Billy Strange

Billy wer?

Okay, die Fragen türmen sich jetzt wohl haushoch, vielleicht zu Recht, der Name Billy Strange ist mittlerweile nicht mehr vielen geläufig, obwohl jeder an den Sixties interessierte Musikfreak diesen begnadeten Saitenartisten schon mal gehört hat: Nehmen wir mal „These Boots“ von Nancy Sinatra, ja, das ist Billy Strange himself an der Gitarre, auch für ihren Papa stand er im Studio. Billy Strange gibt es auch bei Elvis’ „Viva Las Vegas“ und „A Little Less Conversation“ das Strange geschrieben und für Mr. Presley arrangiert hat oder „Sloop John B.“ von Brian Wilson, auch hier hinterliess der Saitenzauberer seine Spuren. Wenn ich jetzt schreibe, dass er eines der Zugpferde der berühmten Wrecking Crew war, dann geht vielleicht ein Licht auf, ich bringe mal Phil Spector, Beach Boys, Mamas & Papas, Frank Sinatra, Ventures und Everly Brothers ins Spiel.

Gerade diese Zeit in der Entwicklung der populären Musik ist extrem spannend, Mitte Sixties liefen scheinbar dauernd die Bandmaschinen mit, vor allem natürlich am statusgemässen Arbeitsort eines Studiomusikers, einem Tonstudio.

Billy Strange veröffentlichte eine Menge eigener Platten, meist waren das von GNP Crescendo billig aufgemachte Longplayer die in den Verkaufsständern von Supermärkten landeten. Was man auf den ersten Blick kaum vermuten würde, diese LP’s sind hochkarätige Sammlungen von instrumentalen Versionen gerade angesagter Hits, quer durch alle Bereiche, meistens aber nach musikalischen Stilen zusammengestellt – Bluegrass, Pop, Folk, Country, Surf, Beat – aber auch Filmmusik wurde auf diese Weise kompiliert.

Im ehemaligen Forum des Rockzirkus meinte mal jemand:
Was für eine Talentverschleuderung durch das wahllose Nachdudeln von Fremdhits.

Nun, das ist offenbar vor allem eine typische „Unart“ oder Besonderheit der Fifties und Sixties. Was einmal ein Hit ist oder war, garantiert sicher Airplay und erhöhte Verkäufe. Manche Autoren und Manager begriffen ausserdem schnell einmal, dass sie damit im Tantiemenbereich ein Vermögen anhäufen konnten, siehe Lennon/McCartney, Jagger/Richards, Mann/Weil, Goffin/King oder im Surfbereich Brian Wilson, je öfter ein Song gecovert wurde, umso mehr klingelte es in der Kasse der Komponisten, sie waren also durchaus an Covers interessiert und es durften auch Hits draus resultieren. Typen wie Billy Strange, Jerry Cole oder der Drummer Hal Blaine waren hochkarätige Vollblut-Studiomusiker, die arbeiteten für einen monatlichen Gehaltscheck oder kriegten ihr Honorar bar auf die Hand. 100 oder 200 Dollar für eine Session, was man einmal in der Tasche hatte, konnte einem keiner mehr wegnehmen. Egal ob aus den Aufnahmen ein Chartbreaker herausschaute oder nicht, sie gehörten zur Sessionequipe die man „buchen“ konnte, das war ihr Job, und erst noch mit einigermassen geregeltem Einkommen. Ausserdem brauchten sie nicht zu touren, sie konnten sich ein geregeltes Privat-/Familienleben aufbauen. Von Talentverschleuderung würde ich nicht unbedingt sprechen, die angesagten Studiocracks genossen ihr Dasein und einige der Szene-Leader hatten auch die Möglichkeit unter eigenem Namen Tonträger zu veröffentlichen, auch wenn es Platten waren die von den Record Companies in trashiger Aufmachung (Stichwort: “Sex sells”) auf den Markt geworfen wurden. Die Musiker die auf den originalen Hits spielten waren also oftmals dieselben wie bei den billig wirkenden Instrumental-Compilations in den Drehständern von Shops und Tankstellen. Die Interpreten hingegen waren definitiv keine Drittklasstanzmusiker aus dem Hinterland sondern gestandene Profis, einfach mit dem Unterschied, dass sie anonym blieben, der einzige Name der vielleicht auf einem Plattencover auftauchte war derjenige des “Stars”, in diesem Fall Billy Strange, auch wenn den ehrlich gesagt niemand kannte weil er normalerweise ja hinter den Kulissen für andere tätig war.


Billy Strange war vor allem ein Meister auf der akustischen 12-String-Gitarre die zu Beginn der Sixties eher noch ein Schattendasein führte, prinzipiell bearbeitete er aber alles was an Saiteninstrumenten gerade verfügbar war, noch nicht mal von Banjos liess er die Finger. Auch „elektrisch“ vermochte er zu überzeugen, und wie, seine Tremolo-Coverversion von „Satisfaction“ in der TV-Show Hollywood A-Go-Go (1965, mit den Challengers als Begleitband und diversen herumwirbelnden Tänzerinnen, sogenannten Go-Go-Girls) ist eine exquisite dampfwalzende Fingerübung, als Studiomusiker musste man eben immer auch die neuesten Trends, Tricks und Songs kennen und in kürzester Zeit beherrschen, sonst war man rasend schnell weg von Fenster.

Leider wurde die Diskografie von Billy Strange bis heute noch nicht gebührend aufbereitet und ist nach wie vor ein ziemlich unübersichtliches Stückwerk einzelner Reissue-Labels geblieben. Was aber erhältlich ist kann ich ausnahmslos empfehlen, beispielsweise die Folk Rock Hits (1965), Great Western Themes (1968) mit beeindruckenden Versionen  von „The Good, The Bad And The Ugly“ und „High Chapparal“ (inklusive Leadgitarre, VOX-Orgel und wunderschön tanzendem Bass) oder den Longplayer Railroad Man mit diesen mitreissenden Dampflokcollagen am Anfang der Tracks.

Ab den 70ern arbeitete Billy Strange in erster Linie als Produzent.
Der gebürtige Kalifornier verstarb 2012 in Franklin Tennessee im Alter von 82 Jahren.

LONG LIVE INSTRUMENTAL MUSIC!
mellow

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