The Keef Hartley Band

The Keef Hartley Band

Essener Pop & Blues Festival 1969Keef Hartley war 1969 ein im Rockzirkus ungewöhnlicher Drummer. Er wollte Rock und Blues mit einer Big Band unter die Leute bringen. Wer ihn jemals mit dieser Big Band auf der Bühne erlebte, wird ihn so schnell nicht vergessen.
Eine Big Band zu unterhalten ist teuer, so war der Spaß bald zu Ende. Seine Platten waren, als ich den Ur-Beitrag ca. 2003 schrieb, sehr gesucht und als CD kaum zu bekommen. Ein paar Jahre später änderte es sich und heute gibt es keinerlei Probleme bei der Beschaffung. Meine erste Begegnung fand beim ersten Essener Pop & Blues Festival statt und zwar, genauer gesagt, vom 9. bis zum 11. Oktober 1969. Keef Hartley rockte mit seiner „Big Band“ die Gruga. In den folgen Jahren gab es in Essen zwei weitere Festivals und immer mit der Keef Hartley Band als eines der Höhepunkte. Damals wurde ich zum Fan von Keef Hartley und Miller Anderson.

In der Liverpooler Szene aufgewachsen war es anfangs das Los von Keef Hartley der Nachfolger von Ringo Starr zu sein. Es begann mit Rory Storm & The Hurricanes und anschließend bei  den Artwoods. Art Wood, der Bruder von Ron Wood, leitete diese Band, ich schrieb darüber im Blog. Zu den Mitgliedern der Artwoods gehörte unter anderen auch Jon Lord.

1967 hörte sich John Mayall Keef Hartley an. Voller Begeisterung verpflichtete John Mayall ihn für seine Bluesbreaker nur um ihn wegen Unfähigkeit nach einer Woche wieder aus der Band zu werfen. Nach reiflicher Überlegung änderte John Mayall seine Meinung und holte ihn wieder zurück. Das Ergebnis waren die Alben „Crusade“, „The Blues Alone“ und die beiden Teile von „The Diary Of A Band“.

John Mayall - Crusade (1967) John Mayall - The Blues Alone (1967)
John Mayall - The Diary Of A Band Vol. 1 John Mayall - The Diary Of A Band Vol. 2

Keef Hartley hatte den Traum, eine Big Band zu leiten. John Mayall unterstützte das Vorhaben und 1968 wurde es umgesetzt. Keine Ahnung wer damit zuerst anfing eine Blues- oder Rockband mit Bläsern zu verstärken. In den Jahren 1968 und 1969 fanden etliche Experimente dieser Art statt. In Essen erlebte ich zum Beispiel Taj Mahal in der Begleitung von Tubas, das erste Album von Blood Sweat & Tears erschien 1968 und Chicago war nicht weit weg. Die Auftritte der Keef Hartley Band waren in Deutschland und der Schweiz Riesenerfolge. Aus Gründen der Public Relations zeigte sich Keef Hartley als Indianerhäuptling. Woher der Drang zu den Verkleidungen kam, keine Ahnung. Die indianische Aufmachung spiegelt sich auf den Cover seiner Alben wieder.

Miller AndersonWenn ich an die Keef Hartley Band denke, dann fällt mir sofort der Name Miller Anderson ein. Miller Anderson beschreibt seine Zusammenarbeit mit Keef Hartley ausführlich in seiner Autobiografie „Woodstock, 1000 Clubs & Royal Albert Hall“. Das Buch kann übrigens direkt bei Uli Twelker bestellt werden, der auch an der Erstellung das Buches beteiligt war. Was immer verschwiegen wurde, ist der Auftritt beim Festival in Woodstock! Die Geschichte, warum die Keef Hartley Band weder im Film noch auf den zahlreichen Aufnahmen vertreten ist, kann in diesem Buch nachgelesen werden. Miller Anderson lieferte die meisten Kompositionen, seine Stimme und Gitarre gaben den Ton an.

