Wynder K. Frog – Hooky, Shimmy And Shake

Wynder K. Frog – Shook, Shimmy And Shake

Cherry Red brachte 2018 endlich eine Box mit den drei Alben, vollgepackt mit etlichen Boni, von Wynder K. Frog in den Verkauf. Wer sich für einen der besten Organisten in Pop, Rock, Blues und Soul interessiert kommt an Wynder K. Frog nicht vorbei.

Hinter dem Pseudonym/Bandnamen Wynder K. Frog verbirgt sich der 1944 in Bolton, Lancashire, geborene Michael Weaver. Seine Karriere als Musiker begann in der lokalen Band eines Mike Haslam. Als DECCA Records in Zeitungsanzeigen einen Organisten suchte der Bluesmusiker in ihren Studios begleiten sollte, bewarb er sich und wurde eingestellt. Seine Band, The Chapters, löste sich auf und Wynder K. Frogg wurde gegründet. Der Name stammte von einem Song des Sängers von The Chapter Mike Lynch. Der Song nannte sich „King Of The Frogg Blues“. Als sich Mick Weaver von der Band verabschiedete blieb der Name Wynder K. Frog, diesmal nur mit einem „g“ in „Frog“. Mit ihm verließen zwei andere Mitglieder die Chapters, Alex Kirby (Saxophon) und Dave Webb (Schlagzeug). Am Anfang bestand die neue Band aus Marianne Stockley, spätere Friday Brown (Gesang), Johnny Brennan (Bass), Wilf Lewis (Gitarre) und den drei oben genannten Ex-The Chapter Mick Weaver, Alex Kirby und Dave Webb. Mick Weaver spielte damals noch eine Farfisa. Vorbilder der Band waren Booker T.& The MG’s, James Brown, Mose Allison, Graham Bond und Georgie Fame.

Mick Weaver aka Wynder K. FrogUm 1965 kam für Mick Weaver der Wechsel von der Farfisa zur Hammond. Schuld an dem Wechsel war seine Begeisterung für die Musik von Jimmy Smith. Er stieg bei der Band The Wot Not ein. The Wot Not besaß eine Hammond Orgel. Zusätzlich zu der Möglichkeit auf einer Hammond zu spielen,  wechselte die Band ihren Namen in Wynder K. Frog, Mick Weaver konnte so unter seinem eigenen Bandnamen weitermachen. Die neue Wynder K. Frog bestand aus Ron Carthy (Trompete), Ian Cooper (Drums), Norman Mather (Gitarre), Allan Peake (Bass) und Billy Simmons (Saxophon). Die „neuen“ Wynder K. Frog waren erfolgreicher als die alte Formation. Erfolgreichen lokalen Bands blieb Mitte der 1960er Jahre nichts anderes übrig als ihre Karriere in London fortzusetzen. Wynder K. Frog bekam die Möglichkeit im 1966 eröffneten Tiles Nachtclub aufzutreten. Ihre Musik passte genau zu dem damals populären „Swinging Lomdon“. Ian Smithers von West End Promotion wurde auf sie aufmerksam und vermittelte sie zu Chris Blackwell von Island Records. Blackwell wollte wissen wie die Band bei einem größeren Publikum ankam und brachte sie in den Marquee Club. Der Auftritt war sehr überzeugend und Chris Blackwell nahm sie unter Vertrag. Blackwell ging mit ihnen in die berühmten Studios in der Denmark Street und nahm „I’ve Got A Woman“ von Jimmy Smith als Demo auf. Der Song erschien als Single in limitierter Auflage.

Die erste offizielle Aufnahmen für Island Records entstand im Sommer 1966. Es war ein Cover von „Turn On Your Lovelight“ von Bobby Blue Bland und hier in einer instrumental Version.

Die Musiker von Island Records bildeten mehr oder weniger eine Familie und verhalfen sich gegenseitig zu Auftritten. Einer dieser Auftritte war in der BBC im Saturday Night Club mit „Wade In The Water“ von Graham Bond. Mick Weaver nahm an immer mehr Studiosessions teil und die Leute verbanden den Namen Wynder K. Frog direkt mit ihm und nicht mehr mit der Band. Im Dezember 1966 war genügend Material für ein Album zusammengekommen. Die LP wurde in Anlehnung an Donovans „Sunshine Superman“ „Sunshine Super Frog“ genannt. Die Platte erschien als Album von Wynder K. Frogg! Das zweite „g“ im Namen war ein Versehen der Plattenfirma.
Als Produzent wurde Jimmy Miller auf dem Cover genannt, in Wahrheit teilten sich Chris Blackwell, Syd Dale und Jimmy Miller die Arbeit. Chris Blackwell war an etlichen Songs der Spencer Davis Group beteiligt und brachte den damaligen Hit „Sombody Help Me“ von Jackie Edwards bei den Aufnahmen mit ein.
Es war mir beim Schreiben dieses Beitrags nicht möglich die Namen der an den Aufnahmen beteiligten Musiker zu erfahren. Die eigentlichen Bandmitglieder sollen es nicht, oder nicht immer, gewesen sein. Der Name John Paul Jones wurde von Mick Weaver als Bassist an einem der Songs genannt, mehr Informationen gibt es nicht. Die Songs stammten vorwiegend von bei Island Records unter Vertrag stehenden Musikern, wobei die Rechte bei Island Records lagen.
Die eigentliche Band Wynder K. Frog gab es nur noch Live auf der Bühne.
Weihnachten 1966 kam es zu dem nächsten Auftritt bei der BBC in der Saturday Night Live Show, hier als Begleitung von Jackie Edwards. Es erschien dazu eine Flexidisc als Beilage zum Magazin „Dog’s Life“ mit den Titeln „Henry’s Panter“ und „“A Dog’s Life“ introduced by by Radio London DJ Ed „Stewpot“ Stewart“. Natürlich wurde der Bandname wieder falsch mit „Frogg“ geschrieben!

