Beat Fräuleins (Teil 6)

Klick.
Sagte Uschi Glas 1968 auf ihrer Single „Cover Girl“ als sie das Geräusch eines Kameraauslösers imitierte. Eine wirklich witzige Popnummer, vor allem auch im Zusammenhang mit ihrer Karriere als Schauspielerin betrachtet, denn Anfang 70er zierte sie wirklich jedes Zeitschriftencover in Deuschland, sie war sozusagen das Vorzeigegesicht einer ganzen Nation. „Cover Girl“ wartet mit coolem, zeitgeistigem „Blow Up“-Beat-Feeling auf, erzählt  von einer aufwendige Fotoshooting-Session und zum Schluss entscheidet sich der Chefredakteur dann doch gegen die Glas und für Günter Grass. Sag also mal einer in Bayern wäre man nicht „Up To Date“ (ein weiterer Uschi-Titel von 1969) gewesen, die provinzielle Metropole München mauserte sich innert weniger Jahre von der bäuerlichen grauen Maus zur Weltstadt die mittels einem Lockstoff wie Uschi Obermeier selbst Stars wie die Rolling Stones anlockte. Zugegeben, das Beat-Feeling machte sich 1968 langsam vom Acker, trotzdem finde ich „Cover Girl“ äusserst gelungen, ein Grund Uschi mit ihrem zeitgeistig/legendären „Zigi-im-Gesicht-Bild“ zum Aushängeschild von Teil 6 meiner Beat-Fräuleins-Berichterstattung zu wählen.


Unter den Fittichen von Giorgio Moroder fabrizierte Uschi in dessen Musicland Studios noch ein paar weitere Kurzrillen z.B. „Chucky / Bobby Taylor“ (1970) oder vor allem auch die beschwingt rockende Powerpop-Nummer „Wenn dein Herz brennt“, ebenfalls von 1970, eine Coverversion von Edison Lighthouse’ „Love Grows“. Mitte 70er gab Uschi ihre Plattenkarriere zugunsten der Schauspielerei auf, mal abgesehen von einem „Verbrechen auf CD“ zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

 

Heidi Franke.
Die deutsche Sprache ist äusserst vielfältig und detailreich, sie eignet sich hervorragend um Geschichten zu erzählen, siehe die Literaten Schiller, Goethe, Hesse oder Grass. Manchmal allerdings wurden literarische Höhenflüge auch aus dem Verkehr gezogen, die Geschichte kennt da diverse Beispiele. Ein kaum bekannter Fall: 1968 wurde eine Musik-Produktion der österreichischen Songwriter Otto Demler und Hans Werner ganz einfach ignoriert und auf diese Weise eben auch zensuriert, ein solch bösartiger Text konnte den Bürgern, respektive den wohl treuesten Staatsangestellten der Bundesrepublik Deutschland nicht zugemutet werden, es war eine unverschämte Provokation. Es waren aber wohl nicht behördliche Zensurstellen sondern ganz einfach die deutschen Radiosender inklusive Radio Luxemburg die sich weigerten den Titel zu spielen.

Wer beim munter in Byrdsmanier drehenden Song „Die Blumen sind für Sie Herr Polizist“ von Heidi Franke genau hinhört, der kommt aus dem Staunen nicht heraus: Das ist Satire pur die mit bitterbösen zynischen Textpassagen wie „Wer fängt Gangster wenn sie tot sind?“ / „Wer versteht nicht was geschehen?“ / „Wer spritzt Wasser auf Studenten?“ und der gesungenen Antwort „Die Blumen sind für Sie Herr Polizist, weil man den Freund und Helfer nie vergisst“ auf der ganzen Linie zu überzeugen weiss. Beim immer wieder auftauchenden dissonanten Orgelbreak hielten sie sich wohl sämtliche Polizisten die das zu hören bekamen die Lauscher zu, das war für sie genau so wenig lustig wie der tobende Strassenkampf zu dem sie jeweils mit Wasserwerfern und Schlagstöcken bewehrt ausrücken mussten. Die bei Polydor erschienene Single mit dem „Neon-Regenbogen“ (ein Cover von Box Tops„Neon Rainbow“) auf der B-Seite verschwand umgehend im Nebel der jüngeren deutschen Geschichte, einzig im Spiegel (Ausgabe 17/1968, Titel: „Studenten auf den Barrikaden“) fand sich ein klitzekleiner Hinweis auf die Platte.

Hätte ich „Die Blumen sind für Sie Herr Polizist“ um 1980 herum schon gekannt, ich glaube ich hätte den Song dann jeweils unseren lieben Zürcher Ordnungshütern vorgeträllert während sie uns unschuldigen Kunstgewerbeschülern mit Gummischrot und Tränengas das Leben schwer machten.

Heidi Franke veröffentlichte zwischen 1966 und 1969 insgesamt fünf Singles, darunter auch „Die Sonne scheint nicht mehr ohne dich“, eine Coverversion von „The Sun Ain‘t Gonna Shine Anymore“ von den Walker Brothers.

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