An dem ersten Album, „The Battle Of North West Six”, der Keef Hartley Band beteiligten sich eine Reihe Gäste mit bekannten Namen wie zum Beispiel Mick Taylor, Barbara Thompson oder Spit James (aka Ian Cruickshank). Auf der Rückseite des Cover können die Geschichten zu den Songs nachgelesen werden, vorbildlich! Die Stammbesetzung der Keef Hartley Band bestand aus Keef Hartley, Miller Anderson und Gary Thain. Noch während der Aufnahmen stießen Henry Lowther und Jim Jewell zum Stammpersonal der Band. Gestaltet wurde das Cover übrigens von dem bereits oben erwähnten Art Wood. Aufgenommen wurde es in den Studios von DECCA in West Hampstead. Produzent war Neil Slaven.

Keef Hartley Blues Band essenNoch im gleichen Jahr, 1969, entstand das zweite Album „Halfbread“. Keef Hartley prangt auf dem Cover in voller Indianermontur. Die Besetzung hatte sich geändert. Den Kern bildete jetzt Keef Hartley, Miller Anderson, Gary Thain, Peter (Dino) Dines und Spit James. Den Anfang von „Halfbread“  macht der Song „Sacked“, was übersetzt so viel wie „Entlassen“ bedeutet. Es ist ein Telefonat zwischen John Mayall und Keef Hartley zu hören, in dem John Mayall Keef Hartley scheinbar aus der Band wirft. Das Telefonat und der Rauswurf waren natürlich vorher abgesprochen! „Halfbread“ ist für mich das beste Album der Keef Hartley Band. Alleine der Bluesklassiker „Leavin´ Trunk“ gehören für mich zu den eindrucksvollsten Cover die ich kenne. Aufgenommen wurde in den gleichen Studios wie der Vorgänger und produziert wurde ebenfalls von Neil Slaven.

Im folgen Jahr entstand „The Time Is Near…“. Diesmal war es zwar immer noch Neil Slaven als Produzent, aber die Studios wechselten sich ab. Ein Teil wurde in den Trident Studios und ein anderer Teil in den Morgan Studios aufgenommen. Auch in der Besetzung tat sich etwas. Keef Hartley, Miller Anderson und Gary Thain waren die einzigen festen Größen. Irgendwie war es für mich ein leichter Abfall. Immer noch ein erstklassiges Album, aber es gefiel mir nicht mehr so wie die Vorgänger.

Am Anfang beschrieb ich meine Liveerfahrung mit der Keef Hartley Band. Es war auch für die anderen Fans der Band Zeit, dass ein Livealbum auf den Markt kommen sollte. Das Album nannte sich „Little Big Band“, ich schrieb darüber. Es war wahrscheinlich die Besetzung, die ich vom dritten Essener Pop & Blues Festival 1970 bereits kannte.

Keef Hartley Blues Band

1971 wurde das vierte Studioalbum aufgenommen. Produzent war weiterhin Neil Slave. Ein Studio ist nicht angegeben, der Ort der Abmischung war Trident. Interessant sind die Beteiligungen von Jon Hiseman und Johnny Almond an einigen der Songs.

1971 war auch das Jahr, in dem für mich das Ende „meiner“ der Keef Hartley Band gekommen war. Miller Anderson verließ die Band und kümmerte sich um sein eigenes Album „Bright City“. Nach dem Weggang von Miller Anderson ließ die Qualität der Band rapide nach. Keef Hartley versuchte es 1972 noch einmal mit „Seventy Second Brave“. Trotz guter Mitspieler konnte das Album nicht mehr an den Erfolg der ersten Alben anknüpfen. Der Verlust von Miller Anderson war zu groß, es fehlte etwas an den Songs. Heute kann ich, mit dem Abstand der Jahre, mir „Seventy Second Brave“ anhören und es gefällt mir sogar. Es gefallen mir allerdings auch Dutzende andere Rockalben aus dieser Zeit.
Keef Hartley versuchte es mit Miller Anderson 1975 noch einmal. Man gab sich den Namen Dog Soldier und nahm acht Songs auf. Der Lack blieb weiter ab und auch die Verkaufszahlen. Mir geht es mit „Dog Soldier“ ähnlich wie mit „Seventy Second Brave“, nicht schlecht, aber mit der Keef Hartley Band hat das wenig zu tun. Was mir an Alben von Keef Hartley noch gefällt, ist sein „Lancashire Hustler“ von 1973. Hier ist es Jess Roden dessen Stimme ich mag. Der Versuch „Dog Soldier“ kam zu spät. Das Experiment der Keef Hartley Big Band starb 1972. Vielleicht waren es auch finanzielle Gründe, Keef Hartley engagierte stets erstklassige Musiker die auch gut bezahlt werden wollten.

