohl anders.

    Zur Versöhnung noch ein Wort; einen guten Song kann eigentlich nix entstellen… siehe z.B. SUMMERTIME BLUES… den konnte nicht mal Wolfgang Niedecken ‘hinrichten’.

    Gruß – Ronald;-)

    P.S.: Es mag das letzte Album der Fugees gewesen sein, aber untergegangen sind sie nicht: Lauryn Hill, Pras Michael und Wyclef Jean haben im Anschluß noch eine sehr ordentliche Karriere gemacht…

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