The Pointer Sisters (1973)

Das was die aus Oakland stammenden Pointer-Schwestern da anno 1973 auf ihre erste LP pressten ist auch nach Jahrzehnten noch sagenhaft gut und in dieser Zusammensetzung einzigartig: Vocal-Jazz der 1920er bis 40er mit New-Orleans-Karneval-Feeling (optisch liebevoll und opulent umgesetzt/kostümiert) kollidierte hier in einzigartiger Art und Weise mit Blues, Rhythm & Blues, Soul, Ragtime, Dixieland, Funk und Rock, in gewisser Weise kann man von Fusion Music sprechen. Eine durchs Band begeisternde Angelegenheit die über weite Strecken ohne Gitarren auskommt, auch wenn bei „Yes We Can Can“ und dem „Wang Dang Doodle“ zu eben solchen gegriffen wurde, auf der Bühne brauchten das die Pointer Sisters nicht, da sorgten in den ersten Jahren Anita, Ruth, June und Bonnie Pointer mit rudimentärer Bass/Drums/Piano-Begleitung für ausreichend elektrisierende Stimmung.


Es lohnt sich die damals entstandenen Filmclips aufzuspüren, die erwähnten „Yes We Can Can“ (aus dem Songportfolio von Allen Toussaint) und „Wang Dang Doodle“ (ein Klassiker von Willie Dixon) sind in einigen um 1973/74 vorgetragenen Live-Versionen noch viel gewaltiger als die Studioversionen die in den Wally Heider Studios in San Francisco entstanden waren.




Das gilt auch für einen Auftritt in der niederländischen TV-Musikshow TOPPOP in der es die auftretenden Künstler normalerweise nur Playback gab, die Pointer Sisters und ihre Begleiter hingegen sägten auch hier den „Doodle“ vor Ort 100% live aus dem Holzstamm und liessen ihre Stimmen wie Hobelspäne durch den Raum fliegen, inklusive Scat- und Kazoo-Sax-Solos, wer also solche vokalen Kehlkopf-Experimente liebt, der sollte sich unbedingt mal im frühen Repertoire der Pointer Sisters umsehen, das schlicht Pointer Sisters betitelte Debutalbum ist ein furioser Ritt durch die musikalischen US-Roots.

Die nachfolgende LP That’s A Plenty (1974, erschien ebenfalls bei ABC’s Sublabel Blue Thumb) war die konsequent umgesetzte Fortführung des Konzeptes, hier streckten die Sisters die Fühler sogar nach dem Genre C&W aus, zumindest bei der bezaubernden Country-Ballade „Fairytale“ von Anita und Bonnie bei der vermutlich einer wie Mick Jagger in die Knie ging als er sie zum erstem Mal zu hören bekam. „Black Coffee“ hingegen enthielt wieder diese schwer zu definierende aber süchtig machende Substanz aus Soul, Blues und Jazz wie man sie sonst nur im allertiefsten Süden der USA entdeckt. Und was ist eigentlich „Bangin‘ On The Pipes / Steam Heat“? Ist das die Verlobung von kinky Vaudeville-Humor mit R&B und Bigband-Swing? Keine Ahnung, aber die Doppelnummer ist grandios, genauso wie das völlig überdrehte und jazzige „Salt Peanuts“.

Den Abschluss der ersten Karrierephase bildete das in San Francisco mitgeschnittene Live-Album The Pointer Sisters Live At The Opera House (1974), bei diesem Auftritt hatte die Plattenfirma den Pointer Sisters sogar Orchesterverstärkung genehmigt. Ab Steppin‘ (1975) kippten die Schwestern die Jazz-Elemente allmählich über Bord, Tracks wie das furiose „Going Down Slowly“ (wieder von Toussaint) oder die Pointer-Eigenkomposition „How Long (Betcha‘ Got A Chick On The Side)“ tendierten nun stark in die Rock- und Funkrichtung. Nach dem Ausstieg von Bonnie Pointer wechselten Ruth, June und Anita von Blue Thumb Records zum RCA-Sublabel  Planet und eroberten Ende 1970er zuerst mit einer Coverversion von Bruce Springsteens „Fire“ und danach mit Knochenbrecherrock wie „Who Do You Love“ (vom genialen 79er-Abum Priority) die Charts ehe sie sich auf ewig mit „I’m So Exited“ (Pointer/Pointer/Pointer/Lawrence) in den Discotheken-Playlists dieser Welt verewigten.

June Pointer starb 2006.
Bonnie Pointer starb 2020.
Anita Pointer zog sich 2015 zurück.

Auch wenn es mittlerweile ruhiger geworden ist
um die Pointer Sisters, hier die aktuelle Besetzung:

Ruth Pointer
Issa Pointer (die Tochter von Ruth)
Sadako Pointer (die Enkelin von Anita)

 

The Pointer Sisters und That’s A Plenty wurden 2018
von SoulMusic Records mit Bonustracks ausgestattet
und vereint als DoCD neu aufgelegt.

The Pointer Sisters (1973) / That’s A Plenty (1974)
CD 1:
1. Yes We Can Can
2. Cloudburst
3. Jada
4. River Boulevard
5. Old Songs
6. That’s How I Feel
7. Sugar
8. Pains And Tears
9. Naked Foot
10. Wang Dang Doodle
Bonustracks:
11. Yes We Can Can (Single Version)
12. Wang Dang Doodle (Single Version)

CD 2:
1.Bangin’ On The Pipes / Steam Heat
2. Salt Peanuts
3. Grinning In Your Face
4. Shaky Flat Blues
5. That’s A Plenty / Surfeit, U.S.A.
6. Little Pony
7. Fairytale
8. Black Coffee
9. Love In Them There Hills
Bonustracks:
10. Steam Heat (Single Version)
11. Love In Them There Hills (Single Version)
12. Fairytale (Single Version)

YESWECANYESWECANYESWECANCAN… I LOVE IT!
mellow

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Ein Kommentar

  1. Auch so ein Stern, der erst in den letzten Jahren für mich aufging.
    “I’m so exited” – das war so ein Nervtöter! Deshalb hab ich sie gemeinsam mit Sister Sledge (We are family” in einen Eimer getan und aus. Dann ist mir irgendwann mal “Fire” aufgefallen – und das machen sie besser als Bruce! Aber ringsherum war mir das immernoch zu sehr Disco, bis ich ebenfalls auf jene ganz frühe Vielfalt stieß.
    Thanx for the oobarbleak!

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