Beat Fräuleins (Teil 8)

Hier werden einige Auswahlkriterien der Überschrift Beat Fräuleins zwar nicht ganz erfüllt weil die Sängerin bei Veröffentlichung des Songs schon 25 Jahre alt (also schon so richtig erwachsen) und das Beatzeitalter eigentlich schon zu Ende war, aber der überwältigende Titel „Wie a Glock’n“ der Wienerin Marianne Mendt atmet, obwohl von 1970, noch immer auf wunderbare Weise den Geist und den Rhythmus des vorangegangenen Beat-Jahrzehnts. Musikalische Erfahrungen hatte Marianne Mendt (ein Künstlername, gebürtig eigentlich Marianne Krupicka) zuvor schon gesammelt, 1967 veröffentlichten die Band Jerry’s Internationals zwei EP’s bei denen sie als Sängerin und Bassistin beteiligt war. Die beiden Vinyl-Exponate sind heutzutage recht teuer gehandelte Raritäten, falls sie überhaupt einmal auf dem Markt auftauchen, muss man schon mal 200 € aufwerfen um so ein Exponat zu erwerben.

Solang i was, dass i an hab der mi mag
Solang is jeder Tag für mi a glicklicher Tag
Wann i nur was er kummt ham zu mia
Dann kumm i ma vor als wia
A Glock’n die 24 Stund‘n läut

„Wie a Glock’n“ (Text: Gerhard Bronner / Musik: Hans Salomon) war eigentlich die Titelmelodie von Bronners satirischer TV-Sendung Die grosse Glocke, die mit Text versehene krachende Glocken-Version von Marianne schaffte auf Anhieb Spitzenplätze in den deutschsprachigen Charts und tauchte auch in den Top 100 der österreichischen Jahreshitparade von 1970 auf. Ungewöhnlich an dem dynamischen Song war in erster Linie der Vortrag in „ordinärem Dialekt“ (ein Weg den Anfang 70er beispielsweise auch Joy Fleming einschlug) für viele selbsternannte „Hüter des guten Geschmacks“ ein Albtraum, Marianne steht damit aber als eigentliche Lanzenbrecherin am Anfang des Genres Austropop.




Im Münchner Olympiastadion (das offenbar kurz vor der Fertigstellung stand, also ca. 1971) wurde inklusive Olympia Dackel-Maskottchen ein Promotionclip gedreht (die Sängerin trug einen trashigen “Kuhfellmantel“) und in der Kinokomödie Das haut den stärksten Zwilling um im selben Jahr trug die stimmgewaltige Shouterin den Song „Wie a Glock’n“ in der Rolle einer Wirtin ebenfalls vor (klasse, auch die Wurlitzer-Kiste in der Gaststube!), es war der eigentliche Startschuss zu ihrer Karriere als Schauspielerin. Die LP Wie A Glock’n (1970) und die von André Heller produzierte Langrille Gute Lieder sind wie Pistolen (1972) wurden 2010 von Bear Family unter dem Titel Marianne Mendt – Wie A Glock’n – Die EMI-Aufnahmen 1970 – 1972 neu aufgelegt, mittlerweile ist das Doppelpack leider vergriffen. Der Musik blieb Marianne Mendt trotz ihren Engagements in Film, Fernsehen und Theater stets treu, sie ist bis heute ein österreichisches Urgestein in Sachen Jazz, Soul, Pop und Chanson.

 

Von mir aus…
Schreib‘ dir die Finger wund
Und folg‘ mir wie ein Hund
Das ist alles doch nur Heuchelei

Von mir aus…
Steh‘ nachts vor meinem Haus
Ich mach‘ mir nichts daraus
Denn was einmal vorbei ist, ist vorbei

Ann Gogo & Rudi Bauer & Sein Orchester – Von mir aus (7‘‘, 1966, CBS)

Ganz grosses Texte-Kino (zumindest der Reim auf den Hund), so etwas gab‘ es wohl nur in den 1960ern, also den „Anti-Love-Song“, eine Form der Lyrik die man vor allem im Bereich Yé-Yé antreffen konnte. Ein Vom Typen sitzen gelassenes Mädchen rechnet ab, sagt dem Kerl klipp und klar wohin er sich scheren kann. In diesem Fall und mit deutschem Text tausendmal aussagekräftiger auf den Punkt gepunktet als in der sülzigen Country-Originalvorlage „Under Your Spell Again“ des Amerikaners Buck Owens von 1959. Das was hier die Belgierin Anneke Soetaert unter dem Pseudonym  Ann Gogo für den deutschen Markt  abfeuerte war brutal stark, mit so viel Groove und fettem Beat konnte auch keine ihrer Benelux-Aufnahmen mithalten. Dasselbe gilt auch für die B-Seite „Du kannst mir viel erzählen“, ein Originaltitel von Relin/Olden im damals angesagten Westcoast-Jingle-Jangle-Sound à la Byrds und Sonny & Cher und einem Text der Marke „Mädchen ist zwar jung, aber absolut nicht naiv geschweige denn doof“:

Du sagst du hast den Mondenschein allein für mich bestellt
Du sagst du kaufst mit einem Blick für mich die ganze Welt
Du sagst ich wär‘ dein Talisman der jeden Wunsch erfüllen kann
Du sagst, dass ich mit dir allein das grosse Los gewann

Du kannst mir viel erzählen, doch ich hab‘ dich längst durchschaut
Ich halte nichts von Häusern, die allein auf Sand gebaut…
Ich hab‘ dich längst durchschaut

Diese deutsche Single von Ann Gogo ist typisch für die Musikszene der 6oer die damals noch nicht internationalisiert und standardisiert  war. Die nationalen Märkte wurden gehegt und gepflegt und man versuchte deshalb auch sich mit spezifischen Songs in der entsprechenden Landessprache zu etablieren. „Von mir aus“ wurde kein Hit und ging vergessen, genauso wie Anneke Soetaert die heiratete und danach Ann Bradford hiess.


mellow

(Visited 68 times, 1 visits today)

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

5 − eins =