Eric Clapton - Unplugged

Eric Clapton – Unplugged

Es muss so um 1993 gewesen sein als mein Entschluss reifte langsam endgültig auf CD umzusteigen. Natürlich brauchte man dazu auch einen neuen Verstärker. Die einschlägigen Läden wurden abgeklappert. Einen MM gab es noch nicht in Bochum (gab es die damals überhaupt schon?), dafür zahlreiche kleinere Geschäfte mit Möglichkeiten zum Testen. In den meisten Läden wurde Eric Clapton als Referenz aufgelegt. DDD stand drauf und mit Dolby sollte sie besonders gut klingen. Unplugged war zu dieser Zeit für Musiker die etwas von sich hielten eine von der Plattenfirma verordnete Pflichtübung. Von Eric Clapton hörte ich schon lange nichts mehr, da passte es also ganz gut: Der erste brauchbare CD-Player (ein Billigteil legte ich mir bereits ein paar Jahre vorher zu), ein neuer Verstärker und Eric als Referenz, das passte.

Die Freunde waren schwer begeistert vom Sound, ich auch. Anfangs wurde wirklich nur auf den Sound geachtet und der war auch gut und ist es heute auch noch. Als die Gewohnheit einsetzte und ich mehr auf die Musik achtete, verflog sehr schnell die Lust auf das Anhören dieser Unplugged. Klar, Eric Clapton ist ein guter Techniker und die Mitstreiter gehören durchweg zu den guten Musikern im Rockgeschäft, aber was da dem Zuhörer geboten wurde war schlicht und einfach Langeweile. Eric Clapton sollte besser nicht singen. Die Instrumentalpassagen sind noch knapp zu ertragen, aber auch hier wurden die gleichen Songs in der Vergangenheit von ihm mit mehr Gefühl und Schwung auf CD oder Vinyl gebrannt.

Bis zur dritten Nummer war alles noch im grünen Bereich, die Müdigkeit setzte schlagartig mit “Tears In Heaven” ein. Was vorher ganz passabler Blues war, driftete immer mehr zu Schnulzen ab. Die Tränendrüse wurde versucht zu reizen. Bei mir schaffte er es nicht, dafür regte sich im Magen ein gewisses Völlegefühl. Höhepunkt war “Running On Faith”, kaum noch auszuhalten…
Der Schwenk zurück zum Blues rettete das Album dann auch nicht mehr. Müdes Klimpern auf der Gitarre, gekonnt aber lustlos. Alberta wurde nahezu vergewaltigt. Der “San Francisco Bay Blues” wurde zum Schunkellied degradiert. Wer glaubt das sei auf diesem Album gut, der solle sich den Song mit Collin Hodgkinson anhören!
Bei “Malted Whiskey” stellt sich Lagerfeurromantik ein, aber aus dem Alter war ich damals schon raus. Den Rest kann man getrost abhaken. Muddy Waters wäre bestimmt nicht erbaut gewesen sein “Rollin’ & Tumblin’” auf diese Art zu hören. Hab ich das schon gesagt? Es ist mir ein Grauen Leute beim Mitklatschen zuzuhören.

Als Fan von Eric Clapton war dieses Unplugged ausschließlich für Testzwecke gut. An einem Stück hab ich es mir später nie mehr anhören können. Aufgelegt, kurz gelauscht ob die Bässe zu hören waren oder die Höhen, dann schnell gezappt und die nächste Box getestet.

Eric Clapton ist ein sehr guter Handwerker und hat viel aus der Bluesgeschichte gelernt. Er ist auch ein hervorragender Mitspieler in der zweiten Reihe, aber mit diesem Album hatte er es bei mir auf Jahre verscherzt.

Zur Erholung wird jetzt “461 Ocean Boulevard” aufgelegt, da war er wirklich noch gut.

Die Mitspieler:

Eric Clapton: guit., voc.
Ray Cooper: perc.
Nathan East: bass
Steve Ferrone: drums
Chuck Levall: keyb.
Andy Fairweather- Low: guit.
Kati Kissoon: voc.
Tessa Niles: voc.

Die Songs:

1. Signe
2. Before You Accuse Me (Take a Look at Yourself)
3. Hey Hey
4. Tears in Heaven
5. Lonely Stranger
6. Nobody Knows You When You’re Down & Out
7. Layla
8. Running on Faith
9. Walkin’ Blues
10. Alberta
11. San Francisco Bay Blues
12. Malted Milk
13. Old Love
14. Rollin’ and Tumblin’

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