Help Yourself

Erfolgloser hätte die Karriere von HELP YOURSELF wohl kaum verlaufen können: Anstatt eines glamurösen Rockstarlebens unter kalifornischen Palmen, darbte die Band während ihrer relativ kurzen Existenz unter knorrigen, vom Nebel umwallten britischen Eichen. Ein klassischer Fall von „mit grandiosem Sound kläglich gescheitert“, von der Kritik als die englische Antwort auf QUICKSILVER MESSENGER SERVICE bejubelt, von der breiten Öffentlichkeit mehr oder weniger ignoriert. Manager John Tobler wurde zum Schluss gar nach New York zitiert, bloss um dort zu erfahren, dass die Plattenfirma nicht daran interessiert sei, die Band in Übersee zu promoten…

  

Musikalisch hingegen waren HELP YOURSELF absolut top. Die in London beheimatete Truppe um Gitarrist/Sänger MALCOLM MORLEY (ex SAM APPLE PIE) verstand es wie keine andere, dieses damals neue amerikanische New-Country-Folk-Flair in ihren Sound zu integrieren. Neben BRINSLEY SCHWARTZ kann man HELP YOURSELF durchaus zu den Begründern des kurzlebigen, mehrheitlich auf die Insel beschränkten Pubrocks zählen. Auf der einen Seite kurze, eingängige melodiöse Songs, auf der anderen ausufernde, von der Sonne grillierte Westcoast-Hippie-Träume in denen sie sich verlieren konnten (z.B. der Jam „Reaffirmation“ von BEWARE THE SHADOW). Will man sich zu den Perlen von HELP YOURSELF durchkämpfen, dann muss man sich des ganzen Oeuvres annehmen, eindeutige Favoriten sind eher schwer auszumachen, das ist dann ganz einfach eine Frage des persönlichen Geschmacks, die Eckpunkte bei HELP YOURSELF änderten sich immer ein klein wenig, allerdings nur marginal. Der rote Faden der in allen Longplayern von HELP YOURSELF durchscheint, ist der eingewobene wunderbare vielstimmige Gesang und die herrlich perlenden Gitarren. Klar, glasklar wie das erfrischende Wasser eines Bergbachs…

Nach der Eingangs erwähnten Absage in den Staaten lösten sich HELP YOURSELF auf, die Mitglieder wurden von der Pubrockszene absorbiert (SEAN TYLA, DUCKS DELUXE, IAN GOMM, WRECKLESS ERIC). MALCOLM MORLEY und Bassist KEN WHALEY wurden von DEKE LEONARD für die RHINOS-Platte in MAN integriert, Drummer DAVE CHARLES mutierte zum erfolgreichen Producer des Rockfield-Studios. Das hervorragende letzte Album, schlicht mit 5 betitelt, wurde 1973 nie fertig gestellt, verschwand im Archiv, wurde erst in den 2000ern von MORLEY, WHALEY und Gitarrist RICHARD TREECE komplettiert und veröffentlicht.

 

Discography:

HELP YOURSELF (1971, United Artists / CD-Reissue BGO)

STRANGE AFFAIR (1972, United Artists / CD-Reissue BGO)

BEWARE THE SHADOW (1972, United Artists / CD-Reissue BGO)

THE RETURN OF KEN WHALEY / HAPPY DAYS (1973, United Artists / CD-Reissue BGO)

  

(HAPPY DAYS: Zusammen mit THE FLYING ACES, Bonus-LP zu den ersten 5000 Exemplaren von THE RETURN…)

5 (1973, veröffentlicht 2004, HUX Records)

  

CHRISTMAS AT THE PATTI (1973, United Artists / CD-Reissue Cherry Red)
(LIVE, zusammen mit MAN, FLYING ACES, DUCKS DELUXE, DAVE EDMUNDS)

Der „Kern“ von HELP YOURSELF:
Malcolm Morley – Guitars / Keyboards / Vocals
Richard Treece – Guitars / Vocals / Harmonica
Dave Charles – Drums / Percussion / Vocals
Ken Whaley – Bass / Guitars / Vocals

Ausserdem:
Paul Burton – Bass / Guitars / Vocals
Ernie Graham – Guitars / Vocals
Jojo Glemser – Guitar
Deke Leonard – Guitar
Sean Tyla – Guitar
Kevin Spacey – Drums

Ernie Graham starb 2001.
Ken Whaley verstarb 2013.
Richard Treece folgte ihnen 2015.

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Ein Kommentar

  1. Als Einstieg oder Übersicht ist die DCD Reaffirmation – An Anthology 1971 – 1973 zu empfehlen. Man findet hier Songs aus den genannten Alben und der Single Mommy Wonˋt Be Home For Christmas inklusive der B-Seite Johnny B. Goode. Das informative Begleitheftchen wurde von Michael Heatley geschrieben. Eine Band um die man sich kümmern sollte!

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