1967 war das Jahr von Jimmy Miller. Es begann mit seinem Megahit „I’m A Man“, eine Co-Produktion von Steve Winwood und Jimmy Miller. Jimmy Miller wurde zu einem der gefragtesten Produzenten bei Island Records. Zu seinen „Kunden“ zählten zum Beispiel Jimmy Cliff, The Smoke, Jackie Edwards und Traffic. Es blieb ihm nur Zeit für Aufnahmen von zwei Singles von Wynder K. Frog. Die Singles waren „Dancing Frog“ / „Green Door“ und „I’m A Man“ / „Shook Shimmy & Shake”. Da die Unterstützung durch Jimmy Miller und Chris Blackwell fehlte, zerbrach die Band. Mick Weaver blieb in London seine Bandkumpel und die Hammond gingen zurück nach Bolton.

Mick Weaver unterrichtete Chris Blackwell über diese Trennung. Mick Weaver bekam von Island Records eine brandneue Hammond vom Typ M-102. Er sollte sich, mit Unterstützung von Island Records, eine Band zusammenstellen. Neil Hubbard wurde sein Gitarrist, Alan Spanner der Bassits und Bruce Rowland der Drummer. In dieser Form konnte Wynder K. Frog wieder auftreten! Chris Blackwell brachte die neu formierte Band zurück in die Studios. Der Produzent von neun Songs war Muff Winwood. Geplant war, das Album sollte mehr werden als die Antwort Englands auf Booker T. & The MG’s. Unglücklicherweise wurde das Album nie veröffentlicht, warum auch immer.

Island Record hatte eine neue Idee, Jimmy Cliff und Wyder K. Frog sollten sich zusammentun! Ein erster gemeinsamer Gig in Grenoble bei den Olympischen Winterspielen wurde zur Lachnummer. Die Zusammenarbeit blieb trotzdem bis September erhalten. Dank Chris Blackwell kam es zu weiteren Auftritten, unter anderen in Ungarn mit Traffic. Es gibt keinerlei gemeinsame Aufnahmen von Wynder K. Frog mit Jimmy Cliff. Eine Schnapsidee von Island Records wurde im Spätsommer beendet.

Es musste endlich ein zweites Album her! Diesmal sollte der junge und unerfahrene Gus Dudgeon der Produzent sein. Das Album erhielt den Namen „Out Of The Frying Pan“. Zur gleichen Zeit erschien die Single „Jumping Jack Flash“ / „Baldy“ als Werbung für die Band.
An „Out Of The Frying Pan“ beteiligten sich eine Reihe von gefragten Musikern wie Anthony „Reebop“ Kwaku Baah (perc.), Chris Mercer und Dick Heckstall-Smith (sax.), Henry Lowther (trpt.).
Mercer, Heckstall-Smith und Lowther gehörten damals zu den Bluesbreaker von John Mayall und sind auf seinem „Bare Wires“ zu finden. Island Record versprach sich einen größeren Erfolg durch die Interpretation bekannter Songs.

Nach den Aufnahmen von „Out Of The Frying Pan“ kam es zur Auflösung der Band. Joe Cocker suchte nach einer neuen Grease Band. Neil Hubbard, Alan Spanner und Bruce Rowland folgten seinem Ruf. Gleichzeitig kam es auch bei Traffic Auflösungserscheinungen. Winwood trennte sich von Jim Capaldi, Chris Wood und seinem Produzenten Jimmy Miller. Es kam zu diversen Kooperationen, Beispiele sind Wooden Frog oder Mason, Capaldi, Wood & Frog. Songs dieser zwei „Bands“ können auf diversen Zusammenstellungen von Traffic oder Dave Mason gefunden werden. In der Hoffnung etwas färbt von Traffic ab, zogen sich die Musiker aufs Land zurück, um in der Einsamkeit einige Songs aufzunehmen. Den vier Musikern und Jimmy Smith wurde alles Mögliche von der Plattenfirma versprochen, Touren in die USA, Plattenaufnahmen und zahlreiche Gigs. Nichts davon wurde Realität! Nach ein paar Auftritten im März 1969 war Schluss mit dem Projekt Mason, Capaldi, Wood & Frog.

