Alastair Ian Stewart – Brit-Barden 4

Softrock-Troubadour war 1970 beim allerersten Glastonbury Festival dabei

Viele Fans von Rockmusik meinen, wer braucht diese überteuerten Werkschauen von verschiedensten Künstlern in üppigen Box-Format. Andere sagen, wunderbar das diese Komplett-Pakete erscheinen und viel unveröffentlichtes Material nun das Licht der Welt erblickt. Oder passender gesagt, die Ohren der Hörer erreicht. Bei einer limitierten Auflage der Madfish-Boxen von 500 bis 5.000 Einheiten weltweit, ist das Preis-Leistung-Verhältnis sicher passend, denn für die Zielgruppe der absoluten Fans eines Künstlers sind die Gesamt-Pakete der heilige Gral. Selbst ich habe bei den wunderbaren Veröffentlichungen von beispielsweise Wishbone Ash, Steve Hillage, Horslips oder Caravan immer wieder gezuckt. Da ich aber von genannten Künstlern meist sehr viel Material auf CD, DVD & BR, Vinyl und Buch habe, habe ich die Schüttel-Anfälle an mir vorbeiziehen lassen und dem selbst gemachten enormen Kaufdruck wiederstanden. Nun erscheint erneut schon wieder ein Sahnestück mit dem Super Deluxe Box Set The Admiralty Lights – die kompletten Studio-, Live- und Raritäten-Aufnahmen 1964-2009 von Al Stewart auf unfassbaren 50 Silberscheiben, wie immer limitiert, diesmal auf 2.000 Exemplare weltweit. Aber keine Sorge, auch hier werde ich nicht schwach. Und wie ist es mit euch ?? Ihr müsst euch aber ranhalten, denn die Schatztruhen sind schnell vergriffen. Wieder eine sehr lohnenswerte Schatzkiste, denn von Al Stewart sind viele reguläre Alben nicht mehr oder nur sehr schwer zu bekommen.

Al Stewart (F: Mark J. Moerman)

Al Stewart (F: Lori Stoll)

Al Stewart (F: Bryn Slack)

Mit einer von Andy Summers (The Police) erworbenen Gitarre lernte er beim fast gleichalterigen Robert Fripp (King Crimson) in Südwest-England das Saitenspiel. So ist es überliefert und vielfach berichtet. Ob es so war, kann nur der in dem kleinen schottischen Kaff Greenock westlich von Glasgow am 05. September 1945 geborene Halbwaise und Skiffle-Verrückte Alastair Ian Stewart bezeugen. In den frühen 60er lebte er in Wimborne in Dorset, spielte dann in einer lokalen Band namens The Trappers, wobei er nebenbei noch eigene Songs schrieb. Da in der Swinging-London-Szene viel mehr los war als in der südenglischen Provinz um Bournemouth, zog es ihn natürlich in die pulsierende Metropole, war sogar mal 4 Monate Zimmernachbar von Paul Simon. Erster Vertrag 1966 bei Decca, dort erscheint nur die Single The Elf, dann schnell Wechsel zu CBS. Dort erscheinen Bed Sitter Images (1967), Love Chronicles (1969), Zero She Files (1970), Orange (1972), die trotz guter akustischer Folkloreliedern, schwergewichtigen Gästen, beständigen Produzenten und rege Aufmerksamkeit von Kritikern, nicht die große Beachtung bei den Konsumenten fanden. Er spielte 1970 sogar auf dem allerersten Glastonbury Festival. Erst mit seinem ersten Konzept-Album, um das Thema Nostradamus Prophezeiungen, Past, Present & Future (1973), aufgenommen unter Mithilfe einer Legion von Helfern in den Trident Sound Studios London, brachte etwas mehr Aufmerksamkeit und signifikante Verkäufe. Somit hatte sich die Mitarbeit von beispielsweise Willie Wilson (Schlagzeug), Tim Renwick (Gitarren), Peter Wood, Tim Hinkley und Rick Wakeman (Keyboards), Dave Swarbrick (Mandoline), Francis Monkman (Synthesizer) sehr gelohnt.

