Tim Buckley – Jeff Buckley – Tragische Rocker 11

Zwei Lebensgeschichten, zwei herausragende Solisten, Vater & Sohn: Teil 1

Ich habe ja schon einige sehr tragische Geschichten hier im Rockzirkus erzählt, aber bisher keine die sich über zwei Generationen hinzieht. Zwei gekoppelte, facettenreiche, interessante Lebensgeschichten von zwei herausragenden Solo-Künstlern. Dazu auch noch Vater und Sohn. Ich beginne chronologisch mit dem Papa.

Tim Buckley: Tim Buckley (1966)

Tim Buckley: Happy Sad (1969)

Tim Buckley: Starsailor (1970)

Timothy Charles Buckley III – Kurz nach dem zweiten Weltkrieg 1947 ist Tim Buckley in der US-Hauptstadt Washington an der Ostküste geboren. Er begann sehr jung noch während der High-School als hauptsächlich folk-orientierter Singer-Songwriter, war aber aufgrund seiner Lebensgeschichte auch immer offen für andere US-amerikanische Musikströmungen. Früh spielte er Country-Rock mit Princess Ramona & The Cherokee Riders, Folk-Rock mit The Bohemians mit seinen Freunden Larry Beckett und Jim Fielder und dann Harlequins 3 diesmal aber schon an der Westküste. Wer in die Frühzeit von Tim reinschnuppern möchte, dem empfehle ich das selbstbetitelte Debüt (August 1966) in der Luxus-Doppel-CD Ausgabe von Rhino Records: Album Mono, Album Stereo, The Bohemians Demos (November 1965, heiratet die ehemalige Mitschülerin Mary Guibert), TB Acoustic Demos (Sommer 1966). Edelhelfer bei dieser ersten Solo-Produktion waren auch hier schon Multitalent Van Dyke Parks und Musiker & Journalist Lee Underwood. Er ist fortan auf allen Studio-Alben von Tim Buckley als Gitarrist zu hören und bleibt sein lebenslanger Freund & Mitstreiter. Die meisten der Songs wurden von Buckley und Larry Beckett gemeinsam geschrieben. Über die Mothers-Stationen Jimmy Carl Black (Schlagzeug), Herb Cohen (Manager) und eben Lee, findet er zu Jac Holzman und Elektra Records. Sein Debüt entsteht dort, und direkt bei Elektra werden auch alle Alben außer »Sefronia« (1973) und »Look At The Fool« (1974), die erscheinen auf dem Sub-Label Discreet, veröffentlicht. Rückblende nach 1965: Schnell die Trennung von Mary, am 17. November 1966 wird Sohn Jeffrey Scott geboren, Dezember dann die VÖ des Debüts »Tim Buckley«. In New York teilte er schon 1967 die Bühne mit beispielsweise mit Mothers Of Invention, Nico, Jefferson Airplane, Jimi Hendrix und in Los Angeles nahm er sein zweites Werk »Goodbye And Hello« auf. Er tourt danach auch durch Europa, aus der Zeit werden später verschiedene Konzerte veröffentlicht. Mit »Happy Sad« und »Blue Afternoon« (1969) sowie »Lorca« und »Starsailor« (1970) erleben die Fans eine kreative Eruption, aber auch eine Reise durch viele Stilrichtungen, es wurde vielseitiger, komplexer und experimenteller. Wer weiter den glattpolierten US-Folk-Pop wollte, wurde nun oft überrascht. Dabei setzte er jetzt auch stärker auf seine ausdrucksstarke Stimme und avantgardistische Klänge, auch Americana, Jazz, Psychedelia, Funk, Soul. Von vielen Kritikern wurden diese Werke berechtigt in den höchsten Tönen gelobt, der große Erfolg blieb allerdings leider aus, kommerziell waren sie ein Fiasko. Wie so oft, die Masse konnte nicht viel mit dieser besonderen Musik anfangen. Mich begeistert diese vergessene Musik in einer Nische bis heute und deshalb ist die unglaublich vielseitigen Karriere des Tim Buckley auch ein würdiger Kandidat für den sensationellen Rockzirkus.

