Kursaal Flyers – Little Does She Knows – The Complete Recordings

Kursaal Flyers – Little Does She Know – The Complete Recordings

Es gibt Bands oder Musiker die haben einen großen Hit und der wird im Radio wochenlang rauf und runter gespielt. Um solche Bands mache ich grundsätzlich einen großen Bogen. In einigen Fällen war das ein Riesenfehler! Beispiele sind Frankie Miller mit „Darlin‘“, Steve Miller mit „Abracadabra“ und die Kusaal Flyers mit eben diesem „Little Does She Know“. Es war der erste Song den ich von ihnen hörte und der war so zuckersüß, dass mir die Lautsprecher zuklebten. Heute sehe ich ein, es waren alles Fehler und sogar „Little Does She Know“kann ich mir anhören ohne das mein Zuckerspiegel steigt.

Meine erste CD von den Kursaal Flyers war „Golden Mile“ mit dem Bonus „Five Live Kursaals“. Nach dem vollständigen Durchhören änderte sich meine Meinung über die Band. Nachschub war damals auf CD nur schwer zu bekommen. 2020 änderte sich das mit der Box „Little Does She Know“. Auf vier CDs sind sämtlich Aufnahmen der Kursaal Flyer vertreten. Zusätzlich gibt es ein kleines Heft mit der Geschichte der Band und Infos über die Alben.

Wer die Kursaal Flyers nicht kennt, sie stecken in der Schublade „Pubrock“, vergleichbar mit  Ace oder Brinsley Schwarz. Ihre Kontakte zu Dr. Feelgood verhalf ihnen zu Auftritten und Plattenverträgen. Sie kamenen aus Southend in Essex. Canvey Island ist nicht weit! Gegründet wurde die Band 1974. 1975 erschien das erste Album „Chocks Away!“. Es folgte noch im selben Jahr „The Great Artiste“ und ein Jahr später „Golden Mile“. Aufgrund von Streitereien innerhalb der Band kam es nicht zu einem weiteren Studioalbum, stattdessen wurde ein Livemitschnitt unter dem Titel „Five Live Kursaals!“ veröffentlicht. Die Band löste sich auf. Es folgten die üblichen Reunions und 1988 das vierte Album „ Former Tour De Force Is Forcer To Tour“.

Die Musik ist im Unterschied zu anderen Bands aus der Schublade Pubrock etwas weicher, man legte mehr Wert auf Melodie. Nicht vertun, die Kursaal Flyers können auch Rock! Country spielt bei vielen Songs auch eine Rolle und das bedingt durch den Einsatz von Banjo und Steel-Guitar. Es muss innerhalb der Band immer wieder zu Streit gekommen sein. Das führte dazu, dass die Band nach nur weniger Jahre auseinanderbrach. Das musikalische Potential für mehr Erfolge war da. Ein paar ihrer Songs kamen in die Charts, „Little Does She Know“  sogar bis auf den 14. Platz, und durch Auftritte in TV-Shows waren sie einem breiteren Publikum nicht unbekannt. Schade!

Kursaal Flyers – Chocs Away!

Kursaal Flyers - Chocs Away!

Die Band:

Ritchie Bull: bass, banjo
Will Birch: drums
Vic Collins: guit., voc.
Graeme Douglas: guit., keyb.
Paul Shuttleworth: voc.

Die Songs:

Pocket Money
Hit Records
Kung Fu
Tennessee
Chocs Away
Speedway
Brakeman
Now I’m Back
Yellow Sox
Silver Wings
Cross Country

Kursaal Flyers – The Great Artiste

Kursaal Flyers - The Great Artiste

Die Band:

Ritchie Bull: bass, banjo
Will Birch: drums
Vic Collins: guit., voc.
Graeme Douglas: guit., keyb.
Paul Shuttleworth: voc.

Gäste:

Bob Andrews: alto sax.
Brinsley Schwarz: tenor sax.
Digby Fairweather: trpt.

Die Songs:

Ugly Guys
The Great Artiste
Fall Like The Rain
Cruisin’ For Love
Back To The Book
Palais De Danse
Pain And Misery
Hypochondriac
Television
Drinking Alone

Kursaal Flyers – Golden Mile

Kursaal Flyers - Golden Mile

Die Band:

Ritchie Bull: bass, banjo
Will Birch: drums
Vic Collins: guit., voc.
Graeme Douglas: guit., keyb.
Paul Shuttleworth: voc.