Modern Times (1975)

Year Of The Cat (1976)

Time Passages (1977)

Mit Wechsel des Produzenten und stärkerer Ausrichtung auf den US-Markt entstehen dann mit Modern Times (1975), Year Of The Cat (1976), Time Passages (1978) die Filetstücke von Al Stewart. Ich habe mir alle drei Alben spontan gekauft und es bis heute nicht bereut. Zeitlos schöne Musik, entstanden unter den strengen und magischen Händen von Alan Parsons. An diesen drei Werken sind die üblichen Verdächtigen beteiligt, plus immer wieder bekannte Musiker genreübergreifend. Danach blieben weitere Erfolge aus. Weder das mit Liveaufnahmen ergänzte Studio-Album Indian Summer (1981) noch dessen spätere Nachfolger Russians & Americans (1984) konnten an die vergangenen Großtaten anknüpfen. Vertragliche Schwierigkeiten hinderten Stewart dann vier Jahre daran, neues Material zu veröffentlichen. Das heißt, mit dem 1988 erschienenen Last Days Of The Century, sind dann zehn Jahre ohne deutliche Präsenz des Künstlers vergangen. Auch bis zu Famous Last Words (1993) vergehen dann fünf Jahre und Al Stewart etwas in Vergessenheit. Beide Alben wurden von Gitarrist Peter White produziert, mit dem Al Stewart auch auf dem Live-Album Rhymes In Rooms (1992) zusammen musiziert hatte.

Auch mit dem Konzept-Album Between The Wars (1995), der Titel erklärt schon den Themenkreis, erschafft er unter Mithilfe von hochkarätigen Mitstreitern wieder ein schönes Werk. Daran knüpft er mit Down In The Cellar (2000) an. Wieder beschäftigt er sich mit einem durchgängigen thematischen Konzept. Das Hobby Wein-Keller-Meister steht diesmal im Mittelpunkt. Und wenn man kein Glück hat, kommt auch noch Pech dazu. Das US-Label Miramar ist Konkurs, bei EMI läuft es auch nicht so optimal. Ebenso mit A Beach Full Of Shells (2005) und Sparks Of Ancient Light (2008) beim US-Label Appleseed Recordings sowie Uncorked (2009: Live mit Dave Nachmanoff) entstehen gute Langrillen mit schönen Liedern. Aber Al Stewart hatte seine Zeit in den 70er und die Geschmäcker hatten sich mehrmals geändert. Die Musik vom Folk-Barden war einfach in der Breite und Tiefe leider nicht mehr angesagt.

A Beach Full Of Shells (2005)

Sparks Of Ancient Light (2008)

Al Stewart: Uncorked (2009)

Ein roter Faden zieht sich durch mehrere Werke von Al Stewart und das ist auch ein signifikantes Merkmal seiner Werke. Immer wieder verbindet er in seiner Lyrik historische und ebenso zeitgenössische Ereignisse, reichert sie mit Zitaten aus Filmen und Literatur an. Besonderes Aufsehen erregte er mit seinen Verweisen auf Nostradamus in seinem ersten Konzept Past, Present & Future (1973). Auch bei Between The Wars (1995) ist das so, ein Bündel von Geschichten unter anderem über Josef Stalin (Joe The Georgian), dem US-Flieger-Pionier Charles Lindbergh (Lindy Comes To Town) und der US-amerikanischen Schauspielerin Marion Davies (Marion The Châtelaine). In den USA findet Stewart Mitte der Siebziger auch seine neue Heimat und entwickelt neben der Musik seine zweite Leidenschaft, den Weinbau. Auch das ist ein albumfüllendes Werk Down In The Cellar (2000) wert. Bis heute ist Al Stewart unterwegs und steht unermüdlich auf den Bühnen der ganzen Welt. Und seine Ohrwürmer sind beim Publikum nach wie vor beliebt.

