Streetlight Circus – Super Fine Sugar (CD)

Streetlight Circus – Super Fine Sugar (CD)

 

Schon eigenartig, da ist eine Band (aus New York) seit 2012 unterwegs und hat bis heute 3 CDs und eine EP herausgebracht. Die Kapelle liegt voll auf meiner Linie und ich habe bis vor etwa vier Wochen keinen Ton von denen gehört. Bis ich die neue CD “Super Fine Sugar” mehr oder weniger zufällig bei einem meiner lokalen Dealer in die Hände bekommen habe. Kurzer Check auf YT and I was sold. Mit kurzer Check meine ich all of 15 Seconds. Wenn ich mal in irgendwas reinhöre in einem Laden, dann nicht länger als vielleicht zwei mal zehn Sekunden und dann passts oder eben nicht. In Camden hat mich ein Dealer mal in einem Punkladen darauf angesprochen und gemeint, du machst aber auch nicht lange. Wahrscheinlich war er sich da anderes gewohnt, Typen die stundenlang CDs und LPs hören und dann ohne Einkauf abrauschen.

 

Zu Streetlight Circus: “Super Fine Sugar” scheint in jedem halbwegs gut sortierten Laden in Europa vorrätig zu sein und zwar sogar bei den Palettenhändlern. Allerding sind die anderen Veröffentlichungen fast vom Markt verschwunden, die beiden anderen CDs sind aber noch auf der Bandwebsite bestellbar, vorausgesetzt man hat sich PP angeschlossen, sonst ist man aussen vor.

Bei der Band sprechen wir von Hardrock und zwar nicht das aufgeblasene Getue einiger Fönfrisuren mit überschaubarem Talent und einem “Sänger” bei dem es einem die Schuhe auszieht. Ich würde mal behaupten, Streetlight Circus ist handmade Music mit einer Baggerschaufel voll exzellenter Songs. Die Sangesleistung ist auf den Punkt, was ich von einem Vokalisten in einer Hardrockband erwarte und nicht jemand der einen Stimmumfang für die Wiener Sängerknaben hat, aber ganz sicher nicht zu dieser Art Musik passt. Alleine für das gibt es volle Punktzahl. Die Tracks sind übrigens ausserordentlich gut eingespielt und haben auch nicht das typische plattgeschliffene Soundbild.

 

Die Band erfindet absolut nichts neu, aber das tun sie auf hohem Niveau. Ich bin nicht der Hardrockspezialist und viele Bands aus der Richtung (nicht alle) langweilen mich ziemlich schnell, die “Super Fine Sugar” habe ich bald mal durchsichtig gespielt. Wenn ich das richtig sehe, dann sind die zwölf Tracks alles Originale und was für welche. Da werden einem die Songs zwar um die Ohren geknallt, aber als Zuhörer hat das weniger mit headbanging sondern mehr mit surfen zu tun. Nicht surfen als Genre, sondern man surft gedanklich mit den Songs mit.

 

Die Band:

 

Alex Rude – Guitar, Vocals

Erik Fehrenbach – Drums, Vocals

David Shaw – Lead Vocals, Bass Guitar

George Giannoulis – Lead Guitar, Vocals

 

Und eine Menge helfender Hände. Ich habe beim hören der CD wirklich Assoziationen zu anderen Bands, kann es aber nicht wirklich festmachen. Vielleicht auch, weil Hardrock etwas zu kurz gegriffen ist. Das Titelstück hat einen guten Schuss Rock’n’Roll intus. Aber das hängt wohl davon ab wie man Letzteres definiert.

 

 

Super Fine Sugar

Titel- und Eingangstrack. Die Melange Hardrock/Rock’n’Roll ist einfach grandios. Viele andere Bands hätten damit ihr Pulver bereits verschossen. Speeding auf der Landstrasse und am Ende zehn Tickets in der Tasche. So muss es sein.

 

Drive It Like I Stole It

Die Songs sind einfach Klasse geschrieben und ausgeführt. Hier ein Westkurvenbrüller den man im Suff noch auswendig vor sich hinbrummeln kann. Die Melodie ist tragend und kurz vor dem abheben. Normalerweise sollte so etwas der Hit des Jahrzehnts werden. Mindestens. Und die Gitarre gibt ihr Bestes. Volles Brett sagt man wohl dazu. Da muss man aufpassen, dass einen die Melodie nicht noch im Schlaf verfolgt.

 

Cherry Cola

Wahrscheinlich geht das bei Streetlight Circus als Ballade durch. Jedenfalls ist hier auch die exzellente Melodie auffällig. Und keine Angst, von wegen Ballade, das Schlagzeug klopft, die Gitarre röhrt und der Bass bullert. Apropos Bass, eine Assoziation hatte ich beim hören dieses Albums, ganz weit weg scheint etwas Motörhead durch. O.K., ich habs gesagt.