Mick Weaver besuchte vor und nach dieser Episode einige Studios und nahm mit anderen Studiomusikern Songs auf. Die Musiker wechselten ständig und Mick Weaver versuchte sich sogar an den Drums, nur weil kein Dummer zur Verfügung stand. Es reichte am Ende für das Album. „Accrington Mushroom“. Bei den Songs halfen ihm Neil Hubbard und Chris Mercer entweder als Songschreiber, Produzenten oder Mitspieler. Island Record vergab zwar eine Katalognummer, presste die Platte allerdings nicht. Als wenig später „Out Of The Frying Pan“ in den USA verkauft wurde und das relativ erfolgreich, erinnerte man sich an das verschmähte „Accrington Mushroom“. Mit dem neuen Titel „Into The Fire“ versuchte man es in den USA. Der Erfolg blieb aus.

Mick Weaver sah sich selbst nicht mehr als Bandleader und verabschiedete sich von seinem „Wynder K. Frog“. Er war schon lange als Studiomusiker mit seiner Hammond gefragt, jetzt, als er die Band aufgab, beteiligte er sich an zahlreichen Alben von anderen Musikern. Mir bekannt ist er durch Beteiligungen bei Bands von Steve Ellis, Keef Hartley, Andy Fairweather Low, Frankie Miller, Alexis Korner, David Gilmour, Eric Burdon, Buddy Guy, Roger Chapman, Fat Mattress, Otis Rush, Taj Mahal und, und …. Es sind auf alle Fälle sehr viele Platten in meiner Sammlung mit seiner Beteiligung.

Zur Musik: Es ist zu 99% Instrumentalmusik. Gesang muss man suchen, auf „I’m A Man“ könnte man fündig werden, wenn man das Geschreie als Gesang bezeichnen kann. Ansonsten gibt es Vergleiche mit der Musik von Booker T. Jones, Jimmy Smith. Einige Cover grenzen an Fahrstuhlmusik, aber die Behauptung wäre bösartig und gilt nur für Songs seines ersten Albums! Mick Weaver zeigt, auch ohne Sänger lässt sich gute Musik machen. Viele der Coverversionen hört man mit ganz anderen Ohren. Seine Musik passt mehr oder weniger in die Schublade Rhythm ‚n‘ Blues, Soul und das mit viel Pop und etwas Jazz.

In der Box “Shook, Shimmy And Shake” gibt es auf jeder CD etliche Bonustracks, Singles, alternative Versionen und eine Menge unveröffentlichtes Material. Das Begleitheft beschreibt ausführlich die Geschichte von Wynder K. Frog (ich bediente mich beim Begleitheft in Ausschnitten).

Wynder K. Frog – Sunshine Super Frog

Wynder K. Frog - Sunshine Super Frog

Sunshine Superman
I Feel So Bad
Oh Mary
Blues For A Frog
Somebody Help Me
Mercy
Hold On, I’m Coming
Shook, Shimmy And Shake
Incense
Walking To New Orleans
(Don’t Fight It) Feel It
Dancin’ Pain

Bonus Tracks:

Turn On Your Lovelight
Zooming
Green Door (Mono Version)
I’m A Man
Henry’s Panter
Wade In The Water (BBC Version)

Wynder K. Frog – Out Of The Frying Pan

Wynder K. Frog - Out Of The Frying Pan

Jumping Jack Flash
Gasoline Alley
Willie And The Hand Jive
Harpsichord Shuffle
Baby I Love You
This Here
Green Door
Bad Eye
Alexander’s Ragtime Band
Tequila
The House That Jack Built
Hymn To Freedom
Hi-Heel Sneakers

Bonus Tracks:

Jumping Jack Flash (Mono Version)
Baldy
Dancing Frog (Stereo Version)
Blues For A Frog (Stereo Version)

Wynder K. Frog – Into The Fire

Wynder K. Frog - Into The Fire

Into The Fire
Howl In Wolf’s Clothing
F In Blues
Cool Hand Stanley
Eddie’s Tune
Why Am I Treated So Bad
Hot Salt Beef
Warm And Tender Love

Bonus Tracks:

Happy Jack
We Can Work It Out
Funky Broadway
Loving You Is Sweeter Than Ever
Memory Of Bruce
The House That Jack Built
I’ll Go Crazy
Tequila
Baldy

 

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Ein Kommentar

  1. Erstklassiger Beitrag !! Was Cherry Red für Reissues, ist der RZ als Schatzgräber. Bleib weiter gesund und so kreativ remo4 !! Rock’n’Roll und Klingende Grüsse

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