2019

Rückblick:
2019 war für mich ein weiteres Retro-Jahr (sie häufen sich), ich kümmerte mich in erster Linie um Musik aus den 60ern und 70ern, aktuelle Produktionen fanden wenige ins Regal (respektive auf die Festplatte). Harter Rock blieb aussen vor, ich bin da offenbar noch meine letzten Jahre als aktiver Bassist in einer Band (mit überambitionierten Gitarristen die Zeug spielen wollten mit dem sie überfordert waren) am Verdauen, ausserdem wurden mir allmählich viel zu viele Kommerz-Covers gespielt, irgendwie machte sich je länger mehr Ideenlosigkeit breit während meine eigene Kreativität im Keim erstickt wurde, manchen Leuten war es scheinbar zu anstrengend eigene Songs zu entwickeln. Als die Sängerin dann noch was von Bon Jovi spielen wollte sah ich meine Zeit gekommen, ich nahm Ende 2018 Reissaus und hängte (vorübergehend) die Bassgitarre an den Nagel, sattelte auf Banjo um.

Ich vermute meine ehemalige Band ist einer der Hauptgründe weshalb ich mich im vergangenen Jahr auf R&B, Soul, Jazz, Funk und Disco stürzte, vernünftige nachvollziehbare Grooves ohne das der Drummer befürchten muss sich die Handgelenke zu brechen. Diese Entwicklung wiederspiegelte sich vor allem in der Playlist meiner Jukebox, plötzlich wurden CCR, Stones und Slade durch Three Degrees, Labelle, Pointer Sisters, Sylvers, Brothers Johnson, Commodores, K.C & The Sunshine Band oder Donna Summer ersetzt. Ich hatte mich auf die Suche nach tanzbarer Musik gemacht und war fündig geworden. Unzählige Entdeckungen in diesem Bereich lösten jedenfalls bei mir immer wieder kleinere musikalische Erdbeben aus, Erschütterungen die von Geno Washington, den Paper Dolls, Mickey & Sylvia, The Dells, den Detroit Emeralds, Trammps und tausend anderen verursacht wurden.

Meine Band des Jahres ist trotz Soul vermutlich die britische Sixties-Truppe The Exception. Deren The Eagles Flies On Friday: Complete Recordings 1967-1969 habe ich dermassen oft gehört, dass mittlerweile jede Note auf ewig im Gedächtnis abgespeichert ist. Ein musikalischer Goldschatz der mit barer Münze kaum aufzuwiegen ist.

„Live“ hat mich 2019 wenig angesprochen, einzig ein Konzert von The Dead South hat mich wirklich begeistert. Für 2020 sieht es diesbezüglich besser aus, es steht bereits ein Clubgig von Twin Temple und Hexvessel auf der Merkliste, ausserdem spielen DeWolff wieder in der Nähe.

Es war und ist mir immer noch ein Anliegen hier in diesem Blog über „vergessene“ oder „verdrängte“ Musik zu berichten auch wenn es nicht immer „Rock“ im eigentlichen Sinne ist, diesbezüglich werfe ich die Kritik die jemand äusserte achtlos über Bord: Auch wenn diese Site noch immer Rockzirkus heisst nehme ich mir trotzdem das Recht heraus mit der Lampe auch in andere Winkel zu leuchten, es darf also zwischendurch auch mal Schlager, Chanson, Easy Listening, Ska oder Reggae sein. Meine musikalischen Barrieren sind längst gefallen, ich treibe meine Forschungsstollen eben auch in Felsgrund der für (die oft an Ort tretenden) Freunde des „Classic Rock“ tabu ist. Ich fühle mich übrigens ausgezeichnet dabei, bin frei von Schuldgefühlen und geniesse meine musikalischen Tauchfahrten in unbekannte Tiefen.

Ausblick:
Es hört nicht auf, ich bin erst grad wieder über crazy Dinge gestolpert.
Zum Beispiel über Ikan Hyu, ein tolles 2-Frau-Elastic-Plastic-Future-Space-Pop-Duo aus der Schweiz. Oder The Hu, eine mongolische Rockband in deren Fahrwasser ich auch auf die im gleichen Teich fischenden Chinesen Hanggai stiess. Oder über die Info, dass im Februar das dritte Album der Church Of Cosmic Skull erscheint. Beängstigend ist übrigens auch was das britische Label Cherry Red mit seinen diversen Sublabels noch alles in Planung hat, es könnte einmal mehr teuer werden für mich.

Ach ja, jetzt hätte ich beinahe die Tatsache vergessen zu erwähnen, dass mir vor ein paar Tagen angeboten wurde mich als Drummer zu versuchen…

LONG LIVE ROCK’N’SOUL MUSIC!
mellow

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