Joe Dassin
Joseph Ira Dassin (November 5, 1938 – August 20, 1980) war ein US-amerikanischer Singer Songwriter, geboren in Brooklyn, New York City. Und ich war baff, als ich im Zuge meiner Recherchen darauf kam, war Joe Dassin doch für mich der Inbegriff eines sehr guten französischen Chansonniers, der Inbegriff des Genres sozusagen. Joe Dassin ist für mich ein Synonym zu „Les Champs-Élysées“. Und das seit 1969, eine der grossen Ausnahmen in meinem sonstigen Katalog.
1950 kam die Familie nach Europa und in dieser Zeit hatte der nachmalige Musiker wohl ein etwas unstetes Leben, hat er doch in den nächsten paar Jahren elf Mal die Schule gewechselt und zwar in der Schweiz und Frankreich. Mitte der zweiten Hälfte der 1950er kehrte Joe Dassin in die Staaten zurück und schrieb sich in der Universität von Michigan ein, die er dann 1963 verliess mit Abschluss und zwei Auszeichnungen in Anthropologie (Bachelor und Master).
Zurück in Frankreich arbeitete er eine Zeit lang als Techniker für seinen Vater, der im Filmgeschäft tätig war (u.a. Topkapi /1964, wo er auch eine Rolle im Film spielte). 1964 unterschrieb er bei CBS einen Plattenvertrag und los gings. Von 1966 bis zu seinem Tod (und danach) hat es LP-Veröffentlichungen gehagelt. Obwohl Joe Dassin natürlich bekannt ist, kommt man nicht so schnell auf die Idee, dass man es hier mit einem Megastar zu tun hat. Möglicherweise hat das deutschsprachige Publikum auch nicht unbedingt den Zugang zu den französischsprachigen Liedern gehabt (allerdings hat er auch in mindestens fünf anderen Sprachen Songs eingesungen und veröffentlicht).
Von 1958(!) bis 1980 (und ebenfalls darüber hinaus) kam noch eine mehr als stattliche Anzahl von Singles dazu. Wenn jemand daran denkt Komplettsammler für diesen Musiker zu werden, dann sollte man sich zuerst um einen Anbau ans Haus kümmern. Will sagen, ich erspare mir die Auflistung der Veröffentlichungen, da werde ich dieses Jahr nicht mehr fertig. Die CD „Oh, Champs-Élysées – Seine grossen Erfolge“ gibt wenigstens eine Auswahl, wobei ich vermute, dass sie dem Musiker nicht unbedingt gerecht wird. Sechzehn Lieder für das Lebenswerk, guter Witz! Ich habe normalerweise eine Abneigung gegen „Best Of“ Zusammenstellungen. Nur weil etwas mal an einer Hitparade gekratzt hat muss es ja nicht gleich „das Beste“ sein.
Und trotzdem würde ich zu der Veröffentlichung raten, ausser man hat die Telefonnummer seines/ihres Architekten griffbereit. Die Trackliste im Detail:
1 Vade Rétro
2 Les Champs-Elysées (Waterloo Road)
3 Mon Village Du Bout Du Monde
4 L’Amérique (Yellow River)
5 Guantanamera
6 Ma Musique (Sailing)
7 Et Si Tu N’Existais Pas
8 Ca Va Pas Changer Le Monde
9 Darlin‘
10 Ma Bonne Etoile (My Little Lady)
11 L‘ Eté Indien (Africa)
12 Cécilia
13 Siffler Sur La Colline (Suddenly You Love Me)
14 La Fleur Aux Dents
15 Un Cadeau De Papa
16 Le Moustique (The Mosquito)
Es sind in der Liste noch nicht mal alle Coverversionen ausgewiesen. Aber man kann versichert sein, Joe Dassin hat diese bekannten Songs radikal neu interpretiert. Ganz gut zu hören am Beispiel des Doors-Covers (The Mosquito). So etwas von cool und relaxed und so geht es durch die ganze CD. Ich würde nicht behaupten wollen, dass die Auswahl typisches Chansonhandwerk ist, aber es gelingt Joe Dassin eine Brücke zu schlagen und nicht in Frankreich hocken zu bleiben. Das kann sehr wohl damit zu tun haben, dass er ja tatsächlich US-Amerikaner war.
Interessant ist in seinen Veröffentlichungen ausgerechnet die Single „Les Champs-Élysées“. Die B-Seite war der grosse Hit, zumindest in den deutschsprachigen Ländern und wohl niemand hat je über die A-Seite gesprochen. Ob das bewusst geschah, das weiss ich nicht. Jedenfalls war die Single kein Doppel-A. Mir ist die Reihenfolge bis jetzt nicht mal aufgefallen, obwohl ich die Single seit 55 Jahren besitze.
A) Le Chemin de Papa / B Les Champs-Elysées
Bezeichnend auch, dass „Le Chemin de Papa“ auf der erwähnten CD gar nicht eingeschlossen ist. Wobei auch dieses Lied mehr als seine guten Qualitäten hat. Aber möglicherweise wurde der Markt damals auch einfach von der B-Seite überrollt. Die CD mit der oben erwähnten Trackliste kann ich unbedingt empfehlen, die ist kurzweilig und wahrscheinlich wegen der vielen Coverversionen so gut zu konsumieren.
Irgendwo habe ich gelesen, dass Joe Dassin etwa 25 Millionen Platten verkauft hat (ich gehe mal davon aus, das ist das Total bis heute), was angesichts der Menge an Veröffentlichungen zwar etwas relativiert werden muss, aber noch immer eine gewaltige Menge ist. Joe Dassin starb bereits 1980 in Tahiti (Papeete) an einem Herzinfarkt.









