Michael van Merwyk – The Bear

Michael van Merwyk – The Bear

 

Michael van Merwyk? Nein, noch nie gehört, da bin ich zu 100 % sicher. Und es ist ja jetzt nicht so, dass ich eine Bluesphobie hätte, im Gegenteil, ein ganz anständiger Teil meiner Sammlung besteht aus Blues (wie auch immer). Miles Davis hat in Interviews fast immer nur von Blues in seiner Musik gesprochen (und eine Zillion anderer Jazzer auch). Aber natürlich ist das nicht diese Version von Blues sondern …

 

… die deutsche Variante, Krautblues sozusagen. Von wegen, nichts, aber auch gar nichts deutet auf eine rechtsrheinische Herkunft des Barden hin. Aber eigentlich ist das nicht verwunderlich, es scheint, dass Blueskünstler das Genre besser verinnerlicht haben als das Äquivalent in der Rock- und Popszene. Der Zuhörer schlägt sich nicht mit vermurkster Sprache rum à la „a softly rain fell down“ und die Aussprache erinnert auch nicht an einen Erstklässler im Englischunterricht.

 

Irgendwie steht aber Michael van Merwyk nicht alleine da, das ist mir schon bei etlichen Bluesern (wenn sie denn nicht der englischen Muttersprache sind) aufgefallen, der eigene Anspruch scheint sehr viel höher zu sein. Gut, das kann natürlich bis zum plumpen Nachäffen gehen, aber MvM hat die Kurve, lange bevor sie überhaupt sichtbar wurde, elegant genommen.

Ich mach diese Besprechung auf Grund eines Downloads, so dass die Aussagen zur Tonqualität mit Vorsicht aufgenommen werden müssen (MP3 – Satanas weiche!). Tönt relativ gut, ich bin mir aber fast sicher, die CD profitiert auf einer einigermassen anständigen Anlage. Werde ich ja sehen, da der physische Tonträger geordert ist.

 

Track Listing:

  1. Shotgun Boogie
  2. Blues Stop Knocking
  3. Sometimes Angels Come In Red
  4. The Bear (Acoustic)
  5. We’re Human
  6. It’s Fun Being Crazy
  7. Deep Blue Sea
  8. Bad Blues
  9. Fool Yourself
  10. Dark & Stormy Night
  11. The Bear (Reprise)

 

„Shotgun Boogie“ habe ich als diehard Dr. Feelgood Fan kurz mal nur als Titel (nicht als Musikstück) mit „Shotgun Blues“ verwechselt. Und trotzdem, der Boogie hat mehr als eine Aehnlichkeit mit dem Blues. Na gut, ein Boogie ist ein Boogie ist ein Boogie und ein Blues ist ein Blues ist ein Blues und beide zusammen sind sehr nahe Verwandte. Mit „Blues Stop Knocking“ klopft der Bakersfield Sound an meine Türe, mit Honky Tonk Piano und allem drum und dran. Ich bin ja total Bakersfield Fan (Dwight Yoakam oder Buck Owens etc.), aber ich weiss nicht so recht, ob einem eingefleischten Blues Fan diese Umleitung gefällt. Kudos an MvM dass er sowas auf einem Album unterbringt, alleine dafür gibt’s von mir die volle Punktzahl.

 

„Sometimes Angels come in Red“ ist ein sophisticated Schlurfiblues den man zum passenden Event in den Player schieben sollte. Das swingt, ist relaxed und macht Freude. Nicht die Headbangerfreude, sondern eher die Connaisseurfreude. Allerdings kann das Album nicht ganz den Level halten, denn nach den ersten drei Tracks flacht die CD etwas ab. Tracks 4 bis 11 sind wohl eher für den hardcore Blueser gedacht (sprich Akustische und ein Bluessänger der seine Seele dem Teufel an einer Kreuzung verkauft – kommt mir irgendwie bekannt vor). Das ist immer noch hohes Niveau, aber für mich ist etwas die Spannung raus. Den Rest der CD würde ich in den Player schieben wenn ich mich nicht total auf das Gebotene konzentrieren müsste.

 

Aber nur damit wir uns richtig verstehen, langweilig ists mitnichten, da ist einfach ein kompletter Mood Change und eigentlich hätte man daraus zwei verschiedene Tonträger machen müssen. „It’s Fun Being Crazy“ sticht daraus wieder hervor, auch wenn sich dazu die Rentnerband auf der Tanzfläche herumschiebt. Naja, der Rollator wird nicht überbeansprucht. Mit „Bad Blues“ kommt geradezu eine Ahnung von Bluesrock auf (muss mal kurz aufpassen, dass ich nicht hyperventiliere) und etwas die flottere Tanzsohle gibt’s bei „Fool Yourself“.

 

Auf der nach unten und oben geschlossenen Skala gibt’s aber eine sehr gute 8/10 (das zeigt sich ja schon deswegen, dass ich die CD bestellt habe). Wenn man die Erwartungshaltung nach den ersten drei Tracks überwinden kann, dann ist das ein sehr gutes Album, für das ich gerne bereit bin einen Obolus zu entrichten. In diesem Sinn „I Woke Up This Morning, Got Myself A Beer“.

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