Sandy Nelson

Sowas gab es eigentlich nur in den Sixties, oder zuvor allenfalls noch in Jazzszene, auf alle Fälle ungewohnt, dass DER DRUMMER in der Popmusik im Mittelpunkt steht, sprich er ist DER STAR, auch wenn auf den Plattencovers ab den Midsixties meist tanzende Mädchen prangen, oder als Variation Mädchen die ein Schlagzeug umgarnen… anyway… entgegen dem Trend „Jugend steht auf wilde gut ausschauende Sänger und junge Männer mit umgeschnallten Gitarren“ rutschte der aus San Diego stammende Trommler Sandy Nelson Ende 50er in die Rolle des Frontmanns. Sehr ungewöhnlich, er sang nicht (Nelson gehört zum Club der Instrumentalisten, war so gesehen ein direkter Nachfolger der prominenten Jazz-Drummer aus den Fifties), schrieb normalerweise die Songs nicht selber und trotzdem wurde er zum Helden, zu einem der einen immensen Einfluss auf das moderne Rockdrumming haben sollte. Sandy Nelson sah sich immer eher in der Rolle eines Bandleaders, einer der die Fäden in zentraler Position zusammen hält. Das klappte auch recht gut, und mit „Let There Be Drums“ gelang ihm 1962 ein massiver Hit.


 

Das Glück meinte es danach allerdings nicht allzu gut, nach einem Motorradunfall in Los Angeles anno ’63 musste ihm der rechte Fuss amputiert werden. Für jeden anderen Schlagzeuger wäre es das wohl gewesen, Sandy Nelson stellte seine Technik ganz einfach um und prügelte unbeirrt weiter auf sein Trommelarsenal ein, in den nachfolgenden Jahren allerdings mit stetig nachlassendem Erfolg, obwohl es da schlicht atemberaubende Episoden gab die da in Vinyl gepresst wurden. Entgegen der Gepflogenheit, dass viele Produzenten im Klangbild den Drummer „nach hinten“ mischten, war das bei Nelson natürlich gegenläufig, und er brauchte noch nicht mal tiefschürfende Solos zu spielen, alleine ein anständig mikrofoniertes und gut aufgenommenes Drum rückte ihn ins Zentrum des Geschehens, oder die Drumspur wurde mit Hall veredelt, wie beim „Batman Theme“ von 1966, dadurch entstanden ungewöhnliche Effekte.

Und da gibt es dann gewaltige Kracher die sich auf den unzähligen LP’s tummeln. „Hey Joe“, ein Cover des Songs von Love beispielsweise… meine Güte… der Stardrummer scheint der Begleitband immer einen Tick voraus zu sein, ein Rennen in irrwitzigem Tempo. Genau dasselbe bei „Jenny Take A Ride!“, da geht die Post ab als müsse ein Expressbrief befördert werden, da jagt Sandy Nelson die Snare mit extremem Kick vor sich her. Der Drumsound ist meist extrem hart, das ist Rock, pur, schnörkellos, aber immer geschmackvoll arrangiert und austariert. Selbstverständlich find man hier nicht nur Killergrooves, veredelt wurde selbstverständlich immer auch mit Gitarren und oft auch mit melodieführender Orgel.

Als 1964 die Record Company Imperial als Sublabel Liberty einverleibt wurde, fand sich Sandy Nelson dann plötzlich im selben Stall wie die Konkurrenten The Ventures. Der Erfolg liess ab ca. 1965 merklich nach, auch wenn z.B. Tracks wie „Drums A Go Go“ oder „And Then There Were Drums“ noch jahrzehntelang als Erkennungsmelodien in Funk und Fernsehen verwendet wurden.

Die frühe Phase von Sandy Nelson ist mittlerweile recht gut aufgearbeitet, die Jahre zwischen 1965 und 1975 bedürften aber endlich einmal einer genaueren Analyse unter dem Mikroskop, da existieren noch diverse LP-Perlen die noch nie aufbereitet, respektive gründlich entstaubt worden sind.

CD-Tipp: Ace Records hat wirklich klasse gemachte Nelson-Compilations im Angebot die (klanglich perfekt) auch die mittleren (Frat Party) und späteren Sixties (Beat Party) ausleuchten. Ohren auf und staunen!

LONG LIVE ROCK!
mellow

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