Tim Buckley: Promo_2

Tim Buckley: Promo_3

Tim Buckley: Promo_4

Sternen-Seemann – Das Lied »Song To The Siren« vom Album »Starsailor« (1970) ist unter anderem sein bekanntestes, wurde später unter anderem von Robert Plant, Bryan Ferry und John Frusciante gecovert. Es ist wieder einmal ein Künstler der mit seinen Alben ein wenig seine Lebensgeschichte schreibt. Er hat sich nicht dem Druck der damaligen übermächtigen großen Plattenfirmen gebeugt, hier Major Elektra Records, er ist seinem Weg treu geblieben und hat damit ein wunderbares Vermächtnis für die Musikliebhaber hinterlassen. Aus dem Folk- und Pop-Interpret wurde ein echter Experimentierer. Die ursprünglichen Fans wurden immer weniger, die Verkäufe auch, der Druck auf Tim Buckley nahm enorm zu. Der kommerzielle Misserfolg stürzte Tim in eine schwere Krise. Er war aber schon ein Star, wollte seine ureigene Musik machen, er wollte nicht von seinem Weg abweichen. Der junge Tim begann hart zu trinken und auch andere Drogen zu konsumieren. Gleichzeitig setzte ihn die Elektra Records noch mehr unter Druck. Die fast zweijährige Zeit bis zum nächsten Album »Greetings From L.A.« (1972) ist sehr schwierig. Obwohl darauf der gute Song »Sweet Surrender« enthalten ist, wird die Luft für Tim immer dünner. Nach »Look At The Fool« (1974) war das Maß voll. Wieder einmal schlechte Verkaufszahlen führten zur Trennung von Elektra. Im diesem Jahr sah seinen damals achtjährigen Sohn Jeffrey zum ersten und letzten Mal. Am 28. Juni 1975 besuchte Tim mit seiner Frau den Universitäts-Assistenten Richard Keeling. Der bot dem ehemaligen Junkie Buckley, seine wilden Drogenexzesse sollen schon länger zurückgelegen haben, ein weißes Pulver zum Schnupfen an. Er nahm eine ordentliche Prise davon, weil er glaubte es sei nur Kokain. Es handelte sich aber um unverschnittenes Heroin. Tim Buckley brach ohnmächtig zusammen, den nächtlichen Rückweg in seine Wohnung begleiteten Ehefrau und Keeling. Er bekam dort Atemnot, ein sofort herbeigerufener Notarzt konnte auch nicht mehr helfen. Früh morgens um circa 09:40 Uhr starb Tim Buckley in der Notaufnahme des Santa Monica Hospitals an diesem extremen Drogen-Cocktail. Gegen Keeling wurde ein Verfahren wegen Totschlags eingeleitet. Damit hatte Keeling nicht gerechnet. Doch das kalifornische Gesetz machte da strikte Vorgaben. Wer die Drogen zur Verfügung stellt, der ist auch für den etwaigen Tod der Nutzer mitverantwortlich. Verschiedene enge Freunde berichteten, Tim Buckley sei in dieser Zeit guter Stimmung gewesen, hätte sich auf einen neuen Abschnitt in seiner Karriere gefreut. Vielleicht auch deshalb der Rückfall zu Drogen. Mehrere Labels hätten großes Interesse an seiner Arbeit angemeldet, denn eine neue musikalische Zeitrechnung, neben Klassischen mit neuen Stilen, war angebrochen. Ich bin sicher Tim und Jeff hätten sich gegenseitig inspiriert. Tragisch, das hat leider nicht geklappt. SchoTTenTipp: »The Complete Album Collection« (8CD) inklusive der großartigen Raritäten-Sammlung »Works In Progress«.

Dream Brother: The Lives Of Tim And Jeff Buckley

Works In Progress – An dieser Stelle schon einmal der Hinweis auf das sehr aufschlussreiche 400-seitige Buch »Dream Brother: The Lives Of Tim And Jeff Buckley« vom amerikanischen Autor David Browne, das deshalb natürlich in Englisch aber auch in Französisch und Italienisch erschienen ist. Leider sind Tim & Jeff an der Masse der deutschsprachigen Folk-Rock-Fans vorbeigegangen. Ich suche aber gerade eine Möglichkeit dieses Buch zu übersetzen oder im zweiten Teil eine ausführlichere Beschreibung vorzustellen. Ich werde dazu aber weiter berichten. Um die Spannung zu halten, habe ich diese Geschichte geteilt und werde den zweiten Teil mit Jeff demnächst mal erzählen. Wenn man denkt, tragischer als mit Tim geht es nicht mehr, lasst euch überraschen !! Für mich sind Tim Buckley ebenso wie sein Sohn Jeff Buckley ganz große Stars der 70- und 90iger, Beide vielleicht bei den Deutschen nicht so bekannt, aber ebensolche gewichtige Legenden wie der britische Song-Poet Nick Drake. Tragisch wie immer in dieser Serie !!

Weiterlesen RZ: Tragische Rocker – Klingende Grüsse, egal wo ihr seid, Der SchoTTe

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