Keef Hartley Blues Band essen

Keef Hartley begleitete Michael Chapman, taucht auf Alben von Vinegar Joe auf und später bei Lothar Meid und dessen Platte „Mensch dieser Klaus!“. Keef Hartley starb am 26. November 2011.
Miller Anderson versuchte sich Solo mit eigenen Bands, spielte Gitarre bei Savoy Brown, Chicken Shack, Broken Glass, Mountain, bei der Spencer Davis Group, dem British Blues Quintet, Zoot Money, Pete York, The Dukes, T. Rex und bei etlichen anderen. Es sind zu viele um alle zu nennen.
Gary Thain schloss sich Uriah Heep an, am 8. Dezember 1975 starb er an einer Überdosis Heroin.
Den Namen Mick Weaver (alias Wynder K. Frog) findet man auf etlichen Alben, immer wieder auch im Zusammenhang mit Miller Anderson. Man sieht ihn in der Besetzungsliste der Grease Band oder der Memphis Band. Er war beteiligt an Alben von David Gilmore, Ian Matthews, Frankie Miller, Jess Roden und Andy Fairweather-Low um nur einige Beispiel zu nennen.
Chris Mercer war ein gefragter Saxophonist. Auch hier nur ein paar Beispiele der Musiker und Bands die er begleitete: John Mayall, Martha Velez, Juicy Lucy, Andrew Lloyd Webber, Dr. John, Hemlock, Slade, Kevin Coyne, Freddie King, Chris de Burgh, Charge und Gonzales. Das sind nur ein Bruchteil an Namen die genannt werden könnten.
Wer nach Henry Lowther im Netz sucht, der wird mehrere hundert Beteiligungen finden.
Dino Dines schloss sich Marc Bolan und seiner T. Rex an. Er starb am 28. Januar 2004.
Auch die anderen Musiker waren (und sind) gefragte Studiomusiker oder haben ihre eigenen erfolgreichen Bands.

Keef Hartley Band – Battle Of N.W. Six – 1969

Die Band:

Keef Hartley: drums, perc.
Miller Anderson: guit., voc.
Henry Lowther: trpt., flugelhorn, violine
Jim Jewell: sax.
Gary Thain: bass

Gäste:
Spit James: guit.
Mick Weaver: keyb.
Lynn Dobson: sax, flute
Mike Davis: trpt.
Chris Mercer: sax
Barbara Thompson: sax, flute
Harry Beckett: tpt., flügelhorn
Ray Warleigh: flute
Mick Taylor: guit.

The Dansette Kid
Hartley Jam For Bread
Don’t Give Up
Me And My Woman
Hickory
Don’t Be Afraid
Not Foolish, Not Wise
Waiting Around
Tadpole
Poor Mabel (You’re Just Like Me)
Believe In You
Keef Hartley Band - Battle Of N.W. Six

Keef Hartley Band – Halfbreed – 1969

Keef Hartley: drums und LEADER
Miller Anderson: guit., voc.
Spit James: guit.
Peter (Dino) Dines: keyb.
Gary Thain: bass

Gebläse:
Henry Lowther: trpt., violine
Harry Beckett: trpt.
Lyn Dobson: sax., flute
Chris Mercer: sax.
John Mayall: Telephone

Sacked: introducing Heart And Flowers, Confusion Theme, The Halfbreed
Born To Die
Sinnin’ For You
Leavin’ Trunk
Just To Cry
Too Much Thinking
Think It Over Too Much To TakeBonus auf der CD:
Leave It ‘Til The Morning
Keef Hartley Band - Halfbreed

Keef Hartley Band – The Time Is Near – 1970

Keef Hartley: drums, perc.
Miller Anderson: guit., voc.
Henry Lowther: Trpt., flügelhorn
Jim Jewell: sax.
Gary Thain: bass
Dave Caswell: Flügelhorn, Euphonium, trpt.
Lyle Jenkins: sax.
Stuart Wicks: keyb
Dell Roll: perc.

