Carmen

Meine erste Platte von Carmen war Fandangos In Space, allerdings die US-Ausgabe mit der Rose vorne drauf, leider nicht die europäische Ausgabe mit dem bezaubernden, majestätischen Cover. Egal, hier zählte einzig die Musik, und das war ein exzellenter, vielschichtiger Artrock, durchsetzt mit spanisch angehauchtem Flair und perkussiven Parts.

Gegründet wurde Carmen von David Allen (Gitarre, Gesang) in Kalifornien zu Beginn der Siebziger. Der klassisch geschulte Flamenco-Gitarrist der schon mit diversen Projekten mehrere Singles veröffentlicht hatte, schaffte es allerdings nicht für seine Band einen Record-Deal zu angeln. Falscher Ort und falscher Zeitpunkt dachte er sich wohl und übersiedelte 1973 mit seiner Truppe, respektive zusammen mit seiner Schwester Angela Allen (Gesang, Flamenco-Tanz, Keyboards) und Roberto Amaral (Gesang, Flamenco-Tanz, Perkussion) nach England. Und siehe da, Produzent Tony Visconti “entdeckte” Carmen die sich inzwischen mit den Engländern John Glascock (Bass, vormals The Gods, Toe Fat, Chicken Shack) und Paul Fenton (Drums) wieder komplettiert hatten.

Gleich auf dem Debut Fandangos In Space wurde der Sack zugemacht: Abgedrehter Kunstrock, verschwurbelt, verdreht, nervös wie ein edles Rennpferd aber auch romantisch, mit faszinierenden, klappernden Kastagnetten, die vertrackten Songs mit Flamenco-Fussgestampfe durchsetzt. Keyboards gab es da natürlich auch zu bestaunen, selbst ein altertümliches Mellotron gehörte zum Instrumentarium. Auch Jahrzehnte später hat Fandangos In Space nichts von seiner Magie verloren, die darauf enthaltene Musik scheint zeitlos zu sein.

Mit Fandangos In Space und dem Nachfolgealbum Dancing On A Cold Wind (1975, die mit dem “Gitanes”-Cover) im Gepäck eröffneten Carmen live für Bands wie ELO, Rush, Santana, Blue Öyster Cult und schlussendlich Jethro Tull. Das letzte Album The Gypsies (ebenfalls 1975) wurde nach Abschluss der Tour mit JT eingespielt, es kam allerdings nicht sonderlich gut an, weshalb auch immer, mir gefiel die auf Anhieb, nur schon wegen dem umwerfenden Titeltrack “The Gypsies”. Als John Glascock sich kurz darauf Jethro Tull anschloss war es das Ende für diese wirklich aussergewöhnliche Truppe.

David Allen wurde professioneller Fotograf, 2006 veröffentlichte er das Album Widescreen.
Paul Fenton wechselte zu T. Rex.
John Glascock starb 1979 aufgrund von Herzproblemen.
Über den Verbleib von Angela Allen liess sich nichts in Erfahrung bringen.
Roberto Amaral ging zurück nach Kalifornien und gründete in Van Nuys das Roberto Amaral Dance Studio, eine Tanzschule selbstverständlich, da dreht sich alles um Spanische Tänze und Flamenco.

LONG LIVE ROCK!
mellow

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Ein Kommentar

  1. Zitat: Diese Musik hat nichts von seiner Magie verloren, die darauf enthaltene Musik scheint zeitlos zu sein. LONG LIVE ROCK! So ist es, mein lieber mellow, sie ist zeitlos und hat seine Magie natürlich NICHT verloren !! Ja, ich hatte 1975 auch zuerst die Fandangos In Space mit der Rose vorne drauf (mit Klapp-Cover von Paramount Records). Ich finde das Rosen-Cover mindestens genauso gut. Aber wie immer, alles ist Geschmacksache. Danach habe ich mir sofort das dritte Werk The Gypsies (Mercury Records) zugelegt. Das beide Vinyl LP´s stehen bei mir direkt hinter dreimal Captain Beyond (das ist mal ein anderes interessantes Thema für später). David Clark Allen hat mit The Offbeats, Somebody’s Chyldren, The Marianne, Brave Butter, etc. mindestens schon ein halbes Dutzend musikalische Stationen hinter sich, bevor er im Juli 1970 in Los Angeles die Flamenco-Rocker Carmen gründete. Seine Schwester Angela Allen war schon bei Chyldren mit dabei, nun auch hier wieder an den Keyboards und auch mit Gesang und Tanzeinlagen. Obwohl diese Kombination von Latin, Funk und Rock, auf der Bühne garniert mit mitreißenden Tanzeinlagen, zu dieser Zeit ein Alleinstellungsmerkmal hat (bis heute), zündete der Funke in den USA nicht und die Band findet auch kein Label für ein Album, dafür dann aber nach Wechsel auf die britische Insel. Trotzdem ist 1976 nach drei guten Alben leider erst mal Schluss mit den Flamenco-Rockern. David Allen startet vergeblich noch mehrere Versuche mit seiner Art von Musik wieder Fuß zu fassen. Nur das ebenfalls gute Solo-Album Widescreen ist hier noch erwähnenswert. Die gleichnamige Band (2007 bis 2011) macht auch hier leider mit Nichtbeachtung und Erfolglosigkeit keine Ausnahme. Aber David gibt nicht auf, gründet dann später Flamexicano!, auch hier das gleiche Spiel. Aber vielleicht kommt seine Zeit noch. Klingende Grüsse, Der SchoTTe

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