Die Songs:

Little Does She Know
One Arm Bandit
Drinking Socially
Two Left Feet
Modern Lovers
Street Of The Music
Radio Romance
When The Band’s On The Stand
Detroit Tin
Third Finger Left Hand
Ready To Go

Bonus:

Little Does She Know (Edit)
Girl Talk
The Questionnaire (Unreleased 1977)
The Sky’s Falling In On Our Love
Revolver

Five Live Kursaals! – (Live im Marquee Club London 03.05.1977)

Five Live Kursaals

Die Band:

Paul Shuttleworth: voc.
Ritchie Bull: bass, banjo
Vic Collins: guit., voc.
Barry Nartin: guit., keyb.
Will Birch: drums

Die Songs:

Original Model
Yellow Sox
Pocket Money
Cruisin’ For Love
The Sky’s Falling In On Our Love
Little Does She Know
Street Of The Music
TV Dinners
Speedway
Revolver
On My Mind
Anna (Go To Him)
Friday On My Mind

Bonus:

Television Generation
Girlfriend Kinda Guy (Unreleased 1977)
Everything But A Heartbeat (Unreleased 1977)
Girls That Don’t Exist (Unreleased 1977)    

Kursaal Flyers – A Former Tour De Force Is Forced To Tour

Kursaal Flyers - A Former Tour De Force Is Forced To Tour

Die Band:

Dave Hatfield: bass, voc.
Will Birch: drums
Vic Collins: guit., voc.
Graeme Douglas: guit., voc.
Paul Shuttleworth: voc.
Ian Gibbons: keyb.

Die Songs:

If You Would Only Talk To Me (Like You Talk To The Dog)
Pre-Madonna
Tonight Before Tonight
Man In Mohair
A Former Tour De Force Is Forced To Tour
Luxury Lane
My Sugar Turns To Alcohol
Paranoid Weekend
Old Men Need Some Lovin’ To
Monster-In-Law

Bonus:

Cruisin’ For Love (Remake)
Slimmin’ (For The Women)
Walking To School (Unreleased 1976)
Route 66 (From The Southend Rock Compilation)
Tennessee (Radio Session 1975)
Foggy Mountain Breakdown (Radio Session 1975)
Yellow Sox (Radio Session 1975)
Route 66 (Radio Session 1975)

 

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3 Kommentare

  1. Kursaal Flyers in einem Beitrag? Wenn das mal nicht eine Ueberraschung ist. Seit 1975 (Chocs Away!) gehören die zu meinem Musikuniversum und hier stehen alle Alben als CD und LP (d.h. doppelt und manchmal sogar dreifach). Inklusiv der “In For A Spin”, welche viele der damals nicht veröffentlichten Tracks enthält. Das man solche Songs damals auf Halde legte, unbegreiflich (für mich), die sind etwas vom Besten das mir damals zu Gehör gekommen ist.

    Mir war der Bezug Kursaal Flyers zu der Pubrock-Szene und hier vor allem zur Umgebung des Thames-Delta sehr wohl bewusst, aber ich kann heute nicht mehr sagen, wieso ich 1975 “Chocs Away!” gekauft hatte. Könnte eine Besprechung in Sounds gewesen sein, jedenfalls war ich danach völlig dabei. Die Kursaal Flyers konnten wirklich Songs mit Melodie schreiben, die waren nicht per se Rock, sondern da ging eine Melange in das Geschehen ein und resultierte in Tracks, die man einfach nicht mehr aus den Ohren bekam.

    Was allerdings unbedingt erwähnt werden muss, die Texte waren meistens lustig, zynisch und ironisch (und manchmal kritisch). Sie kommentierten den Status der Jugend ca. Mitte der 70er auf eine Art und Weise, die damals noch nicht so sehr verbreitet war. Typisch Grossbritannien eben und etwas weniger offensiv als z.B. Frank Zappa in den USA. Paul Shuttleworth hat bis vor ein paar Jahren eine Version der Kursaal Flyers am Leben gehalten (nur Tours), aber soviel ich weiss, ist nun auch Ende Gelände damit. Will Birch hat später die Band “The Records” gegründet, die aber weder annähernd den Erfolg der Kurssal Flyers hatte, noch denen das Wasser punkto Songmaterial reichen konnte. Will Birch ist auch Buchautor und ich kann wirklich jedes Werk (das ich gelesen habe) von ihm empfehlen. Daneben schreibt er für eine Vielzahl von Publikationen auf dem englischen Markt, hauptsächlich zum Themengebiet populäre Musik.

    Die Geschichte von mir und Ritchie Bull habe ich mal im Rockzirkus Forum erzählt und bleibt besser “six feet under”. Jedenfalls, vielen Dank an remo4 für diesen Beitrag (mir war die Kompilation bis dato gar nicht bekannt und obwohl ich so ziemlich alles von den Kursaal Flyers im Schrank zu stehen habe, diese Ausgabe wird gekauft). Wenns heute Morgen draussen geregnet hätte, spätestens jetzt wäre die Sonne aufgegangen.

    Cheers

    Roland

  2. Und die Zusammenstellung ist eingetroffen.

    Negativ:
    Ich habe selten einen schlechter zusammengezimmerten Karriereüberblick einer Band gesehen. Haptisch ist das allerbilligste Machart, angefangen vom papierdünnen Slipcase (Beschädigungen sind vorprogrammiert – bereits beim Erhalt via Post oder im Laden im Regal) bis zur völlig idiotischen Aufteilung der Tracks auf die vier CDs. War wohl der Lehrling gerade unterbeschäftigt. Auch wenn die damit ein englisches Pfund gespart haben mögen, das Geld in eine anständige Verpackung inverstiert, wäre wohl nicht verkehrt gewesen und ich denke, das hätte auch nicht in weniger Verkäufen resultiert. Missed Opportunity!