Al Stewart: The Admiralty Lights (2022)

Die dicken Dinger von Madfish, einer spezialisierten Division von Snapper Music, sind immer vollgepackte Wundertüten. Darauf sollte man als Fan von Rockmusik beim Erscheinen immer ein Auge haben. Denn ist erst mal angekündigt das demnächst wieder eine prallvolle Box ansteht, treten sofort die beinharten Fans des Künstlers, rastlose Sammler, unermüdliche Kompetitivsten, aber auch potente Geldanleger und Lageristen in Aktion. Dann ist es wichtig schnell zu sein und Liquidität zu haben. Viele Boxen von Madfish waren schnell ausverkauft und sind heute gesuchte Raritäten. Also für alle die sich diese dicken Dinger an Land gezogen haben ein echter Gewinn. Aber eben auf unterschiedliche Art. Diesmal werden die Fans von Al Stewart verwöhnt mit der auf 2.000 Exemplare weltweit limitierten 50 Disc Super-Deluxe-Box The Admiralty Lights. Al Stewarts inzwischen sechzigjährige Musikkarriere, einer der erfolgreichsten Folk-Rock-Künstler die die britischen Inseln überhaupt je hervorgebracht haben, wird hier mit karriereübergreifenden, kompletten Studio-, Live- und Raritäten-Aufnahmen im Zeitraum von 1964 bis 2009 präsentiert. Die unglaubliche 50 CDs umfassende neue, definitive Sammlung Lights begleitet den legendären Singer-Songwriter von seinen bescheidenen Anfängen im Jahr 1964 über den Weltruhm in den 70er bis hin zu seinen letzten Aufnahmen im Jahr 2009. Diese neue luxuriöse Super-Deluxe-Box enthält alle 21 Studioalben von Al, liebevoll von den Original-Bändern neu überarbeitet und in Mini-Replika-Originalhüllen verpackt. Dazu gehören das 1967 erschienene Debüt Bedsitter Images mit deutlichen Dylan-Einflüssen, das Nachfolgealbum Love Chronicles (1969), auf dem Stewart tatsächlich von Fairport Convention unterstützt wurde und auf dem zusätzlich Jimmy Page und John Paul Jones von Led Zeppelin zu hören waren, sowie das 1973 erschienene Album Present & Future (1973) mit Gastauftritten von Yes-Keyboarder Rick Wakeman und Roger Taylor von Queen. Dann kamen die gefeierten drei Alan-Parsons-Jahre, beginnend mit Modern Times (1975), das wiederum die Saat für den großartigen Nachfolger, den immerwährenden Klassiker Year Of The Cat, legte, bevor es 1978 mit Time Passages endete. Eine weitere Aufnahme in das Pantheon der bedeutenden Studioalben von Al Stewart ist das hochgelobte Album A Beach Full Of Shells aus dem Jahr 2005, ein wunderbares Hörerlebnis mit 13 Songs voller traumhafter, poetischer Wortspiele, die zum Markenzeichen des Singer-Songwriters geworden sind. Außerdem enthalten sind 18 Silberscheiben mit nie zuvor gehörten Live-Konzertaufnahmen von 1970 bis 2009, 3 CDs mit seltenen BBC-Sessions von 1965 bis 1972 und 8 Discs mit Demos, Outtakes und Raritäten, die einen seltenen Einblick in die Welt von Mr. Stewart bieten. Eine Sammlung mit über 300 bisher noch nie veröffentlichten Titeln. Aber das ist, wie gewohnt bei Madfish, nicht das ganze Programm. Ein wunderschönes Coffee Table Book, als 160-seitiger prachtvoller gebundene Bildband mit umfassenden Anmerkungen des Autors und Al Stewart-Experten Neville Judd und einem ausführlichen Interview mit Al Stewart, ist keine Zugabe, sondern ein wahres Kernstück. Bisher unveröffentlichte seltene Fotos, Flyer, Memorabilia und Ephemera aus einer langen, glanzvollen Karriere. Aufmerksame Fans werden die meisterhafte Handschrift von Colin Elgie erkennen, der für das äußere Cover der Box eine visuell beeindruckende Original-Illustration beigesteuert hat, nachdem er zuvor mit Al Stewart schon an seinem unvergesslichen Album Year Of The Cat zusammengearbeitet hat. Abgerundet wird dieses Sammelsurium an Al Stewart-Freuden durch einen von Colin Elgie einzeln signierten Year Of The Cat-Druck, zwei weitere Poster, darunter ein speziell von Colin Elgie entworfenes und gestalteter Druck Last Days Of The Century (Die letzten Tage des Jahrhunderts). Weiterhin ein 24-seitiges Sammlerbuch mit einer detaillierten Beschreibung aller seltenen Aufnahmen dieser Box. Mehr Al Stewart geht nicht !!

