Atlanta Rhythm Section - Third Annual Pipe Dream

Atlanta Rhythm Section – Third Annual Pipe Dream

Third Annual Pipe Dream

 

Kürzlich fiel mir die Atlanta Rhythm Section mit der LP „Third Annual Pipe Dream“ wieder ein, eine LP die so etwas von quer in meiner Sammlung lag (in den 70ern), aber ein Album welches ich nicht weggeben würde. Das lokale Brockenhaus kann von mir aus (und hat schon) hunderte von Tonträgern gratis und franko erhalten, aber die bleibt hier. Die Platte muss ich mir um 1975/76 gekauft haben und war wohl neben Dr. Feelgood die erste LP, die nicht aus Krautrock bestand. ELP mit „Tarkus“ und andere hatte ich damals schon vor einiger Zeit abgestossen (Deals in der Schule).

 

Normalerweise weiss ich ziemlich genau, warum, wieso und überhaupt ich eine Platte in der Sammlung habe. Keine Idee betreffend ARS. Das fiel halt in die Zeit als der Krautrock für mich im freien Fall war (post Autobahn) und ich mich musikalisch gezungenermassen neu orientieren musste. Zum Glück kamen damals Dr. Feelgood auf die Bühne, der Pubrock gewann an Fahrt und Punk wurde sichtbar. Da bin ich überall dabeigeblieben. ARS mit diesem Album war allerdings ganz sicher vor Punk (veröffentlicht 1974) und ich würde mal behaupten, wenn Punk damals schon auf dem Tapet gewesen wäre, hätte ich mir das Album wohl nicht zur Gänze angehört.

 

Irgendwie habe ich das Gefühl, ich bin da nur auf das Wort „Rhythm“ im Bandnamen angesprungen (wobei ich dieses etwas irrlichtendere Einkaufsverhalten – zum Glück – bis heute durchgehalten habe – ich stelle mir nur vor, was mir da alles entgangen wäre). Jedenfalls war die Musik Universen weg von meinen bevorzugten sonstigen Bands. Aber eines ist klar, eine kleine Sammlung hat mir damals geholfen, auch wirklich in Alben reinzuhören, die ich jetzt nicht beim ersten Mal so brillant fand und hat dazu geführt, dass ich heute Tontäger auf die berühmte Insel mitnehmen würde, von denen ich damals wohl eher etwas enttäuscht war.

 

So eine ist die „Third Annual Pipe Stream“. Aber, um die Kirche im Dorf zu lassen, es ist für mich noch immer Mainstream, aber exzellenter Mainstream und das auch nur, weil ich die Platte damals durchgenudelt habe bis zum geht-nicht-mehr. Ich habe später noch andere ARS Tonträger gekauft, aber, ehrlich gesagt, geflasht hat mich da nichts mehr.

 

Die Tracks:

 

Doraville

Jesus Hearted People

Close The Door

Blues In Maude’s Flat

Join The Race

Angel (What In The World’s Come Over Us)

Get Your Head Out Of Your Heart

The War Is Over

Help Yourself

Who You Gonna Run To

 

Ich gestehe, gerade in diesem Moment rücke ich meine Beurteilung des Albums etwas zurecht. Bald 45 Jahre war das für mich ein Showpiece von (extrem) gut gemachter Popmusik. Nix da Southern Rock, da kenne ich andere Kaliber, aber heute muss ich sagen, wahrscheinlich hatte ich jahrzehntelang ein Problem mit meinem Gehör. Es ist mir wirklich noch nie aufgefallen wie stellenweise die Gitarren krachen und das Schlagzeug loslegt. Vieles ist natürlich noch immer Softrock, aber das ist gar nicht so hervorstechend wie ich es in Erinnerung hatte. Gerade was die Gitarren betrifft, könnten die sechs Protagonisten auch in einer härteren Kapelle gespielt haben. Ein Track wie „Angel (What In The World’s Come Over Us)“ zeigt dies. Und dann folgt „Get Your Head Out Of Your Heart“, and das rockt so gut wie gar nicht, ist aber einfach einwandfrei gemacht. „Doraville“ oder „Jesus Hearted People“ sind ebenfalls Songs die in die Richtung relaxed gehen. Nicht zu vergessen „The War Is Over“, wobei ich gerne zugebe, der Zuckerguss auf letzterem ist etwas arg viel. Jedenfalls nichts für Diabetiker.

 

Aber spätestens mit „Help Yourself“ wird man wieder auf den „rocking“ Boden zurückgeholt. Die Band bestand zu der Zeit aus

 

Ronnie Hammond – Lead Vocals, Percussion

Barry Bailey – Guitars

J.R. Cobb – Guitars, Percussion

Paul Goddard – Bass

Dean Daughtry – Keyboards

Robert Nix – Drums, Percussion

 

Wenn ich die Platte auflege, dann sind für mich die ersten beiden Songs so etwas wie die Erkennungstracks dieser Band, „Doraville“ und „Jesus Hearted People“. Es gibt immer wieder so Songs, die transportieren eine Stimmung die einfach nur mit Wohlfühlfaktor zu umschreiben ist. Ich habe in den letzten 18 Monaten garantiert nicht mehr als fünf LPs gehört und im Moment läuft dieses Album bei mir von YT, aber ich müsste mir mal eine CD organisieren (auf dem Schreibtisch steht eine Yamaha Network-Anlage). Mal sehen wo ich die CD herbekomme.

 

Ziemlich interessant (für Mitte 70er) war auch die Tatsache, dass die Band aus sechs Mitgliedern bestand (mal abgesehen von den Allman Brothers und vielleicht noch Frank Zappa waren das so etwas wie Exoten – die Standardband bestand aus vier, wenns hoch kam aus fünf Mitgliedern). Schade eigentlich, hatten ARS nicht mehr Erfolg in Europa, aber da bin ich ein tiny weeny bit auch schuld, meine Nachfrage nach ARS Produkten war in der Folge nicht so gross, dass der Markt auf dem Kopf gestanden wäre. Und jetzt noch „Blues In Maude’s Flat“, exzellent, einfach nur exzellent. Sogar Blues können die von der ARS! Eine absolute und 100%ige Empfehlung.

(Visited 78 times, 1 visits today)

Ein Kommentar

  1. Als CD gibt es „Third Annual PipeDream“ entweder von gott im Doppelpack mit der „Rock And Roll Alternative“ oder der Box „The Polydor Years“. Ich würde die Box vorziehen. In der Box sind 8 Alben vertreten, angefangen mit „Third Annual PipeDream“.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

vier × 5 =