 

Ex Machina

Ich wiederhole mich, aber die Vocals sind auf den Punkt gebracht und nicht ermüdend (für den Hörer). Sogar jemand mit einer Hardrockphobie könnte sich daran erfreuen. Ernsthaft, das ist schon Lichtjahre vom normalen Hardgerümpel weg. Die Produktion ist übrigens Top. Satte Instrumente, sauberster Klang und man tendiert dahin ganz laut aufzudrehen.

 

Pay My Rent

Hat ganz entfernt etwas von “Cherry Cola”, eine Ballade und doch keine Ballade. Wahrscheinlich ist die Melodieführung aber wirklich so prägnant, dass einem der Gedanke schon kommen könnte. Egal, auf dieser CD ist kein einziger Flop zu finden und das heisst in diesen Zeiten etwas.

 

Dirty Earth

Dieses megaschwere, die viele dieser Songs, trotz der ausgesprochen distinkten Melodieführung haben, führen dazu, dass die Songs im wahrsten Sinne des Wortes “gegroundet” sind. Und zwar mit buchstäblich jeder Note.

 

Take Me To The River

Die Songtexte sind alle im Booklet abgedruckt, falls jemand Lust hat hier einzusteigen. Der Song ist einer von denen, bei dem ich die Ahnen nicht platzieren kann. Irgendwie kommt mir die Art des Tracks bekannt vor. Nicht die Komposition, sondern eher wie und wie schnell dass abgeklopft wird. Kann natürlich sein, dass das eine Standardschlagzeugvariante ist. Was weiss ich schon.

 

This Means War

Ich kann nicht sagen, warum ich jedes Mal auf diesen Song warte. Gut, ist Nummer 8 auf dem CD-Player. Der Break ist auch typisch, solches habe ich schon mal gehört, aber im Alter kann man sich nicht mehr alles merken. “There’s Nothing Social About The Media …”, genau, Streetlight Circus sagens wies ist.

 

Trouble

Die einzelnen Songs gehen zeitlich von 2:48 bis 5:00 und sind auch daher gut zu verdauen. Irgendwie habe ich da auch immer noch Bluesrock gesucht, aber das ist nicht so, oder der hat sich extrem gut versteckt. Ich glaube fast, Bluesrock wäre bei dieser Auswahl störend, sehr störend. Die Band besinnt sich auf das was sie können und das machen sie sehr gut. Wobei ich anmerken muss, die anderen Veröffentlichungen kenne ich nicht, bin noch auf der Suche nach einem Dealer in Europa. Der längste Song, aber auch hier nicht künstlich aufgeblasen, passt wie die Faust aufs Auge.

 

Clown Parade

Habe ich einen Wunsch frei für die kommenden Weihnachten? Eine Tour der Band durch Europa. Anscheinend waren sie schon in einigen Ländern hier live zu erleben. Ich muss noch kurz dem Gefühl entgegenwirken, man bekomme hier 12 mal den gleichen Track serviert, im Gegenteil, auch wenn das Genre das gleiche bleibt, so abwechslungsreich habt ihr eine CD schon lange nicht mehr gehört (wenns nicht gerade irgendein Jahrzehntsampler war).

 

Zero At The Bone

Für mich die Entdeckung 2022 und gleichzeitig das Album des letzten Jahres, egal wo, wie, warum und überhaupt. Normalerweise kommt ja irgendwann mal eine Gurke, aber das Angebot ist weit davon entfernt. Eine gewisse Affinität zu Hardrock (nicht Heavy Metal) sollte man aber schon haben. Und mit Hardrock meine ich nicht geschliffenen Powerpop oder ähnliche Peinlichkeiten. Coole Gitarrenarbeit, der Leadgitarrist weiss definitiv was er tut. Aber das wissen alle hier.

 

Rattle The Cage

Möglicherweise wurde hier der Sänger getauscht, dies ist der einzige Song, bei dem die Vocals (für meinen Geschmack) nicht so gut rüberkommen. Das hier ist mehr die 0815 Variante unzähliger heavy Truppen. Obwohl auch das noch weit vor der Konkurrenz liegt, mich stört einfach irgendwie das gepresste, kurz vor dem hyperventilieren stehend Stimme, aber auch hier kommt der Sänger immer wieder mal auf den Boden zurück.

 

Eigenartig ist eigentlich das Cover. Streetlight Circus, ja gut, Circus. Aber mich hätte es fast auf die falsche Spur gebracht, von wegen Prog oder Rigoni und Schönherz, wobei letzteres ein fantastische Platte ist. Wenn ihr euch wieder mal als Rocker in eurem Schaukelstuhl fühlen wollt, dann kann ich nur raten, kauft diese CD und ab geht’s mit dem Rollator.

 

https://streetlightcircus.com/

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