Down In The Cellar (2000)

Al Stewart: Essential (2012)

An Introduction To Al Stewart

Doch !! Wer sich noch intensiver mit Al Stewart und seiner Musik beschäftigen möchte, dem empfehle ich die sehr informative Deutsche Al Stewart Fanpage. Sehr strukturiert und vorbildlich ist hier eine unfassbare Menge Material zusammengetragen. Damit wird ein geschlossenes Bild über den schottischen Musiker vermittelt.

Wer sich weiter für ähnliche Themen interessiert, folgt den Weiterleitungen unten:

Weiterlesen RZ: US-Rock-CowboysBrit-BardenFast Vergessene Seelen

Wer sich weiter für die tragischen Rocker interessiert, folgt der Weiterleitung unten:

Weiterlesen RZ: Tragische Rocker – Bleibt gesund, Rhythmische Grüsse, Der SchoTTe

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2 Kommentare

  1. Erwischt, es ist auch bei mir aus der heutigen Sicht zutreffend, die späteren Alben von Al Stewart sind die künstlerisch gehaltvollsten seiner Karriere. Wenn auch nicht so oft im Radio gespielt, eher überhaupt nicht wie die Perle Going Home von Seasons, dafür aber gebucht als herausragende Werke der schottischen Musikkultur. Noch einmal erwischt, über Shot In The Dark, alias Adam Yurman, Bryan Savage, Krysia Kocjan, Peter White, Robin Lamble, wollte ich einen extra Beitrag schreiben. Alle Fünf sind exzellente Handwerker, die ihre tiefen Spuren auch in der britischen Folk-Celtic-Blues Szene hinterlassen haben. Die Mitglieder von Shot In The Dark haben Al auf seiner langen Karriere, nicht nur mit Gesang und Instrumenten, immer wieder begleitet und unterstützt !! Krysia bereits bei Past, Present & Future (1973), Peter mit dem Akkordeon auf Down In The Cellar (2000). Auch die Geschichte von Shot In The Dark wird noch erzählt werden. Wieder einmal bin ich, diesmal nicht mehr überrascht, über die Spürnase von mellow. Weihnachtliche Grüsse, Der SchoTTe

  2. Natürlich, alles eine Frage des Geschmacks, ich persönlich finde INDIAN SUMMER von 1981 – live im ROXY in Los Angeles eingespielt – ausgezeichnet, die Aufnahmen vermitteln die Lockerheit die ich bei manchen Studio-Platten von AL STEWART etwas vermisse. Für den Live-Groove mitverantwortlich waren SHOT IN THE DARK, die Band die sich AL um 1980 herum angelacht hatte. In diesem Zusammenhang möchte ich auch 24 CARROTS empfehlen (1980, RCA, fehlt in obiger Auflistung), eine weitere Kollaboration mit SHOT IN THE DARK.

    mellow

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