    Positiv:
    Wenn man den dicken Hals mal für einen Moment vergessen kann, das Booklet gefällt mir schon rein optisch (den Text muss ich mir noch durchlesen). Die Musik mit den bisher (wirklich) unveröffentlichten Tracks wird sowieso über jeden Verdacht erhaben sein (vorausgesetzt die Soundqualität stimmt und das sind keine Remixe).

    Fazit:
    Kann man kaufen, ist ja billig genug. Muss man kaufen, wenn man an der Musik der Kursaal Flyers interessiert ist. Sollte man liegen lassen, wenn man auf Haptik wert legt.

    Ich warte jetzt halt noch auf eine qualitativ schöne Box (dream on!).

    Cheers

    Roland

    P.S.: “Girls That Don’t Exist” (unreleased 1977 aber auf der “In For A Spin” zu finden) ist einer dieser Songs die für die Ewigkeit gemacht sind und die von mir angesprochene Ironie mit einem Schuss Depressionsbewältigung bestens vorführen. Einer der vielen Klassiker auf dieser Zusammenstellung.

  3. Ich denke viele Engländer landeten zu Beginn der Siebziger bei der Countrymusic weil sie das Leben in zügigen, feuchten und null isolierten Buden mit Plumpsklo auf’m Hinterhof endgültig satt hatten. Die Vereinigten Staaten mit musikalischen Epizentren wie Nashville und neuen Country-Vertretern wie New Riders Of The Purple Sage wurden zu sowas wie dem gelobten Land in dem offenbar immer die Sonne schien und auf ewig die Pedal Steels jammerten, die üblen Dinge die da drüben abgingen konnte man ja ausblenden. Einfach mal die depressiven Gedanken hinter sich lassen und weg aus’m Nebel und der ganzen Wirtschaftskrise entfliehen. Okay, meistens liess das die Geldbörse bei Mittelschichtsbriten nicht zu (maximal gab es einen Trip nach Frankreich, Spanien oder Portugal), dann zumindest imaginär in Gedanken für ein paar Stunden indem man sich solch beschwingte Crossover-Mucke mit Bezug zu Country, Swing, Pop und dem Big Beat der Fifties und Sixties reinzog, auf Platte oder am Event im Dorfsaal. Einer aus dieser Kneipen-Szene schaffte es später übrigens dann doch noch der insulanischen Tristesse zu entfliehen, zumindest zeitweise, er ehelichte die Stieftochter eines legendären Countrybarden und nahm später auch mal ein Album mit Ry Cooder und Jim Keltner auf, aber das ist eigentlich eine ganz andere Geschichte, die Geschichte des “Jesus Of Cool” alias Nick Lowe.

    Bei den Kursaal Flyers war ich ein relativer Spätzünder, ich entdeckte sie erst ca. 1977/78 als ich über die LP Five Live Kursaals stolperte. Bei der Golden Mile (die mir ausgezeichnet gefällt) frage ich mich manchmal wie schwer der Stempel wiegt den hier Produzent Mike Batt aufgedrückt hat, ich denke vor allem bei “Little Does She Know” scheint er so ziemlich auf den Spuren von Phil Spector gewesen zu sein. Batt hatte übrigens auch die Spassunternehmung Wombles mit Chris Spedding produziert, womit wie wieder beim britischen Humor angelangt wären.

    In Bezug auf Verpackung/Präsentation finde ich übrigens das RPM-Package gar nicht mal so übel (zu den alten Punkzeiten kaufte man oft auch in Kopierpapier eingewickelte Singles), immerhin mit Booklet und ohne in der Mitte “zerschnittenes” Original-Album das auf unterschiedliche CD’s verteilt ist. Beim 2007er-Reissue der gesammelten Aufnahmen von McGuinn, Clark & Hillman hatte es die Firma Acadia tatsächlich geschafft die gloriose Scheibe City zu zerteilen, ein Affront, jedenfalls für mich! Ausserdem stecken da die zwei CD’s in so einem idiotischen fragilen Plastikschachtel-Ausklapper der meistens nach zweifachem Gebrauch auseinander fällt, spätestens beim Versuch die rückwärtige CD ein- oder auszudrücken.

    Naja, schlussendlich zählt die Musik, und diesbezüglich kann ich die Kursaal Flyers nur empfehlen. Übrigens mag ich auch den Powerpop von The Records, ihr Album Crashes (1980) landet immer wieder mal in meinem CD-Player und die Single “Teenarama” könnte eigentlich bei Gelegenheit auch wieder mal in der Jukebox Platz nehmen und eine Runde mitfahren.

    mellow

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