Morning Rain
From The Window
The Time Is Near
You Cant Take It With You
Primonition
Another Time Another Place
Change
Keef Hartley Band - The Time Is Near

Keef Hartley Band – Overdog – 1971

Keef Hartley: drums, perc.
Miller Anderson: voc, guit.
Gary Thain: bass
Mick Weaver: keyb.
Dave Caswell: trpt.
Lyle Jenkins: sax., flute
Johnny Almond: flute
Jon Hiseman: drums. perc.
Peter Dines: keyb.
Ingrid Thomas, Joan Knighton, Valerie Charrington: backing voc.

You Can Choose
Plain Talkin
Theme Song: Enroute, Theme Song Reprise
Overdog
Roundabout
Imitations From Home
We Are All The Same
Keef Hartley Band - Overdog

Keef Hartley Band – Little Big Band – 1971

Keef Hartley: drums, perc.
Miller Anderson: voc., guit.
Gary Thain: bass
Pete York: drums
Derek Wadsworth: trpt.
Danny Allmark: trombone
Chris Mercer: sax.
Lynn Dobson: Sax., flute
Barbara Thompson: sax.
Roger Wade: sax.
Derek Austin: keyb.
Mike Rosen: trpt.
Mike Davis: trpt.
Terry Noonan: trpt.
Martin Drower: trpt.
Harry Beckett: trpt.

You Can’t Take It With You
Me And My Woman
Not Foolish Not Wise
Legoverture:
a Leavin Trunk
b Halfbreed
c Just To Cry
d Sinnin For You
Keef Hartley – Little Big Band

Keef Hartley Band – Seventy Second Brave – 1972

Keef Hartley: drums
Gary Thain: bass, voc.
Chris Mercer: sax.
Nick Newell: sax., flute
Junior Kerr: guit., voc.
Pete Wingfield: keyb., voc.
Mick Weaver: keyb.

Heartbreakin’ Woman
Marin County
Hard Pill To Swallow
Don’t You Be Long
Nicturns
Don’t Sign It
Always Thinking Of You
You Say You’re Together Now
What It Is
Keef Hartley Band - Seventy Second Brave

Keef Hartley – Lancashire Hustler – 1973

Jess Roden: voc.
Junior Kerr: voc., guit.
Jean Rouselle: keyb.
Mick Weaver: keyb.
Philip Chen: bass
Elkie Brooks: backing voc.
Robert Palmer: backing voc..

(Chen und Roden trifft man später bei der Butts Band)

Circles
You And Me
Shovel A Minor
Australien Lady
Action
Somethin About You
Jennies Father
Dance To The Music
Keef Hartley - Lancashire Hustler

Dog Soldier – Dog Soldier -1975

Keef Hartley: drums
Miller Anderson: guit., voc.
Mel Simpson: keyb., voc.
Paul Bliss: bass, voc.
Derek Griffiths: guit., voc.

Pillar To Post
Several People
You Are My Spark
Long Andf Lonely Night
Giving As Good As You Get
Thieves And Robbers
Strangers In My Own Time
Looks Like Rain
Keef Hartley Band - Dog Soldier

Keef Hartley Band – Not Foolish Not Wise

Finger weg von diesem Teil!
Die Qualität eines Bootlegs! Nur für eingefleischte Fans!

Sinning for You
Spanish Fly
Me and My Woman
Too Much Thinking
Not Foolish, Not Wise
Don’t You Belong
Marin County
Always Thinking of You
Don’t Sign It
Colours
Roundabout
You Can’t Take It With You
Just a Cry
Not Foolish Not Wise

 

(Visited 187 times, 1 visits today)

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

13 + fünf =